Freitag, 30. Oktober 2020
Mittwoch, 14. Oktober 2020

TORGAU

Torgaus typografischer Garten: Mehr als einfach nur Buchstaben

„Auf welche Frage bist du die Antwort?“ steht seit Samstag in großen Lettern auf dem Rasen des Rosengartens.Foto: TZ/Leukhardt

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Für kurze Zeit ist im Torgauer Rosengarten ein Kunstwerk des Rasenkünstlers Ralf Witthaus zu sehen. Hinter der Kunst steckt ein großes Projekt.

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 „Was heißt das?“ „Was steht da?“ „Ach, Buchstaben sollen das sein?“ – Das Rätselraten war dank des gestrigen Titelbildes der TZ an Torgaus Frühstückstischen groß. Und trotzdem, eine Sache stand bei all den Fragezeichen über den Köpfen fest: Einen echten Hingucker hatte  Künstler Ralf Witthaus im Rosengarten am Fuße von Schloss Hartenfels wahrlich geschaffen. Ob man nun den eigentlichen Text „Auf welche Frage bist du die Antwort“ erkennt oder nicht.

Den Blick auf den Garten ziehen

Dass man sich seine Kunst, die seit vergangenem Samstag im Rosengarten prangt, genauer anschaut, ist von Ralf Witthaus durchaus gewollt. Ganz bewusst hat er diese Form wie auch  die Formulierung gewählt. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Kein leichtes Unterfangen, im Schatten eines großen, wunderschön restaurierten Renaissance-Schlosses. Aber genau das war für den 1973 in Bad Oeynhausen geborenen Rasenkünstler die Herausforderung.

„Mein Anspruch    ist es, immer einen gewissen Ortsbezug herzustellen“, erklärte der Künstler am Freitag, während er seine Motorsense auf ihren Einsatz am ersten Buchstaben, dem A, vorbereitet. „Aber hätte ich das hier gemacht, dann hätte man automatisch hoch aufs Schloss geschaut. Also habe ich etwas formuliert, dass einem einen anderen Blickwinkel auf den Garten gewährt.“ Dabei war ihm die Kernbotschaft, dass es bei der Gestaltung der Zukunft auf jeden Menschen ankommt, besonders wichtig. Denn das große Thema, das Witthaus dem Torgauer wie auch dem Delitzscher und weiteren „typografischen Gärten“ widmete und widmen wird, lautet „Zukunft“.

Ralf Witthaus ist stets mit Spaß bei der Arbeit.

Kunst für die Zukunft

Das ist dabei nicht zufällig gewählt,  sondern hängt mit dem Projekt zusammen, in dessen Rahmen Ralf Witthaus seine Gärten gestaltet. „180 Ideen für Sachsen“ heißt es und geht von der Staatlichen Kunstsammlung Dresden (SKD) aus. Impulse sollen damit gegeben werden, wie die Gesellschaft in Zukunft leben möchte.  „Die ,180 Ideen’ verstehen sich hierbei als Modelle, Entwürfe oder Gegenentwürfe einer nahen Zukunft“, heißt es in der offiziellen Mitteilung der SKD. „Ausgehend von dem erfinderischen Geist Sachsens und dem historischen Potenzial der Sammlungen der SKD sollen neue, positiv aufgeladene Visionen der Gesellschaft und der Demokratie gemeinsam mit den Bürger*innen Sachsens erarbeitet und vorgestellt werden.“ Und ein Teil davon sind die „typografischen Gärten“ von Ralf Witthaus.

Diese Form sind zwar nicht unbedingt die Spezialität des 46-jährigen Künstlers, sein Arbeits-Spektrum ist viel breiter, trotzdem hat er sich im Rahmen des SKD-Projektes ganz bewusst für die Verbindung von Natur und Schrift entschieden. „Jeder Buchstabe hat eine ganz besondere Kraft, die ihm der Typograf mitgegeben hat. Mich hat diese Wirkung schon immer fasziniert, weshalb ich von Anfang an die ,typografischen Gärten‘ umsetzen wollte.“

Im Anzug und mit der Motorsense in der Hand machte sich Ralf Witthaus am Freitag an die Arbeit. Dabei senste er jedoch nicht die Buchstaben selbst aus, sondern die Zwischenräume.

Aufsehen erregt

Im Falle von Torgau hat Witthaus dafür gerade einmal zwei Tage gebraucht. Am vergangenen Freitagvormittag begann er mit dem Abmessen und Ausschneiden der ersten Buchstaben – oder besser gesagt deren Zwischenräumen – am Samstag wurde er damit fertig. Und auch wenn er die eigentliche künstlerische Arbeit allein vollzog, bei allem anderen Drumherum hatte er Unterstützung. Zwei Landschaftsgärtner waren extra von Berlin nach Torgau gereist und hatten sich dort unter anderem um die Entfernung des Rasenschnitts gekümmert. Denn von dem ist, aufgrund der Tatsache, dass Witthaus bis runter auf die Grasnabe senste, jede Menge entstanden.

Nicht nur Witthaus’ Kunstwerk, sondern auch der Künstler selbst ernteten während der Entstehung am Wochenende reichlich neugierige Blicke von den Besuchern des Rosengartens.

Dabei stach vor allem sein Outfit, ein klassischer schwarzer Anzug, heraus. Dieser sei nach eigener Aussage eine Anlehnung an den weltberühmten Maler Salvador Dalí, der sich von seinem ersten Gehalt einen ersten schwarzen Anzug gekauft haben soll. Ähnlich war es auch bei Witthaus, mittlerweile hat er jedoch auch die praktischen Vorzüge dieser außergewöhnlichen Arbeitskleidung kennengelernt. „Er ist wirklich bequem und seit ich ihn trage, wurde ich bei meiner Arbeit noch nie nach einer Genehmigung gefragt“, sagt der Künstler schmunzelnd. Mittlerweile ist er schon wieder andernorts tätig und lässt den nächsten ,typografischen Garten‘ entstehen. Diesen legt er auf der Rosenwiese in Zwickau an, wo die Besucher bald den Satz „Sei die Veränderung, die du der Welt wünschst“ lesen können.


Übrigens:

Lange ist das Kunstwerk nicht mehr im Rosengarten zu sehen. Aufgrund von Bauarbeiten im Zuge der Landesgartenschau ist dieser, genauso wie der Schlossgarten, ab morgen, dem 15. Oktober, geschlossen.
Dann kann Ralf Witthaus Werk nur noch von der Balustrade überhalb des Rosengartens betrachtet werden.

 


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