Samstag, 28. November 2020
Mittwoch, 16. September 2020

OSTELBIEN

Großbrand hätte fast noch viel schlimmere Ausmaße gehabt

Auch wenn einige Zweige oder Kronen noch grün sind, dürften die Bäume keine Überlebenschance haben.Foto: Foto: TZ/Archiv/Ch. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. Die 17 Hektar Waldfläche in Beilrode, die Anfang August vom Großbrand betroffen waren, sind sehr wahrscheinlich komplett vernichtet. Das heißt, alle vorhandenen Bäume beziehungsweise Baumreste müssen wohl fast ausnahmslos entnommen werden. 

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Beilrode. Die 17 Hektar Waldfläche in Beilrode, die Anfang August vom Großbrand betroffen waren, sind sehr wahrscheinlich komplett vernichtet. Das heißt, alle vorhandenen Bäume beziehungsweise Baumreste müssen wohl fast ausnahmslos entnommen werden. 

Dies hat Frieder Voigt, Leiter der Unteren Forstbehörde beim Landratsamt, jetzt eingeschätzt. In den nächsten zwei bis drei Monaten werde sich das sehr genau zeigen. Auch Bäume, die derzeit noch grün sind, dürften wenige Chancen haben. Sind Stämme und Wurzeln verbrannt, ist die Nährstoff-Zufuhr unterbrochen. Die große Hitze-Einwirkung tat sein Übriges. 

Feuer sofort erkannt 

Frieder Voigt hat deutlich gemacht, dass es nur ganz entscheidenden Umständen zu verdanken gewesen sei, dass der Großbrand nicht noch schlimmere Ausmaße annahm und dass nicht noch 10 oder 20 Hektar Wald mehr in Beilrode vernichtet wurden. „Es waren unsere Waldarbeiter, die das Feuer sofort erkannt und umgehend reagiert haben. Bis zur Meldung an die Leitstelle vergingen  nur wenige Minuten. Normalerweise benötigt unser Erkennungssystem „Fire watch“ acht Minuten, bis sich die Kameras einmal um 360 Grad gedreht haben“, erklärt der Leiter der Forstbehörde. Man könne aber auch die Kamera zurückfahren und Live-Sequenzen erhalten. Von den fünf Beobachtungs- Stationen im Landkreis lieferte die Technik auf dem Masten bei Landwirt Stemmer in der Graditzer Straße in Beilrode die wichtigen Bilder. Jener  Mitarbeiter in der Zentrale in Eilenburg, der die Monitore vor sich hat, konnte den nächsten Beobachtungsturm in Schmannewitz (Höhe 215) zu Hilfe nehmen und über eine sogenannte Kreuzpeilung den Brandort genau feststellen. 

Zwei weitere diensthabende Mitarbeiter der Unteren Forstbehörde und drei Mitarbeiter des Staatsbetriebes Sachsenforst seien dann als einige der ersten Personen vor Ort gewesen, um festzustellen, wo es überall brennt, um die Feuerwehren einzuweisen und um ihnen Wasserentnahmestellen und Zufahrten zu zeigen. „Ich möchte meinen Mitarbeitern für dieses schnelle Handeln ein großes Lob und meinen persönlichen Dank aussprechen“, betonte Frieder Voigt. 

23 Fußballfelder 

Letztlich beschränkte sich das Feuer auf „nur“ 17 Hektar. Eine Flächengröße, die trotzdem alle Waldbrände der letzten 20 Jahre in der Torgauer Region weit übertrifft. Man muss sich etwa 23 Fußballfelder vorstellen. Die Untere Forstbehörde schätzt ein, dass der finanzielle Schaden bei etwa 170 000 Euro liegt. Das wären ungefähr 10 000 Euro je Hektar. Betroffen sei fast ausschließlich Privatwald – die 1000 Quadratmeter des Sachsenforstes mal ausgeklammert. „Die drei Besitzer können auf eine finanzielle Entschädigung hoffen, wenn die Schuldfrage geklärt ist“, sagte Frieder Voigt. Wie in der Torgauer Zeitung schon mehrfach berichtet wurde, gilt ein Heißläufer der Bahn als Verursacher, so dass der Bund in die Pflicht tritt. Über eine teure Waldbrand-Versicherung verfügen die meisten Privatbesitzer in der Region nicht. Da die Feuer der einzelnen Brandabschnitte in der Folge zusammengelaufen sind, sei mehr oder weniger eine zusammenhängende Fläche geschädigt worden. 

Die Forstbediensteten hätten umgehend darauf hingewiesen, dass die Flammen sowohl nördlich als auch südlich der Bahnstrecke lodern – was das schnelle Eingreifen der Wehren erleichterte. Ein glücklicher Umstand war zudem, dass der Wind fehlte. So konnten die Kameraden das Feuer am Boden halten und ein gefürchteter Wipfelbrand blieb aus. „Es handelt sich überwiegend um Kiefern: sowohl Jungbestände als auch Altholz. Es könnte sein, dass es dort im nächsten Jahr große Probleme mit dem Blauen Kiefernprachtkäfer gibt, der solche geschädigten Flächen liebt. Erfahrungsgemäß breitet er sich dann auch auf Nachbarbestände aus. Dies gilt es zu verhindern“, betonte der Behördenchef. Laut Gesetz sei eine Wiederaufforstung innerhalb der nächsten drei Jahre vorgeschrieben. Angesichts der Ausmaße könnten die Waldbesitzer bei der Unteren Forstbehörde aber auch eine Fristverlängerung beantragen. Ansonsten greifen dafür die normalen Förderrichtlinien. 

Nur noch zum Verheizen 

Die Vermarktung der angekohlten und teilweise verbrannten Stämme dürfte in einer Zeit, in der die Holzpreise im Keller sind, sehr schwer werden. Wahrscheinlich könne man das Material nur zum Verheizen nehmen. Was die Instandsetzung der Waldwege betrifft, die durch den Pendelverkehr der Löschfahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen wurden, liege das im Ermessen der Eigentümer. 


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