Sonntag, 25. Oktober 2020
Donnerstag, 17. September 2020

TORGAU

"Aktionen gegen die Mauer" aus Ost und West

Geralf Pochop 1989 bei einer Demonstration gegen die Mauer in West-Berlin. Foto: Geralf Pochop

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Geralf Pochop, Raik Adam und Dirk Mecklenbeck lesen am Samstag vor dem Brückenkopf aus ihren Büchern und berichten von ihrem Protest gegen das DDR-Regime.

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Gut zwei Monate ist es nun schon wieder her, dass der Torgauer Buchautor Geralf Pochop auf das Außengelände des Brückenkopfes geladen hatte und dort vor über 100 interessierten Zuhörern aus seinem „Untergrund war Strategie – Punk in der DDR“ vorlas. Dabei gab er zahlreiche Geschichten zum Besten, die seine Erfahrungen mit dem – ihm nicht gerade wohlgesonnenen –  DDR-Regime beschrieben und seinem Protest dagegen. Die Lesung endete mit Pochops Ausreise aus der DDR im April 1989. Am kommenden Samstag, 19. September, wird diese Erzählung nun fortgesetzt. Da lädt Geralf Pochop zu seiner zweiten Lesung vor den Brückenkopf und hat diesmal noch zwei andere Autoren mit im Schlepptau.

Drei Kapitel fehlen noch

Drei Kapitel, einundzwanzig Seiten. So viel Text umfassen Geralf Pochops Geschichten, die zwischen seiner Ausreise im April 1989 und dem Mauerfall im November des gleichen Jahres passiert sind, ebenso seine Erlebnisse in der ungarischen Subkultur. In die letzte Lesung hatten sie vor allem thematisch nicht hineingepasst, für sie nimmt sich der Autor am Samstag Zeit. Denn obwohl diese beiden Kapitel nur wenige Monate umspannen, passiert in diesen sehr viel. Die Flucht von Pochops damaliger Freundin Daniela zum Beispiel. Diese wurde in einer fast schon filmreifen Aktion mit der Hilfe von zahlreichen ungarischen Punks, einer Doppelgängerin, einem falschen Pass und jeder Menge Schmiergeld im Anschlag über die Grenze geschmuggelt, nur um dort wieder mit ihrem Freund vereint zu leben. „Wären wir erwischt worden, hätte das für Daniela bis zu drei Jahre Gefängnis wegen versuchter Republikflucht und für unsere ungarischen Freunde Inhaftierung wegen Fluchthilfe bedeutet“, erinnert sich Geralf Pochop. „Das war uns die ganze Zeit bewusst, aber aus damaliger Sicht gab es für uns gar keine andere Option.“

Genau wie Geralf Pochop gerieten auch Raik Adam und Dirk Mecklenbeck, die am Samstag zusammen mit ihm lesen werden, in den frühen 1980er-Jahren mit der Staatsgewalt der Deutschen Demokratischen Republik aneinander und lehnten sich gegen das Regime auf. 1989 starteten sie dann von West-Berlin aus eine ganze Reihe symbolträchtiger Aktionen gegen die verhasste Mauer.

Dirk Mecklenbeck, Raik Adam, Geralf Pochop (v. l. n. r.) und Freunde 2020 in Berlin am Ort des Brandanschlags 1989 auf einen DDR-Grenzturm.

 

Solidarität aus Westberlin

„Für keinen von uns war es vor 1989 denkbar, dass es so etwas wie eine Revolution oder gar einen Mauerfall in der DDR geben könnte“, beschreibt der gebürtige Hallenser Raik Adam, der in den 80er-Jahren in der Metal-Szene seiner Heimatstadt aktiv war und aufgrund von Repressionen 1986 nach Westdeutschland ausreist. „Aber als dann 1989 der Wahlbetrug bekannt wurde, sich die große Fluchtwelle ereignete und so weiter, da hatten wir das Gefühl, dass sich jetzt etwas verändert. Und so haben wir uns dazu entschlossen, Druck zu machen.“

Als solidarische Aktionen bezeichnet Adam das, was er, sein Bruder und zwei weitere Freunde in Westberlin regelmäßig durchzogen. Mit Brandsätzen wurden Mauer und Wachtürme attackiert, mit Bolzenschneidern Löcher in die Grenzzäune geschnitten. „Und wie wir später aus den Stasi-Akten erfahren haben, waren wir damit auch sehr erfolgreich. Bei einer Aktion hatten wir 175 Quadratmeter Brandfläche an der Mauer erreicht, ein anderes mal war der Zaun, laut der  Aufzeichnungen ,für mehrere Stunden nicht sperrfähig’“. Ihr großes Finale fanden die Protestaktionen von Raik Adam, Dirk Mecklenbeck und ihrer zwei Mitstreiter am 7. und 8. Oktober 1989. Zur Unterstützung der zahlreichen Spontan-Demos der DDR-Opposition in Ost-Berlin, bei der die Polizei mit massiver Gewalt gegen die Demonstranten vorging und hunderte Verhaftungen vornahm, hissten sie ein Transparent mit der Aufschrift: „Freiheit und Demokratie für die DDR – Stoppt den Stasi-Terror  im Todesstreifen“. Einen Monat später fiel dann die Mauer.

 Die Todesstreifen-Autoren im Juni 1989 am Checkpoint Charlie. Foto: Raik Adam

Texte, Bilder und Videos

All diese Ereignisse, erzählerisch beim Mauerfall angefangen und sich dann in Rückblenden vorarbeitend, haben Adam und Mecklenbeck in ihrem Buch „Todesstreifen“ verarbeitet. Aus diesem lesen die beiden zusammen mit Geralf Pochop am kommenden Samstag. Dabei haben sie nicht nur das Buch selbst, sondern auch zahlreiche Bilder und Videoaufnahmen aus der damaligen Zeit im Gepäck, mit denen sie ihre Geschichten multimedial untermalen.
Wie auch schon bei der ersten Lesung im Juli folgt auf den literarischen Teil noch ein musikalischer. Im Anschluss an die beiden Vorträge werden sowohl die Sömmerdaer DDR-Punkband Breichreiz 08/15 als auch die Torgauer Metal-Band SaXaXaS auftreten und ein kleines Open-Air-Konzert vor dem Brückenkopf geben. Der Eintritt ist dabei komplett frei, gefördert wird das Ganze von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Aufgrund der Corona-Bestimmungen ist die Veranstaltung auf 250 Personen beschränkt, pünktliches Kommen lohnt sich also. Los geht es pünktlich 16.45 Uhr, das Ende ist auf 22 Uhr gesetzt.


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