Freitag, 30. Oktober 2020
Donnerstag, 24. September 2020

GESPRÄCH AM SONNTAG

Peter Müller "Schätze auf Rädern"

„Nicht jeder Oldtimer ist eine Wertanlage. Auch die Nachfrage ist eine Modeerscheinung. Man muss zur passenden Zeit den passenden Interessenten finden. Bei einem Oldtimer sollte aber die eigene Freude am Fahrzeug im Vordergrund stehen.“Foto: SWB/PN

Von unserem Redakteur Peter Noack

Riesa. Der besonders von Hobby-Schraubern gefürchtete „TÜV“ wird nicht nur von TÜV-Prüfstellen durchgeführt, sondern auch von anderen Unternehmen wie der Prüf- und Schätzstelle Peter Müller in Zeithain.

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Riesa. Der besonders von Hobby-Schraubern gefürchtete „TÜV“ wird nicht nur von TÜV-Prüfstellen durchgeführt, sondern auch von anderen Unternehmen wie der Prüf- und Schätzstelle Peter Müller in Zeithain. Aber auch Anbauabnahmen, Auslesen von Fehlerspeichern, Systemdiagnose, Wert-, Schaden- und Oldtimergutachten sowie Kfz-Schätzung, Bewertungen und die Ermittlung des individuellen Händlereinkaufs- oder Verkaufswertes werden hier erstellt. Wie und wann ein Oldtimer zur Wertanlage taugt, weiß Peter Müller.

 

SWB: Herr Müller, wie ist das mit den Hauptuntersuchungen in der Corona-Zeit? Mussten die termingemäß erfolgen oder gab es dafür besondere „Schonfristen“?
Peter Müller:
Das Corona-Krisenmanagement hat mit seinem Hin und Her an Beschränkungen und Lockerungen auch im Kfz-Sektor für Unsicherheit gesorgt. Was die Sicherheit betrifft, bleibt aber alles wie gehabt. Man sollte also ganz normal zur Prüfstelle kommen, wenn die Hauptuntersuchung fällig ist. Wer die HU-Frist um mehr als zwei Monate überschreitet, muss mit einer intensiveren Prüfung rechnen. Die sogenannte vertiefte HU bringt einen Preisaufschlag von 20 Prozent zur normalen Gebühr mit sich. Außerdem drohen, wenn man erwischt wird, Verwarngelder, die je nach Bundesland unterschiedlich hoch sein können. Das Einzige, was sich für die Kunden geändert hat, ist, dass sie Abstand zum Servicepersonal halten müssen.


Gab es noch andere Auswirkungen?
Die Krisenstimmung hat zum Beispiel dazu geführt, dass Oldtimer als Wertanlage noch interessanter wurden. Wichtig ist, die Fahrzeuge schnellstens vom Sachverständigen bewerten zu lassen. Am besten zwei Sekunden, nachdem man sie aufgebaut hat. Es ist schon vorgekommen, dass kurz nach der Fertigstellung eines solch teuren Schmuckstücks die Garage in Brand geriet. Ohne eine einwandfreie Dokumentation hat der Eigentümer im Versicherungsfall ein Problem.


Wie kann denn der Wert eines Oldtimers festgestellt werden?
In dem ein Wertgutachten erstellt wird. Das kostet Geld, ist aber zuverlässig, weil es den allgemeinen Kriterien für solche Gutachten folgt, die jede Prüfstelle anwendet.


Kann man dafür wenigstens grobe Anhaltspunkte nennen, um sein über „Jahrzehnte“ liebevoll gepflegtes Fahrzeug einzuordnen?
Das kann man. Dafür gibt es sogenannte Zustandsnoten von 1 bis 5. Ein Fahrzeug der Zustandsnote 1 ist ein makelloses Fahrzeug, an dem sich auch bei genauester Prüfung keinerlei Mängel an Optik oder Technik finden. Ein Fahrzeug, dessen Restauration in allen Punkten den absoluten Höchststand des heute handwerklich Machbaren darstellt und einen enormen finanziellen Aufwand erfordert. Weil solche Exemplare deutlich den Qualitätsstandard der heute üblichen Großserienproduktion übertreffen, sind sie höchst selten. Die Zustandsnote 5 dagegen erhält ein Restaurierungsobjekt im nicht fahrbereiten oder im teilzerlegten Zustand mit zahlreichen Fehlteilen, das nur mit größeren Investitionen wieder aufgebaut werden kann, wie vielleicht ein über 20 Jahre alter, schlecht gepflegter Mittelklassewagen mit über 300 000 Kilometer Laufleistung, wo sich eine Reparatur wirtschaftlich nicht mehr lohnt.


Muss man in einen Oldtimer viel Material und Zeit investieren, um dann eine Wertanlage zu schaffen?
Es gibt durchaus wertvolle Fahrzeuge, in die viel Aufwand investiert wurde und die in bestimmten „Szenen“ von Automobilfreunden die absoluten Stars sind. Sie sind sauber aufgearbeitet und optische Hingucker, sogenannte „Showcars“. Wenn man solch ein Auto verkaufen will, muss man auch den Interessenten finden, der genau diesen Geschmack teilt. Aber gegenwärtig zeichnet sich ein ganz anderer Trend ab.


Und welcher?
Es sind immer mehr authentische Fahrzeuge gefragt. Gebrauchte Fahrzeuge im ordentlichen Zustand, die Spuren der Jahre oder einzelne, kleinere Mängel, zeigen. Sie müssen uneingeschränkt fahrbereit, ohne Durchrostungen und ohne sofort notwendigen Instandsetzungsbedarf sein. Original ist im Kommen. Der Originallack mit Kratzern ist sogar erwünscht. Da kann sogar noch eine alte Zigarettenkippe im Aschenbecher liegen. Besonders die ältere Generation kauft solche Autos. Nach der Wende hatten die Leute hier im Osten kein Geld für Neuwagen und haben sich aber von ihren alten DDR-Fahrzeugen aus wirtschaftlichen Gründen getrennt. Jetzt erinnern sie sich wieder und leisten sich solch ein mittlerweile historisches Stück. Auch jüngere Autofreunde wissen gepflegte, alte Fahrzeuge zu schätzen. In der heute technisch kurzlebigen Zeit sind diese Exemplare außergewöhnlich und damit findet man auch Beachtung.


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