Samstag, 19. September 2020
Dienstag, 1. September 2020

TORGAU

Neue Fundstücke sorgen für Aufsehen

Die von einem Gefangenen gemachte Skizze eines Aufsehers.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau. Wie steht eigentlich um die geplante neue Dauerausstellung im Torgauer Dokumentations- und Informationszentrum?

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Dieser Ausblick beginnt mit einem Rückblick: Sven Riesel, der stellvertretende Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, hatte am symbolträchtigen 8. Mai vor dem Memorial Fort Zinna die Vorbereitungen auf die neue Dauerausstellung im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau als sehr gut bezeichnet. Doch was heißt das eigentlich? Gibt es vielleicht schon einen Termin, wann die 20 Jahre alte Ausstellung im Schlossflügel B durch einen modernen Nachfolger abgelöst werden wird?

Mit dieser Frage wandte sich die Torgauer Zeitung an Elisabeth Kohlhaas. Die DIZ-Mitarbeiterin leitet das Ausstellungsprojekt. Während sich das Kölner Gestaltungsbüro KATZKAISER gemeinsam mit dem  Berliner Grafikbüro WEISS darum kümmert, das Erscheinungsbild der Ausstellung aus der Mottenkiste zu befreien, kümmern sich Kohlhaas und der ausgewiesene NS-Experte und DIZ-Mitarbeiter Robert Parzer um die inhaltliche Ausgestaltung. Dabei können beide auf eine breite Datenbasis in den Archiven zurückgreifen. Vor der Lockerung der Corona-Regeln hatte sich das Team über wöchentliche Videokonferenzen ausgetauscht.

Immer wieder sorgen neue Fundstücke für Aufsehen. Dass „klein“ dabei ganz schön „groß“ sein kann, zeigt sich am Beispiel einer kleinen Broschüre. Diese ist mit „Krankheit rettet“ betitelt. Hinter dem Synonym „Dr. med. Wohltat“ verbirgt sich die britische Armee. Diese hatte während des Zweiten Weltkriegs versucht, mit der Broschüre deutsche Soldaten dazu zu bringen, sich dem Militärdienst zu entziehen. Ob Seidelbast, Aronstab oder beispielsweise auch Wolfsmilch – bestimmte Pflanzen können Körperreaktionen hervorrufen, die einen kampfunfähig erscheinen lassen.

Auf eine solche Anleitung war das DIZ-Team bei seinen Recherchen Anfang des Jahres gestoßen. Nun wird es ebenso Einzug in die neue Dauerausstellung halten, wie die Zeichnung eines in Torgau inhaftierten, aus dem Elsass zwangsrekrutierten Soldaten. Dieser hatte im Geheimen Skizzen von einem Aufseher angefertigt. Neben den Archiven sind es vor allem zu Tage getretene Tagebücher von inhaftierten Soldaten, die den Ausstellungsmachern die Schrecken des Krieges immer wieder aufs Neue vor Augen halten und neue Impulse für die Ausstellung geben. Diese verfolgt zwei große Ziele: Einerseits soll Torgaus zentrale Rolle für die Militärjustiz im Zweiten Weltkrieg deutlich werden, andererseits geht es um eine zeitgemäße Präsentation der Geschichte sowie um eine multimediale Gestaltung rund um Zeitzeugeninterviews und Filmaufnahmen. Ein Schwerpunkt dabei ist nach Angabe von Elisabeth Kohlhaas die Fragestellung, aus welchen Gründen heraus sich Soldaten dem Militärdienst damals entzogen. „Wir wissen heute von einer ganzen Bandbreite an Motiven“, sagt Kohlhaas. Angst um das eigene Leben oder auch Angst um das Leben der Familie seien nur zwei Gründe, warum es immer wieder zur strengstens unter Strafe stehenden Fahnenflucht gekommen sei. „Torgau hatte als Zentrum der Wehrmachtjustiz eine besondere Bedeutung für das gesamte von den Nazis besetzte Europa. Für dieses Herrschaftsinstrument der Nationalsozialisten verfügen wir hier an der Elbe über einen einmaligen Ort“, blickt Kohlhaas unter anderem auf die beiden NS-Gefängnisse am Fort Zinna und am Brückenkopf. Zehntausende Soldaten durchlebten hier Grausames. So stieß man bei den Recherchen jetzt auch auf eine Hand-Fuß-Fessel. Das Folterinstrument wurde möglicherweise im Zweiten Weltkrieg extra für die Gefangenen geschmiedet. Genaueres könne man aber erst nach einer gründlichen Untersuchung der Fessel sagen.

Obgleich noch kein genauer Eröffnungstermin genannt werden kann, soll die inhaltliche Vorarbeit im Herbst abgeschlossen sein. „Wir wollen auf jeden Fall eine Ausstellung, die jeder versteht und die jedem deutlich macht, welches Unrecht in den Torgauer Lagern und Gefängnissen während des Zweiten Weltkriegs, der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR geschah“, betonte Elisabeth Kohlhaas.


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