Freitag, 30. Oktober 2020
Donnerstag, 8. Oktober 2020

MOCKREHNA

Süden oder Norden?

DEGES-Vertreter Werner Breinig.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Langenreichenbach/Mockrehna. Die DEGES informierte am Dienstag über den Planungsstand der neuen Verkehrsverbindung B87n im Bereich Mockrehna.

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Vom mittlerweile Corona-Risikogebiet Berlin direkt ins nicht mehr ganz so frische B87n-Risikogebiet Mockrehna/Wildenhain: Werner Breinig hat es dieser Tage nicht leicht. Ebenso nicht leicht würde es sein, das Ziel von 30 Minuten Redezeit zur jüngsten Ratssitzung einzuhalten. Und tatsächlich: Der DEGES-Mann und Projektverantwortliche für den B87n-Abschnitt zwischen Mockrehna und Eilenburg riss seine persönliche Planvorgabe deutlich. Am Ende waren es gut eineinhalb Stunden, die er mit Gemeinde- und Ortschaftsräten sowie Zuhörern im Langenreichenbacher Heidelbachsaal unter strengen Corona-Auflagen diskutierte. Wobei der Begriff diskutieren so auch nicht ganz stimmt. Denn Variantenverläufe der B87n-Trasse müssen nach Angabe Breinigs nun mal nicht diskutiert werden. Variantenverläufe müssten gerichtsfest sein. 

 

„Wir werden klagen.“

 

Einer, der dies austesten könnte, ist Matthias Böbel von der Wildenhainer Erzeugergemeinschaft. Der Geschäftsführer gehörte zu den ersten Gästen, die sich am Dienstagabend nach Langenreichenbach auf den Weg machten. Und Böbel machte wiederholt klar, dass eine lange Zeit im Raum stehende Linienführung nördlich von Mockrehna das Aus für seinen Betrieb bedeute. „Wir werden gegen diese Variante bis zuletzt klagen“, sagte Böbel. Am Ende sei es dann auch egal, wie sein Betrieb kaputtgehe. Böbel sprach sich für eine erst seit wenigen Wochen in der Diskussion befindliche südliche Variante aus, die zwar länger ist – womit die Kosten für den Bau steigen dürften –, jedoch die Grundstückslast im Gegensatz zur Nordvariante auf viele Schultern verteilt würde. Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass der Ortsteil Mockrehna eine Nordumfahrung direkt vor die Nase gesetzt bekommt. „Wie lebenswert ist es hier dann eigentlich noch?“ fragte er.

 

Paralleles Planen

 

Verkehrsplaner Breinig ging es jedoch weniger um Lebenswelten, als vielmehr um eine Möglichkeit, die dringend benötigte B87n gegen möglichst wenig Widerstand, dafür aber mit einem hohen Kosten-Nutzen-Faktor durch hiesige Landschaftskorridore zu führen. Dass dies seine Zeit braucht, machte er anhand einer Vielzahl von Folien deutlich, an denen erkennbar war, dass die DEGES – um Zeit zu sparen – eine Vielzahl an Planungsschritten parallel koordiniert. 

Dass man damit aber auch ein enormes planerisches Risiko eingeht, zeigt das Beispiel Muna-Gelände Strelln eindrucksvoll. Noch im August  2018 hatte die Bundeswehr Gedankenspiele der DEGES durchkreuzt, auch eine Trassenführung über das Gelände näher zu untersuchen, worauf man sich bei den Planern auf die nördliche Umfahrung Mockrehnas samt westlichem Knotenpunkt und Verlegung der von Wildenhain kommenden S 16 in Richtung Knotenpunkt versteifte. 

Nun aber machte die Bundeswehr deutlich, dass das ehemalige Munitionsdepot definitiv keine Rolle mehr in ihren Überlegungen spiele. Das bedeutet wiederum, dass das Gelände in die Abwägung einer künftigen B87n-Trassenführung einbezogen werden muss. 

Klingt im Grunde genommen ganz einfach, doch weil der Schutzstatus des Areals noch immer existent sei, bedarf es nach Angabe Breinigs noch einer Vielzahl klärender Absprachen. Ein ehemals für das dritte Quartal dieses Jahres angepeilter Abschluss des Linienbestimmungsverfahrens verschiebe sich dadurch voraussichtlich auf 2022. Allein für die Nachkartierung von Flora und Fauna des Muna-Gebiets ist nach Angabe Breinigs eine komplette Vegetationsperiode (ein Jahr) vonnöten. Ein schnellstmöglicher Antrag für ein Planfeststellungsverfahren werde sich somit ebenso um 2 Jahre von 2022 auf 2024 verschieben – eine Aussage, die unter anderem beim Wildschützer Gemeinderat Jürgen Mangler (FWG) enttäuschtes Kopfschütteln hervorrief.

 

Knotenfrage

 

Dem Wildenhainer CDU-Gemeinderat Robert Schübel ging es am Dienstag weniger um die Nord-Süd-Frage, als vielmehr um die Möglichkeit der Verschiebung des Knotenpunkts vom Westende Mockrehnas hin zum östlich gelegenen Gewerbegebiet, um nicht nur die dort angesiedelten Betriebe besser anzubinden sondern auch den Gräfendorfern eine kürzere Wegstrecke bis zur B87n zu ermöglichen. Doch Breinig warf ein, dass dies bereits untersucht worden sei. Eine alte B87 würde künftig zur Gemeindestraße herabgestuft. Und diese dürfe planungsrechtlich nicht an die B87n angebunden werden (O-Ton Breinig: „Das geht nicht. ... Ich präzisiere, das ist nicht genehmigungsfähig. Die erklären uns alle für verrückt.“). Nachdem jedoch mehrfach aus dem Publikum die Knotenfrage gestellt wurde, räumte der DEGES-Mann ein, eventuelle Ausnahmen direkt mit dem Verkehrsministerium zu besprechen. Die Antwort werde er dann schriftlich vorlegen.

Bernd Haubus verschränkte in Sachen Nord-Süd-Diskussion nicht nur körperlich die Arme. Der CDU-Gemeinderat aus Mockrehna machte auch verbal deutlich, dass er prinzipiell gegen eine Nordvariante sei: „Hier werden viele Feldstücke zerschnitten. Da mache ich nicht mit.“ „Was auch Ihr gutes Recht ist“, spielte Breinig den Ball zurück. Ein kurzer Einwurf von Mockrehnas Ortsvorsteher Bernhard Wagner (CDU), wonach gerade die Lkw-Belastung durch Mockrehna wegen eines westlichen Knotenpunkts nicht gesenkt werde, hielt der DEGES-Vertreter entgegen, dass jene Zahl „mit Verlaub keine Zahlen für einen Verkehrsplaner sind“. Eine B87n würde Mockrehna aktuell um täglich 8000 Fahrzeuge entlasten. Zusätzliche Entlastung für die Ortslage brächte die Verlegung der von Wildenhain kommenden S 16.

Erwin Ellguth (DIE LINKE), der sich zuletzt noch kritisch über eine von den Wildenhainern befürwortete Südvariante aussprach, räumte ein, dass ihm jene Variante mittlerweile zwar ein wenig besser gefalle. Doch ihn störe der enorme Zeitverlust bei der Planung. Dieser könnte sich auf Grund der MiLau-Überlegungen und -mittel (MiLau=Verbindungsstraße der Braunkohlereviere Mitteldeutschland-Lausitz) zumindest in Grenzen halten.

 

„Das ist unrealistisch“

 

Vize-Bürgermeister Claus Heinrichsen (FWG) räumt der Südvariante trotzdem wenig Chancen ein. „Das ist unrealistisch“, sagte der Wildschützer. Jene Variante würde unter anderem eine Nichtverlegung der aus Richtung Wildenhain kommenden S16 nach Westen zur Folge haben.

Im Rahmen der Gemeinderatssitzung äußerte sich DEGES-Projektleiter Breinig auch zur Kritik an einer mangelnden Bürgerbeteiligung im bisherigen Planungsverfahren: „Im Rahmen der bisherigen Variantenuntersuchung hat die DEGES Mitte 2019 bis Mitte 2020 zahlreiche Informationsrunden und Gespräche mit den zuständigen Behörden und politischen Vertretern sowie den Vertretern der Landwirtschaft durchgeführt. In diesen Besprechungen wurde regelmäßig der aktuelle Stand der Planungen vorgestellt und diskutiert.“ Eine förmliche Beteiligung der Bürger wird – wie bei anderen Infrastrukturprojekten auch – im Planfeststellungsverfahren durchgeführt. Anregungen und Hinweise aus der Bevölkerung sind unabhängig davon jederzeit willkommen. Darüber hinaus sollen im Rahmen der Entwurfsplanung sowie gegebenenfalls vor Einleitung des Planfeststellungsverfahrens und regelmäßig im Planfeststellungsverfahren Bürgerbeteiligungen respektive Bürgerinformationsveranstaltungen durchgeführt werden.

Am Ende der Diskussion einigte man sich darauf, im Frühjahr 2022 eine erneute öffentliche Inforunde abzuhalten. 

 

Info

Die B 87 zwischen Leipzig und Cottbus (A 13/A 15) erfüllt eine wichtige überregionale Verbindungsfunktion. Ein abschnittsweiser Neu- und Ausbau ist aufgrund der erwarteten hohen Verkehrsbelastungen zwischen Eilenburg und Torgau von bis zu 16000 Kfz/24 h im Jahre 2030 dringend notwendig. Projektziele sind die Schaffung einer verkehrsgerechten und leistungsfähigen Fernstraßenverbindung, die Entlastung der Ortsdurchfahrten vom Durchgangsverkehr sowie verkürzte Reisezeiten zwischen Leipzig, Eilenburg und Torgau unter Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und ökologischer Belange. Die DEGES plant und baut als Projektmanagementgesellschaft Bundesfernstraßen für ihre Gesellschafter – den Bund und zwölf Bundesländer.


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