Mittwoch, 21. Oktober 2020
Mittwoch, 7. Oktober 2020

TORGAU

Einblicke in den dunklen Teil des Internets

Stefan Mey hat lange im Darknet recherchiert und kennt sich dort gut aus. Am morgigen Donnerstag ist er ab 19 Uhr zu Gast in der Volkshochschule. Foto: Tomáš Géring

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. TZ im Gespräch mit Stefan Mey über die Anfänge des Darknet, seine heutige Verwendung sowie die Mythen, die sich um das „dunkle Internet“ ranken

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Drogen, Waffen, Pornografie – oder ganz allgemein: Kriminalität. Das sind die Dinge, an die die meisten Menschen denken, wenn sie das Wort Darknet hören. Der „schmuddelige Bruder des Internets“, wie es oftmals bezeichnet wird, bietet seinen Nutzern komplette Anonymität, was in vielen Fällen für illegale Zwecke missbraucht wird. Dass jedoch nicht das komplette    Darknet einfach nur als ein krimineller Sumpf zu sehen ist, sondern es auch durchaus interessante und teilweise auch wirklich positive Seiten hat, dieser Meinung ist Stefan Mey. Er ist freier Journalist und Buchautor und hat so schon diverse Recherchen über das Darknet angestellt, die 2017 in seinem Buch          „Darknet: Waffen, Drogen, Whistleblower. Wie die digitale Unterwelt funktioniert“ resultierten. Mit diesem im Gepäck ist er am kommenden Donnerstag, 8. Oktober, 19 Uhr, zu Gast in der Volkshochschule Torgau und wird bei freiem Eintritt über das Darknet referieren sowie mit interessierten Besuchern ins Gespräch kommen. Im Vorfeld unterhielt er sich jedoch mit der Torgauer Zeitung und erklärte, warum im Darknet nicht alles schlecht ist, wie es den modernen Drogenmarkt maßgeblich veränderte und welche Mythen sich um das „dunkle Internet“ ranken.

TZ: Hallo, Herr Mey, um unsere Leser vorab in aller Kürze aufzuklären: Was genau ist das Darknet eigentlich?
S. Mey:
Hallo, wenn man es ganz einfach ausdrücken möchte, dann ist das Darknet einfach nur ein Teil des Internets, in dem man sich komplett anonym fortbewegen kann. Genauso wie das Internet ist auch das Darknet in seiner Urform im militärischen Forschungs-Kontext entstanden und wurde dann in der Mitte der 2000er auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Und wer steckt heutzutage hinter dem Darknet?
Rein technisch kümmern sich um die Infrastruktur des Darknet unterschiedliche Non-Profit-Organisationen rund um die Welt. Ganz vorn mit dabei ist dabei „The Tor Project“, welche das entsprechende Programm für den Zugang des Darknets zur Verfügung stellt und, ironischerweise, bis vor kurzem zu großen Teilen fast ausschließlich durch Fördergelder der US-Regierung finanziert wurde. Für die Inhalte des Darknet sind, wie im normalen Internet auch, natürlich die einzelnen Website-Betreiber zuständig.

Wie funktioniert das Darknet denn? Gibt es dort auch Websites, wie wir sie aus dem Internet kennen?
Im Grunde, ja. Nur kommt man nicht so einfach ins Darknet, dafür braucht man einen so genannten Tor-Browser, welcher dafür sorgt, dass man sich dort anonym bewegen kann. Mithilfe dieses Programms laufen alle Anfragen, die man stellt, und alle Antworten, die man bekommt, über mindestens drei Knotenpunkte, die irgendwo auf der Welt verteilt sind. So lässt sich nichts im Darknet zurückverfolgen.

Was dann dazu führt, dass sich dort vor allem Kriminelle tummeln?
Ja und nein. Natürlich ist das Darknet vor allem für den Handel mit illegalen Dingen, in erster Linie Drogen, bekannt. Und das nicht ohne Grund. Aber das Darknet hat noch mehr Facetten und lässt sich, meiner Ansicht nach, vor allem in drei Bereiche unterteilen.

Die da wären?
Zum einen haben wir, wie bereits beschrieben, das Darknet als ganz klassische Handelsplattform für Dinge, die man im normalen Internet nicht bekommt. Hier denke ich vor allem an Drogen, für die das Darknet der wohl größte Umschlagplatz ist. Es ist erstaunlich, welch professionelle Infrastrukturen sich dort gebildet haben, im Grunde funktioniert es fast wie bei Amazon. Aber nicht nur Drogen, sondern auch Pässe, Falschgeld und andere illegale Dinge kann man im Darknet deutlich leichter erwerben als in der normalen Welt.

Bleiben noch zwei Bereiche …
Genau. Den Zweiten nenne ich ganz einfach die „menschlichen Abgründe“. Hier sind vor allem Missbrauchsforen zu nennen, auf denen Bilder und Videos des Missbrauchs von Kindern getauscht werden. Diese stellen ein riesengroßes Problem dar, da die Polizei gegen diese nur sehr schwer vorgehen kann. Denn im Gegensatz zum Drogenhandel, der sich spätestens mit der Lieferung der Ware von der digitalen in die reale Welt verlagert, werden in solchen Foren meist nur digitale Bilder ausgetauscht. „In Kombination mit der Anonymität des Darknets wird es für die Beamten nur mit Glück und viel Aufwand möglich, dagegen vorzugehen.“

Und der letzte Bereich?
Ist das von mir sogenannte „Politische Darknet“. Denn tatsächlich wird es nicht nur von Verbrechern genutzt, sondern auch Whistleblower und Oppositionelle bewegen sich darin.  Hier können sie auf sicherem Wege kommunizieren und entziehen sich einer möglichen Überwachung. Viele große Medienhäuser wie etwas die Süddeutsche Zeitung oder die New York Times haben deshalb auch Postfächer im Darknet eingerichtet, um Informanten die Gelegenheit zu geben, ihnen sicherer Informationen zuzuspielen.

Darknet und Internet werden oft mithilfe eines Eisbergs illustriert. Dabei stellt das Internet die Spitze des Eisbergs über der Oberfläche dar und das Darknet den großen Rest darunter. Macht das Darknet wirklich einen so großen Teil des Internets aus?
Nein, diese Illustration ist völliger Unsinn. Das Darknet ist, im Vergleich zum normalen Internet, wirklich klein. Es gibt mehr Websites mit der Endung .de, als es insgesamt Seiten im Darknet gibt. Pro Tag gehen ungefähr nur 80 000 Menschen im Darknet online, eine wirklich mickrige Zahl, verglichen mit dem Internet. Es ist eben nicht, wie von vielen dargestellt, ein großes Paralleluniversum. Was es aber nicht weniger spannend macht.

Was fasziniert Sie denn so am Darknet?
Dass es der genaue Gegenentwurf zum Internet von Heute ist. Das Darknet ist eigentlich das, was das Internet früher einmal sein sollte: Ein Ort der digitalen Selbstbestimmung, der Überwachung erschwert und eigene Daten schützt. Das perfekt überwachbare Internet von heute macht mir eigentlich mehr Angst als das Darknet.


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