Sonntag, 20. September 2020
Donnerstag, 27. August 2020

TORGAU

"Vielleicht sind manche Berufe einfach zu wenig bekannt"

Radiologische Diagnostikgeräte mit moderner Technik wie diesen CT zu bedienen, gehört zum alltäglichen Berufsbild eines Medizinisch-Technischen-Röntgen-Assistenten. Foto: TZ/Huber

Von unserem Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Der Radiologischen Praxis im KKH Torgau fehlen neue MTRA-Fachkräfte. Änderungen bezüglich der gesetzlichen Ausbildungsbedingungen sollen Besserung bringen.

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Dass in der Region Torgau mittlerweile seit Jahren der Ärztemangel immer akuter wird, ist ein offenes Geheimnis. Dieser Mangel betrifft vor allem Allgemeinmediziner, aber auch andere, spezialisierte Fachbereiche. Doch wer genauer hinsieht oder bereits Erfahrungen mit dieser Problematik gesammelt hat, dem wird schnell bewusst, dass nicht nur bei Ärzten, sondern ebenfalls in anderen medizinischen Berufen Fachkräfte fehlen. Ein passendes Beispiel: die Radiologische Praxis im Kreiskrankenhaus „Johann Kentmann“ in Torgau. Hier zeichnet sich seit einigen Jahren vor allem bei den Medizinisch-Technischen-Röntgen-Assistenten – kurz: MTRA – die Tendenz ab, dass zu wenig junge Menschen in der Region nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung in diesem Bereich absolvieren (TZ berichtete).

Bestimmte Berufe rücken aus dem Blickfeld
„Vielleicht sind manche medizinischen Berufe, wie zum Beispiel  der des MTRA, einfach bei den jungen Menschen zu wenig bekannt“, vermutet Ingo Poser, Personalleiter im KKH Torgau. Eine Vermutung, die nahe liegt, kommen einem doch beim Stichwort „medizinische Ausbildungsberufe“ oftmals in erster Linie sehr allgegenwärtige Berufsgruppen wie Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger oder auch therapeutische Berufe in den Sinn. Da können andere, unbekanntere Berufsgruppen, schon einmal aus dem Fokus rücken. „In den letzten Jahren haben wir im Durchschnitt einem Praktikanten pro Jahr die Möglichkeit gegeben, notwendige Praktika in der Radiologischen Gemeinschaftspraxis am KKH Torgau abzuleisten. Die Nachfrage war insoweit konstant (auf niedrigem Niveau)“, beschreibt Ingo Poser die aktuelle Situation. Da einige Berufsschulen seines Erachtens nach zu wenige Schüler für den wachsenden Bedarf an MTRAs in Sachsen beziehungsweise Torgau ausbilden würden, sei aus diesem Grund eine Kooperation mit der Berufsfachschule der Uni Leipzig oder der Uni Halle angestrebt, „welche zukünftig die theoretische Ausbildung für hiesige Schüler abdeckt bzw. kontinuierlich sicherstellt.“

Nach Ingo Poser seien die MTRAs nicht der einzige Berufsstand, welcher  von zu geringem Fachkräftenachwuchs betroffen sei: „Der Fachkräftemangel schlägt auch auf andere (auch im KKH Torgau benötigte) Berufsbilder – zum Beispiel die Medizinisch-Technischen-Laboratoriums-Assistenten (MTLA) oder Hebamme/Entbindungspfleger – durch, wobei sich auch hier durch die Änderung der gesetzlichen Rahmen- und Ausbildungsbedingungen – etwa der Vergütung der Ausbildung (welche ebenfalls für die Ausbildung  zum MTRA neu eingeführt wurde, (Anmerkung der Redaktion, TZ berichtete), neue inhaltliche Schwerpunktsetzungen oder die Akademisierung der Ausbildung  – sicher die Chancen erhöhen, dass sich junge Menschen oder Quereinsteiger für diese Mangelberufe wieder interessieren.“

Was genau macht ein MTRA?
Die Medizinisch-Technischen Radiologie-Assistenten arbeiten an der Schnittstelle zwischen Technik, Arzt und Patient und nehmen gleichzeitig eine wichtige Rolle in der Diagnostik ein. Der Umgang mit hochtechnisierten Geräten, einschließlich der EDV bei der Bilderzeugung und Patientenverwaltung, gehört zum Arbeitsalltag und erfordert technisches Geschick und Verständnis. Als erster Ansprechpartner für die Patienten benötigen die MTRA zusätzlich Einfühlungsvermögen, Geduld und ein freundliches Auftreten. Um selbst schwierigen Notfallsituationen standhalten zu können, sollten sie außerdem physisch und psychisch belastbar sein. Durch den nach drei Ausbildungsjahren erlangten offenen Berufsabschluss haben die Absolventen die Möglichkeit, in der Nuklearmedizin, Strahlentherapie oder Radiologischen Diagnostik zu arbeiten. Auch die Industrie bietet interessante Einsatzmöglichkeiten. Potenzielle Interessenten können gern in der Radiologischen Praxis hospitieren, um sich einen besseren Eindruck von diesem Beruf machen zu können.

Ein unverzichtbarer Berufsstand für die radiologische Diagnostik und medizinische Grundversorgung von Patienten also, dessen Fortbestehen aufgrund zu wenig nachrückender junger Auszubildender in Torgau und Umgebung in naher Zukunft wohl noch eine Weile ungewiss bleiben wird. Denn bis erste Einschätzungen möglich sind, ob die jüngst ergriffenen Maßnahmen und Änderungen in den gesetzlichen Rahmen- und Ausbildungsbedingungen eine sicht- und messbare Wirkung zeigen, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Sicher ist zumindest, dass die Schüler und Studenten – nicht ausschließlich, aber vor allen Dingen in der Region Torgau – nach abgeschlossener Ausbildung beziehungsweise abgeschlossenem Studium sehr gute berufliche Zukunftsaussichten haben werden und von einer hohen Übernahmequote profitieren können. Denn wo dringend Fachkräfte gesucht werden, sind die Einstellungschancen natürlich höher.

Info
Die Top-10 der Berufswünsche aus der Region Torgau
1.Kfz-Mechatroniker/in - Pkw -Technik
2. Verkäufer/-in
3. Kaufmann/-frau im Einzelhandel
4. Kaufmann/-frau - Büromanagement
5. Fachlagerist/-in
6. Fachinformatiker/-in - Systemintegration
7. Verwaltungsfachangestellte/r - Kommunalverwaltung
8. Mechatroniker/-in
9. Tiermedizinische/r Fachangestellte/r
10. Verfahrensmechaniker/-in - Glastechnik

Quelle: Agentur für Arbeit Oschatz.
Stand: 30. 9. 2019.

Wichtige Hinweise: Die Statistik soll nur einen allgemeinen Überblick zur Orientierung über beliebte Berufe geben. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Hier sei nur der Erstwunsch berücksichtigt worden, keine Alternativwünsche. „Abgebildet werden nur Berufe nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Die medizinischen, nach Landesrecht geregelten Ausbildungsberufe, werden darüber nicht dargestellt. Diese Berufe werden jedoch aktiv von der Arbeitsagentur aufgenommen und vermittelt“, so Volkmar Beier, Presssprecher der Agentur für Arbeit Oschatz.


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