Mittwoch, 21. Oktober 2020
Donnerstag, 8. Oktober 2020

GESPRÄCH AM SONNTAG

Olaf Kranen: "Richtung war nicht mehr unsere"

Olaf Kranen ist froh, den Schritt zum eigenen Unternehmen gemacht zu haben. Foto: Privat

Von unserem Redakteurin Julia Sachse

Gaunitz. Olaf Kranen hat einen mutigen Schritt gewagt: Vor vier Monaten übernahm er die Geschicke der Agrarbetriebsgemeinschaft Gaunitz GmbH. Dafür musste er den Betrieb aus der Holding heraus kaufen, die ihn 20 Jahre lang verwaltet hatte.

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Gaunitz. Olaf Kranen hat einen mutigen Schritt gewagt: Vor vier Monaten übernahm er die Geschicke der Agrarbetriebsgemeinschaft Gaunitz GmbH. Dafür musste er den Betrieb aus der Holding heraus kaufen, die ihn 20 Jahre lang verwaltet hatte. Im Gespräch wird klar, warum er das gegen jeden Zweifel verteidigt.

 

SWB: Herr Kranen, Sie haben zusammen mit Ihrer Frau den Entschluss gefasst, die ABG als unabhängiges Familienunternehmen  weiterzuführen. Warum?
Olaf Kranen: Wir haben in den vergangenen Jahren alle zusammen hart daran gearbeitet, ein Betrieb mit Zukunft zu sein und zu bleiben. In einer Zeit, in der sich die Landwirte harter Kritik aus Medien und Bevölkerung gegenübersehen, ist das ein ambitioniertes Ziel. Deshalb kamen wir nicht umhin, in moderne Technik und effiziente Prozesse zu investieren. Für uns steht außer Frage, dass Erzeugerbetriebe wie dieser langfristig nur eine Chance haben, wenn sie in der Lage sind, so viel wie möglich aus eigener Kraft zu produzieren und möglichst auch selbst zu vermarkten. Die Zeit der Auslagerung von Arbeitsschritten zur Einsparung von Personalkosten ist vorbei – spätestens dann, wenn man sich Gedanken um nachhaltige Produktion und faire Arbeitsbedingungen macht. Die Richtung, die die Holding vorgab, war vor diesem Hintergrund einfach nicht mehr unsere und deshalb haben wir das Risiko auf uns genommen und sie geändert.


Warum hat das Arbeitsklima bei Ihnen einen so hohen Stellenwert?
Ich selbst bin Landwirt aus Leidenschaft. Mein Hintergrund als diplomierter Agraringenieur gibt mir das Grundgerüst für die tägliche Arbeit vor, das Wissen über biologische und technische Abläufe hinsichtlich des Anbaus von Kartoffeln, Mais, Weizen, Raps, Roggen und Grassamenkulturen. Auch die Rinderzucht gehört zu unserem Tätigkeitsfeld auf dem Gelände. Doch das, was den Betrieb am Laufen hält, ist nicht das Können des EInzelnen, nicht der Plan der sogenannten „Chefetage“ – es ist der Zusammenhalt und die Motivation der Belegschaft! Jeden Tag auf Arbeit zu kommen und einen der wichtigsten Berufe der Menschheit auszuführen, obwohl dieser zugleich leider sehr wenig wertgeschätzt wird, das verdient meinen Respekt und ich will, dass es jedem Einzelnen meiner Kollegen auch während seiner Zeit auf Arbeit gut geht.  


Wie stellen Sie das sicher?
Eigentlich sind wir eine große Familie, wir kennen einander gut und sind so was wie das „landwirtschaftliche Dutzend“ von Gaunitz. 12 Mitarbeiter haben wir derzeit und sehen unsere Verantwortung auch darin, die nächste Generation achtsamer Landwirte auszubilden. Wo wir besonderes Potenzial erkennen, helfen wir auch bei der Finanzierung eines entsprechenden Studiums. Unser Umgang mit natürlichen Ressourcen, die Behandlung der Böden und der Schutz der Saat werden sich in den nächsten Jahren weiter verändern müssen. Die Frage, wie Umweltschutz und Landwirtschaft zukünftig Hand in Hand gehen können, ohne dass dabei reihenweise Existenzen gefährdet werden, stellt sich nicht nur die Jugend, sondern auch jeder, der in der Branche mit offenen Augen aktuelle Entwicklungen verfolgt. Sie zu verschließen, um gewohnte Pfade unbehelligt weiter platt zu trampeln, wäre auf jeden Fall die falsche Strategie. Stattdessen muss in neue Technologien investiert werden. Die Gesetzgeber müssen die Weichen dafür stellen, dass die Betriebe ihrerseits umstrukturieren können. Viele haben angesichts schleppender Verhandlungen und dem steigenden Export billiger produzierter Produkte den Glauben daran verloren, dass sich das für sie lohnen kann.


Beteiligen Sie sich an Kundgebungen, um Ihrer Branche eine Stimme zu geben?
Ja, das tue ich – im Übrigen zusammen mit meiner Tochter! Wir fahren zu Demonstrationen, die die Anliegen der Landwirte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und – ja, auch Druck auf die Politik im Ministerium ausüben sollen. Schließlich wird dort bestimmt, welche Düngemittel zugelassen werden, welche Mengen an Pestiziden eingesetzt werden dürfen und auch, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten und geschlachtet werden dürfen. Der Aspekt der Umsetzbarkeit spielt noch viel zu selten eine Rolle. Daran muss sich etwas ändern.


Was wünschen Sie sich für die Zukunft als regionaler Erzeuger?
Dass die Verbraucher, unsere Kunden, sich mehr auf die Arbeitsrealität der in ihrem Umfeld arbeitenden Landwirte einlassen. Viele „von uns“ machen sich Gedanken darüber, wie man mit Blick auf die umgebende Natur und zu erschwinglichen Preisen produzieren kann. Aber es muss auch klar sein, dass die nicht mit Discounter-Maßstäben konkurrieren können. Ein gesunder Umgang mit Rohstoffen fördert eine gesunde Ernährung. Wenn die Politik noch einen „gesunden“ Rahmen für die Betriebe schafft, hat regionale Landwirtschaft erst wirklich eine Chance.


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