Samstag, 28. November 2020
Freitag, 4. September 2020

OSTELBIEN

Löscheinsatz könnte eine halbe Million Euro gekostet haben

Ein Bergepanzer vor Ort am Beilroder Wald. Allein dafür ging eine Rechnung über 80 000 Euro im Gemeindeamt ein. Foto: Foto: TZ/Archiv (FFW Süptitz)

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. Heute vor vier Wochen kam es in der Gemeinde Beilrode zum größten Waldbrand der letzten Jahrzehnte. Das Feuer ist gelöscht. Aber die Folgen werden die Kommune voraussichtlich noch Monate beschäftigen.

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Beilrode. Heute vor vier Wochen kam es in der Gemeinde Beilrode zum größten Waldbrand der letzten Jahrzehnte. Das Feuer ist gelöscht. Aber die Folgen werden die Kommune voraussichtlich noch Monate beschäftigen. Vor allem die Frage der Kosten und wer diese trägt.  „Im Grunde genommen beginnt für uns jetzt erst die eigentliche Arbeit“, erklärt Bürgermeister René Vetter die Situation. 

 

Mammutaufgabe 

Aktuell sei man dabei, alle beteiligten Kommunen anzuschreiben und entsprechende Kostenaufstellungen anzufordern. Eine Mammutaufgabe. Denn nahezu alle rund 30 Städte und Gemeinden in Nordsachsen hatten mindestens eine Ortswehr in Beilrode im Einsatz, schätzt Vetter ein. Hinzu kommen noch Kräfte aus der Stadt Leipzig, aus dem Landkreis Leipzig, aus dem Gebiet der Stadt Annaburg (Sachsen-Anhalt) sowie aus dem Landkreis Elbe-Elster und der Verbandsgemeinde Bad Liebenwerda (Brandenburg). 

„Momentan sind wir noch weit davon entfernt, eine Schlussrechnung präsentieren zu können oder eine genauere Orientierung zu haben“, so Vetter. Nach vorsichtigen Schätzungen in Abstimmung mit der Einsatzleitung könnte die Summe bei rund 500 000 Euro liegen. Ein Betrag, der durchaus nicht aus der Luft gegriffen ist. 

 

Tank-Quittungen 

Rechnungen, die schon eingingen, ließen bereits aufhorchen. So wurden beispielsweise für den Einsatz des Bergepanzers einer privaten Firma 80 000 Euro gefordert, für den Einsatz „Versorgung“ 15 000 Euro, für das Benzin aller Feuerwehr-Fahrzeuge exakt 10 247 Euro. „Die Kameraden haben bei ARAL getankt und wir haben alle Tank-Quittungen erbeten“, so der Bürgermeister über das Zustandekommen dieses exakten Postens. 

Mitarbeiterin Laura Riedel, Sachbearbeiterin für Feuerwehrwesen, Versicherung und Gebäudemanagement in der Verwaltung, sei derzeit nur mit der Kostenermittlung betraut und das werde auch noch eine Weile so bleiben. 

Die Kommunen haben in ihren Satzungen klar geregelt, wie die Kosten bei einem Brand oder bei einem Unfall umzulegen sind. Das betrifft Personal (Verdienstausfall, Sachkosten (z.B. kaputte Schläuche) oder zum Einsatz gebrachte Fahrzeuge.

 Derzeit befinde man sich zudem in  Gesprächen mit der Deutschen Bahn. Denn ein sogenannter Heißläufer – ein Waggon mit blockierten Bremsen – wurde als Verursacher des Großbrandes ausgemacht und der Konzern hatte Unterstützung signalisiert. Natürlich bleiben derzeit Unsicherheit und Angst, dass Teile der horrenden Kosten an der Gemeinde Beilrode hängen bleiben. „Aber dennoch ist unsere Hoffnung auch groß, dass wir alle Ausgaben in irgendeiner Form erstattet bekommen“, formulierte es der Bürgermeister. 

 

Dankeschön 

Trotzdem sollen sich nicht nur alle Gedanken ums Geld drehen. „Das Löschen des Brandes war ein gemeinsames Werk aller vor Ort –  der einzelnen Feuerwehren, des DRK, der Helfer, Einwohner, der Landwirte und ortsansässigen Firmen. Dafür möchte ich als Bürgermeister auch im Namen des Gemeinderates ein riesengroßes Dankeschön sagen. Es ist nicht hoch genug zu bewerten, weil es ausschließlich ehrenamtliche Arbeit war und viele über ihre Leistungsgrenzen hinaus gegangen sind. Das hat große Anerkennung verdient“, sagte Vetter. 

Die Aufarbeitung läuft auch auf anderen Ebenen.   So gab es in der vergangenen Woche schon zwei interne Beratungen mit dem Landkreis Nordsachsen. Und man steckt gerade in Vorbereitung einer größeren Auswertungsrunde mit Vertretern aller größeren Wehren, um noch einmal die Abläufe und die technische Abwicklung genau zu beleuchten. Was hat geklappt, was nicht? Termin soll am 24. September sein. 

Am Donnerstag fand darüber hinaus eine interne Beratung mit der Einsatzleitung statt, die über zwei Stunden dauerte. Es gibt einzelne Punkte, die noch geklärt werden müssen, so Vetter. Beispiele: Die Funk-Probleme im Grenzgebiet, das Problem fehlender Wasserentnahmestellen, nicht vorhandenes Kartenmaterial und anfängliche Defizite bei der Versorgung von Essen und Getränken.

 

Einsatzführung 

 „Es kam auch deutliche Kritik, dass aufgrund der Größe des Waldbrandes eine übergeordnete Einsatzführung notwendig gewesen wäre. Das hätte uns als kleine Gemeinde sehr geholfen“, sagt der Bürgermeister. Man müsse auf politischer Ebene klären, ob bei größeren Schadensereignissen nicht eine übergeordnete Behörde die Führung übernehmen muss, so dass die Leitung nicht bei den örtlichen Wehren liegt. 


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