Sonntag, 27. September 2020
Mittwoch, 2. September 2020

NORDSACHSEN

Marian Wendt kandidiert nicht wieder

Marian WendtFoto: TZ/Archiv

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Torgau. Überraschung am Mittwochvormittag: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt hat angekündigt, nicht wieder für den Bundestag kandidieren zu wollen. Reaktionen darauf gibt es unter anderem von Torgaus OBM Romina Barth.

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Mit dieser Nachricht hat kaum jemand gerechnet: Der nordsächsische Bundestagsabgeordnete Marian Wendt (CDU) möchte nicht zur Bundestagswahl im September 2021 kandidieren. Das teilte der Torgauer am Mittwochvormittag via Presse-Erklärung mit. Die Entscheidung sei ihm „sehr schwer gefallen“, heißt es darin, gerade weil ihn in den letzten Wochen viele Menschen bestärkt hätten, erneut anzutreten.

Die Mitglieder der CDU Nordsachsen wollen am 15. Oktober im Eilenburger Bürgerhaus ihren Direktkandidaten oder ihre Direktkandidatin für den Urnengang 2021 bestimmen. Wie es aus CDU-Kreisen heißt, war man auch dort von der Entscheidung des Torgauers überrascht. Es galt als sicher, dass er wieder antreten würde.

In seiner Mitteilung geht Marian Wendt auch auf die Gründe für die Entscheidung ein. Die etwas ruhigeren Sommerwochen habe er auch im Kreise seiner Familie genutzt,  um intensiv über seine persönlichen Ziele nachzudenken „In meiner jetzigen Lebensphase wirkt sich meine volle Hingabe für das Mandat auf die Zeit aus, die ich mit meiner Partnerin und Familie verbringe. Das möchte ich in den kommenden Jahren ändern.“

Letztlich sei in ihm „der Wunsch gereift, eine politische Auszeit von der Bundesebene zu nehmen, auch wenn ihm die Arbeit im Bundestag insbesondere mit seinem eingespielten Team große Freude bereite.“

In den zurückliegenden 17 Jahren sei seine größte Leidenschaft – die Politik – das Zentrum seines Lebens gewesen. „Ich schätze es als größtes Glück, dass ich diese Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Denn ich habe mich voll und ganz für unser Nordsachsen engagieren und einsetzen können. Seit 2007 dreht sich bei mir alles um den Bundestag. Im kommenden Jahr bin ich dann acht Jahre Abgeordneter. Im Bewusstsein meiner Verantwortung habe ich all die Jahre mit Standhaftigkeit und Vehemenz Entscheidungen für Nordsachsen und Deutschland getroffen. Doch es wird Zeit für neue Herausforderungen und Erfahrungen, auch außerhalb des direkten Berliner Politikbetriebs.“

Im verbleibenden Jahr bis zur kommenden Bundestagswahl wolle er „mit aller Kraft an begonnenen Projekten arbeiten und diese hoffentlich mit positivem Erfolg zu Ende führen.“ Auch im verbleibenden Jahr möchte Wendt „den Bürgerinnen und Bürgern ein Ansprechpartner auf Augenhöhe zu sein, ihre Anliegen anhören, aufnehmen und mit ihnen gemeinsam für eine Lösung eintreten.“

Genaue Pläne für die Zeit nach der Bundestagswahl hat Marian Wendt noch nicht, dafür sei „später noch genügend Zeit“.

Für die CDU ist klar, dass das Direktmandat verteidigt werden soll. Der geschäftsführende Kreisvorstand tagte am Dienstagabend in Doberschütz. „Dort wurde entschieden, dem Kreisvorstand auf der kommenden Sitzung nächste Woche Christiane Schenderlein als Direktkandidatin für den Bundestagswahlkreis 151 Nordsachsen zu empfehlen“, teilte das Gremium am Mittwochnachmittag mit.

Selbstverständlich obliege die Nominierung der Kandidatin oder des Kandidaten aber den Mitgliedern der CDU Nordsachsen am 15. Oktober 2020 in Eilenburg, wird der stellvertretende Kreisvorsitzende Rayk Bergner darin zitiert.

Eine andere Politikerin hat bereits angekündigt, nicht kandidieren zu wollen: Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth. „Die mir mit meiner Wahl übertragende Aufgabe, gemeinsam mit den Torgauer Einwohnern unsere schöne Stadt weiter voran zu bringen, macht mir Spaß und erfüllt mich mit innerer Zufriedenheit. Eine Kandidatur für den Bundestag in Berlin kommt für mich daher nicht in Frage“, ließ das Stadtoberhaupt auf Nachfrage wissen. Marian Wendt wünsche sie auf seinem weiteren Werdegang alles erdenklich Gute.

Reaktionen

SPD-Politiker Heiko Wittig (54) war Wendts Gegenspieler im Bundestagswahlkampf 2013 und auch in den folgenden Jahren blieb sein Verhältnis zum CDU-Politiker gespannt. Die Nachricht vom Rückzug des Torgauers habe ihn ganz und gar nicht überrascht, so der Löbnitzer.

„Erstens war ja hinlänglich bekannt, dass Herr Wendt innerhalb der CDU Nordsachsen umstritten ist und in den vergangenen Wochen ist der Druck noch gewachsen.“ Zweitens habe der Torgauer nie an die Qualität und Kompetenz seines Vorgängers Manfred Kolbe anknüpfen können und sei kein geeigneter Abgeordner für Nordsachsen gewesen.

Heiko Wittig erwartet, dass die aktuelle CDU-Kreisvorsitzende Christiane Schenderlein Kurs auf das CDU-Mandat nimmt.
Die nordsächsische SPD wird ihren Kandidaten für die Bundestagswahl am 26. September im Rahmen eines Kreisparteitags in Taucha bestimmen. Einziger Kandidat bislang ist Unternehmer Rüdiger Kleinke.

Auch in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt sorgte die Nachricht für Überraschung. Die dort als Staatssekretärin im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft agierende Susanna Karawanskij (40/DIE LINKE) zeigte sich auf TZ-Anfrage gestern Vormittag erstaunt über jene, sich auch für sie in keiner Weise abzeichnende Entscheidung des Torgauers.

Die Leipzigerin war 2013 über ihren Listenplatz in den Bundestag eingezogen. Im Kampf um das Direktmandat im Wahlkreis Nordsachsen hatte sie gegen Wendt deutlich das Nachsehen. „Wir hatten in der Bundespolitik sehr wenig Berührungspunkte“, erinnert sie sich an die gemeinsame Zeit im Bundestag. Trotzdem würdigte sie Wendts Arbeit vor allem als Vorsitzender des Petitionsausschusses. In dieser Funktion hatte sich der CDU-Politiker zuletzt in Belgern für das Bleiberecht der Familie Bucolli starkgemacht.

In Sachen B87n, so glaubt Karawanskij, sei der Torgauer vor Jahren zu euphorisch gewesen. Es habe sicherlich ein ganzes Weilchen gebraucht, bis auch Marian Wendt erkannt habe, dass politische Entscheidungsprozesse in puncto  Bundesverkehrswegeplan nicht von heute auf morgen gefällt werden. Auf Grund von Wendts Biografie könne sie sich derzeit nicht vorstellen, dass der Torgauer vom Politikbetrieb gänzlich Abstand nehmen werde.

Manfred Kolbe (67), Vorgänger von Marian Wendt im Deutschen Bundestag: Mich hat es völlig überrascht, ich kann es nicht verstehen und auch nicht nachvollziehen im Moment. Habe es gerade erfahren. Marian war ja mein Mitarbeiter, hat ordentliche Arbeit abgeliefert. Und ich hatte immer den Eindruck, dass es gut läuft bei ihm. Ich bedaure den Schritt. Er ist ein fähiger junger Mann, und 35 Jahre sind kein Alter, um nicht mehr anzutreten.

Landrat a. D. Michael Czupalla (70): Ich bedanke mich bei Marian Wendt für seine geleistete Arbeit und blicke nach vorn. Ich sehe in Frau Dr. Schenderlein eine mehr als geeignete Kandidatin. Sie ist engagiert, verfügt über ein großes Wissen, hat Erfahrung. Die ersten Zeichen wurden bereits gesetzt, als sie als Kreisvorsitzende gewählt wurde. Frau Dr. Schenderlein ist für mich eine sehr gute Perspektive für Nordsachsen und die CDU Nordsachsen.

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