Sonntag, 20. September 2020
Donnerstag, 27. August 2020

NORDSACHSEN

"Veranstaltern wieder freie Hand lassen"

Sandro Oschkinat: „Nicht Geld, sondern Zeit ist das höchste Gut.“ Foto: Foto: privat

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Audenhain. Sandro Oschkinat, Veranstalter der Mega-Oldie-Party im Trailer Audenhain erklärt, warum Feste und Konzerte mit anderen Menschen wichtig als Ausgleich im Leben sind.

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SWB: An Corona kommt in diesem Jahr niemand vorbei. Auch Sie nicht. Wie erging es Ihnen als Berufstätiger und als Veranstalter der Mega-OldieParty im Trailer Audenhain?

Sandro Oschkinat: Das neue Discokonzept – Einlass bereits ab 19 Uhr, ab 22 Uhr kein Einlass mehr – im Trailer Audenhain (ein Ortsteil von Mockrehna, Anm. d. Red.) hat seit vergangenem Jahr erfolgreich funktioniert. Die Gäste waren rechtzeitig da, und es ist uns gelungen, überwiegend älteres Publikum für unsere Veranstaltungen zu begeistern – vor allem Menschen im Alter von 30 bis 60 Jahren sprichwörtlich wieder aus der „Bude“ zu locken. Ein großartiger Erfolg in einer erlebniskulturell oft schon totgesagten Region. Anfang März stand bei mir als Gastwirt alles still. Bis heute habe ich durch die Corona-Maßnahmen keine einzige eigene Veranstaltung  mehr gemacht, dennoch alle Unkosten getragen und keinerlei Hilfe bekommen. Gleichzeitig hatte ich durch eine Festeinstellung im Einzelhandel das Glück, nicht unbedingt auf die Einnahmen aus meinem Schankgewerbe angewiesen zu sein.  
Wer Sie kennt, weiß, dass Sie durchaus ein streitbarer Zeitgenosse sind. Konnten Sie alle Regelungen rund um die Pandemie nachvollziehen und mittragen?
Nein. Ich habe im Einzelhandel täglich mit mehreren Hunderten Menschen direkten Kontakt. Ich habe die komplette Corona-Krise mit all ihren gesellschaftlichen Auswirkungen erlebt. Die angeblichen Schutz-Maßnahmen kamen zum größten Teil viel zu spät, waren inkonsequent und unsinnig. Während Kneipen, Sportstätten, Tierparks und kleine Geschäfte geschlossen wurden, haben die Menschen die Supermärkte stärker frequentiert als vor Weihnachten oder Ostern. Wenn es eine wirklich gefährliche Bedrohung durch einen Virus für die Bevölkerung gegeben hätte, hätte man die Auswirkungen zuerst im Einzelhandel spüren müssen. Spätestens nach mehreren Monaten aufmerksamen Beobachtens, Gesprächen mit vielen Menschen und dem Vergleichen von offiziellen Statistiken  bin ich mir heute völlig sicher, dass Corona in Ländern mit einem intakten Gesundheitssystem und unter vertretbaren hygienischen Bedingungen nicht gefährlicher als eine normale Grippewelle ist.  
Seit einigen Wochen gibt es für Kulturschaffende Lockerungen. Sind diese ausreichend, um das Kulturleben in unserem Land weiter vielseitig und bunt zu gestalten?
Mit den bisherigen Lockerungen kann noch kein Veranstalter oder Gastwirt vernünftig arbeiten. Da stellt sich mir die zynische Frage, ob jene Regierungspolitiker, die gerade so manche unsinnige Maßnahme zu verantworten haben, eigentlich selbst schon einmal ein Volksfest, ein Konzert oder eine Disco besucht haben.  Die Hoffnung liegt darin, dass der Unmut der Bevölkerung unsere verantwortlichen Politiker bis spätestens Oktober dazu bewegt hat, allen Gastwirten und Veranstaltern endlich wieder freie Hand zu lassen.  Ohne die notwendigen Freiheiten und Planungssicherheiten wird es viele kulturelle Projekte sonst bald nicht mehr geben – werden zwangsläufig Existenzen zerstört.
Sie wollen am 10. Oktober ab 19 Uhr wieder loslegen im Trailer Audenhain. Mit welchen Auflagen haben Sie zu kämpfen?
Wir alle wollen und müssen wieder loslegen. Die Geduld hat ein Ende. Man kann nicht ständig in Angst und Unsicherheit leben. Damit spreche ich sicher vielen Gastwirten, Veranstaltern sowie potenziellen Gästen in der gesamten Region aus der Seele: Es muss jetzt weitergehen! Daher machen wir in kollegialer Zusammenarbeit mit dem zuständigen Behörden am 10. Oktober in Audenhain den Anfang und nehmen dafür alle umsetzbaren Auflagen in Kauf: Hygienekonzept, Namensliste, Belehrungen am Einlass. Sogar ein „Tanzverbot“ steht theoretisch im Raum. Das heißt, die Veranstaltung könnte stattfinden, man müsste sich als Gast aber an dem Abend auf‘s plaudern und trinken beschränken. Wieder so eine „geniale Idee“ unserer Politiker, die eher für herzhafte Lachanfälle als für den Schutz der Bevölkerung sorgt. Wir hoffen nicht, dass es so weit kommt. Setzen wir auf den Sachverstand und das menschliche Einfühlungsvermögen der Mitarbeiter des Ordnungsamtes und der Polizei, mit denen ich bisher immer vernünftige Lösungen finden konnte.  
Glauben Sie, dass die Maßnahmen Ihre Gäste eher abschrecken oder werden sie sagen: Gerade deshalb wollen wir wieder etwas Spaß haben und gehen in den Trailer.
Ich erwarte, dass unsere Gäste wissen, dass die Politiker in Land und Bund, aber nicht wir Gastwirte für die gerade geltenden Maßnahmen verantwortlich sind. Es nützt also gar nichts, uns zu boykottieren oder zu beschimpfen, weil man einen gewissen Unmut gegenüber dieser und jener unsinnigen Einschränkung hegt. Menschen, welche die Möglichkeit haben, sich am Wochenende mit anderen Menschen zu treffen, Freundschaften zu hegen, Bekanntschaften aufzufrischen und neue Leute kennenzulernen, sollen kommen. Genau das macht das Leben neben dem Familienalltag angenehm und abwechslungsreich.  Wir können genauso wenig für die Corona-Maßnahmen der Regierung, wie die Mitarbeiter des Ordnungsamtes oder der Polizei, welche auch nur ihre Pflicht tun, wenn sie versuchen die oft sinnlosen und unsinnigen Regelungen umzusetzen, welche die Regierungsparteien ihnen gerade vorgeben.
Virologen und Politiker warnen vor einer zweiten Corona-Welle. Welche Schlüsse könnte man aus Ihrer Sicht aus der ersten ziehen?
Es wird keine zweite Welle geben. Höchstens eine leichte Zunahme der Infizierten durch vermehrte Tests und Leute, die die Erkrankung aus dem Ausland mitbringen. Wieder so ein Irrsinn! Während alle größeren kulturellen Veranstaltungen politisch nahezu unmöglich gemacht werden, darf ich aber in Länder reisen, in denen der Corona-Virus, bedingt durch die dortigen Defizite im Hygiene- und Gesundheitsbereich, besonders verbreitet war!  Viele Menschen bemerken die Infektion nicht einmal. Einige anerkannte Wissenschaftler fordern sogar, dass sich mehr Menschen mit Covid-19 anstecken und damit die Immunität der gesamten Bevölkerung stärken sollten. Also kann man aus der sogenannten ersten Welle lernen, dass Panik- und Angstmache immer der falsche Weg sind, um mit einer Krise fertig zu werden. Und das man ein intaktes Gesundheitssystem auf keinen Fall so kaputtsparen sollte, wie es vor Corona von unserer Regierung praktiziert wurde.
Glauben Sie, dass im kommenden Jahr alles so wird wie es einmal war, oder werden wir Kratzer sehen und Veränderungen spüren?
Die Corona-Krise hat gezeigt, dass nicht Geld, sondern Zeit das höchste Gut ist, was wir im Leben haben. Kaum jemand der von Kurzarbeit betroffen war, hat es nicht genossen, plötzlich mehr Zeit für Freunde und Familie zu haben.  Ich habe es vorher bei Feiern oft genug erlebt – den Leuten fiel es schwer, abzuschalten. Hatten oft nur noch ihre Arbeit und die nächsten Termine im Kopf. Soll das der Sinn des Lebens sein? Dadurch hatte die Corona-Krise den Vorteil, dass viele Menschen endlich mal zur Ruhe gekommen sind und sich Gedanken darüber gemacht haben, was für sie im Leben Glück bedeutet. Die überwiegende Erkenntnis lautet: Jeder von uns braucht Kultur, Spaß und Geselligkeit als Ausgleich zum Arbeitsalltag! Egal, ob Disco, Feste, Konzerte, Fußball, Buchlesungen,  oder Kneipen-Abende mit anderen Menschen. Wenn wir das in Zukunft nicht wieder vergessen, wird sich das belebend auf die gesamte Region und unser Wohlbefinden auswirken. Auch deshalb müssen alle Corona-Maßnahmen jetzt schnellstens beendet werden.

Mega Oldie Party im Trailer Audenhain am Samstag, dem 10. Oktober,
ab 19 Uhr. Bis 22 Uhr Getränke-Doppeldecker, nach 22 Uhr kein Einlass mehr. Telefonische Reservierungen unter
Tel. 0173 8218744, mehr Informationen auf www.trailer-audenhain.de


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