Freitag, 30. Oktober 2020
Donnerstag, 24. September 2020

TORGAU

Jana Wittenbecher: "Kostet kein Geld, nur Interesse"

Von unserem Redakteur Henrick Landschreiber

Torgau. Jana Wittenbecher über großes Glück, Mundmaler und eine tolle Geste

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Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Jana Wittenbecher, seit 1997 Mitglied im Torgauer Kunst- und Kulturverein „Johann Kentmann“ e. V. und seit dem Jahr 2003 Geschäftsführerin der Kleinen Galerie, warum die Torgauer Kunstszene breit gefächert ist.

SWB: Corona hat vieles, auch die Kunst- und Kulturszene, verändert. Wie ist die Kleine Galerie Torgau betroffen?
Jana Wittenbecher: Sehr betroffen, weil wir zwar ein großes Haus haben, aber innerhalb keine Veranstaltungen erlaubt sind. Unser großes Glück ist bisher, dass wir Veranstaltungen wie die Künstlergespräche oder Vorträge mit Publikumsverkehr auf unserem schönen Hof durchführen können. Allerdings stoßen wir in Sachen Technik an unsere Grenzen – alles kann man nicht unter freiem Himmel austragen. Unsere Mitglieder sind aber glücklich, ihre Kurse und Ausstellungen weiter machen zu dürfen.

Welche Auswirkungen sind am schmerzlichsten?
Das sämtliche Kunstprojekte nicht wahrgenommen werden, wir Künstlern absagen mussten. Dadurch fehlt uns die Aufmerksamkeit bei neuen Gästen, was die Kleine Galerie eigentlich im Stande zu leisten ist.

Was ist Ihre größte Angst?
Uns fehlen schlicht und ergreifend die Einnahmen, alles ist mit Fördermitteln nicht zu stemmen. Wir sind auf Unterstützung von verschiedenen Partnern angewiesen. Ich befürchte, dass es einigen wirtschaftlich im kommenden Jahr nicht gut gehen könnte.

Die Kleine Galerie feiert in diesem Jahr das 40-jährige Bestehen. Bevor wir nach vorne schauen, sei ein kurzer Blick in den Rückspiegel gestattet. Was fällt Ihnen spontan ein?
Als ich in der Leipziger Straße begann, hatten wir zwei kleine, wunderschöne Ausstellungsräume mit Kreuzrippengewölbe, aber kein Büro. Im Laufe der Jahre  stiegen die Mitgliedszahlen, durch neue Ideen wurden neue Arbeitsgruppen gegründet – und der Platz schnell zu klein. Seit 2006 befand sich die Kleine Galerie in der Schlossstraße, das war ein riesiger Sprung nach vorn, weil wir Büro- und Sanitärräume sowie eine kleine Küche hatten.  

Auch dort war der Platz begrenzt.
Richtig. Die Kinderzeichengruppe musste schon damals ausgegliedert werden. Seit 2016 sind wir am jetzigen Standort in der Pfarrstraße 3 und freuen uns über stetig steigende Mitgliederzahlen.

Auf welche Höhepunkte in der Kleinen Galerie können Sie verweisen?
Da gibt es eine ganze Menge. Uns war und ist es immer wichtig, den Künstlern eine Plattform zu bieten, sich präsentieren zu können. Viele haben das Rüstzeug und verstehen ihr Handwerk, wissen aber nicht, wie man seine Werke auf einer Ausstellung zeigt. Die Kleine Galerie ist ein kleiner Schritt, um auf der Bekanntheitsleiter empor zu klettern. Am eindringlichsten ist mir der Berliner Mundmaler Thomas Kahlau, der zum 35-jährigen Bestehen der Kleinen Galerie ausstellte, in Erinnerung geblieben.

Warum?
Weil seine farbenfreudigen Bilder soviel Lebensfreude und Energie ausstrahlten, trotz seines harten Schickals. Es war eine tolle Erfahrung, auch weil wir in der Kleinen Galerie an die Barrierefreiheit denken mussten. Mittlerweile haben wir einen Fahrstuhl, eine Holzrampe und eine Behinderten-Toilette.

Ihr neues Domizil in der Pfarrstraße 3 eröffnet ganz andere Möglichkeiten?
Richtig. Beispielsweise müssen wir bei Ausstellungen nicht ständig umräumen, wir haben einen separaten Raum für Vorträge und Lesungen. Dazu kommt die Dauerausstellung zu Ehren von Johann Kentmann. Unser Verein möchte vermitteln, wer er war. Die Vereinsgründer hatten immer im Sinn, dass sein Name nicht aus Torgau verschwindet. Zudem weisen wir in der Pfarrstraße 3 auf das Frei- oder Samuel-Hahnemann-Haus hin.  

Wie schätzen Sie Torgaus Kunstszene ein?
Die Torgauer Kunstszene ist breit gefächert, was sich auf den ersten Blick gar nicht vermuten lässt. Auch wenn es kaum Profi-Künstler gibt, sind viele Laienkünstler seit vielen Jahren erfolgreich aktiv.

Welche Kunstrichtungen befinden sich unter dem Dach des Torgauer Kunst- und Kulturvereins „Johann Kentmann“ e. V.?
Die älteste Sparte ist die Fotogruppe, die seit 1956 besteht und von Manfred Bräunlich im Kulturbund ins Leben gerufen wurde. Dann gibt es die Erwachsenen- sowie Kinder-Mal- und Zeichengruppe, die Renaissancetänzer, die Schreibwerkstatt, die Literaturgruppe Sprachgewand(t) und die Keramikgruppe.
Am 3. Oktober ist im Rahmen der „Nacht der Kirchen und Museen“ eine

Kunstauktion geplant. Was hat es damit auf sich?
Wir möchten die Torgauer und Gäste für Kunst interessieren und neugierig machen, ein Original zu ersteigern. Wir werden in unserem Hof um 16 und 18 Uhr zwei Kunstauktionen durchführen. Es gibt zwei Kunsthöfe an diesem Tag: Durch eine Verbindungstür kann jeder zur Stadtbibliothek, zudem wird es ein Bühnenprogramm sowie den Prinzen- und Prinzessinnentag geben. Wichtig ist zudem, dass sich unsere Vereinsmitglieder an Ständen vorstellen und mit den Gästen ins Gespräch kommen.

Was wird mit den Erlösen der Auktion passieren?
Diese kommen zu einhundert Prozent dem Verein zu Gute, um Projekte umsetzen zu können. Innerhalb des Hauses benötigen wir eine neue Beleuchtung für die Büros und die Arbeitsgruppenräume. In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine tolle Geste von Wolf Bach verweisen, der uns Abzüge von Linolschnitten von Johann Walter, Johann Kentmann und Samuel Hahnemann  zur Verfügung gestellt hat, die ab sofort erworben werden können.

Wenn Sie einen Wunsch äußern könnten, welcher wäre das?
Dass die Leute Interesse an unserem Verein zeigen und die Künstler wahrnehmen. Man darf nicht vergessen, dass während des Lockdowns mehr Bücher gelesen, Musik gehört und Filme geschaut wurden, die allesamt von Künstlern erschaffen wurden. Während der Corona-Pandemie leidet kaum eine Branche so stark wie die Kunstszene. Es kostet kein Geld, unsere Einrichtung zu besuchen, nur Interesse. Vielleicht entdeckt der eine oder andere ein neues Hobby für sich.

 


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