Freitag, 27. November 2020
Donnerstag, 15. Oktober 2020

NORDSACHSEN

"Ein besonderes Schauspiel"

Wer im Moment in den Auen des Landkreises unterwegs ist, kann Hunderte von Kranichen beobachten, so Tino Gärtner. Foto: Anna Thiere

von unserer Redakteurin Anna Thiere

Plessa In den Sumpf- und Moorlandschaften des Landkreises findet im Moment ein ganz besonderes Schauspiel statt. Diese Woche berichtet...

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Plessa In den Sumpf- und Moorlandschaften des Landkreises findet im Moment ein ganz besonderes Schauspiel statt. Diese Woche berichtet Tino Gärtner, Ranger bei der Naturwacht Brandenburg, im Gespräch am Sonntag über Brutplätze, familiäre Strukturen und Stoppelfelder.

SWB: Herr Gärtner, was ist denn gerade am Himmel zu beobachten?
Tino Gärtner: Die Kraniche aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus sammeln sich gerade. Besonders in den Niederungen der schwarzen Elster zwischen Plessa, Lauchhammer und Elsterwerda sowie an der kleinen Elster rund um Oppelhain, Schadewitz und Gruhno sind die Vögel momentan zu Hunderten zu beobachten. Dass die Vögel sich hier in der Region sammeln, um dann ihre Reise weiter nach Spanien anzutreten,ist wohl schon Jahrhunderte so. Ich habe herausgefunden, dass der Ortsname Gruhno aus dem Slawischen stammt und „Kranichaue“ bedeutet.

Wann geht das Naturschauspiel denn los?
Das beginnt meist schon im Juli/August. Die Vögel bevorzugen Plätze mit viel Fläche, landwirtschaftlich genutzt und ohne direkten Verkehr. Sie mögen es zu fressen, ohne dabei gestört zu werden. Generell sind sie sehr menschenscheu und daher kaum in Ballungszentren zu finden. Der Kranich ist ein geschützter Großvogel und hat spezielle Anforderungen an seinen Lebensraum. Er benötigt niedrige Gewässer mit ungefähr einen halben Meter Wassertiefe, Moore und Sümpfe zum Brüten.

Wie viele Vögel gibt es davon im Landkreis?
Genaue Zahlen zu nennen ist leider fast unmöglich. Die Anzahl der Brutpaare ist grob dreistellig. Diese sind fast nur an den Schlafplätzen zu erfassen, da die Vögel in einem großen Gebiet zum Fressen unterwegs sind. Der Landkreis ist am Rande des Zugkorridors. Man kann anhand der Ringe, die die Kraniche tragen, ihre Herkunft erfassen.

Wenn die Vögel aber doch so menschenscheu sind, wie kommen dann die Ringe an die Füße?
Wir hier in Elbe-Elster beringen die Vögel nicht. Es gibt zum Bespiel beim Naturschutzbund richtige Teams, die die Vögel, wenn sie jung sind, einfangen und die Plastikringe anbringen. Sie haben dann verschiedene Farbkombinationen. So kann man genau zuordnen, woher sie stammen und welche Wege sie zurücklegen.
Woher kommen die Kraniche, die sich hier sammeln, denn?
Neben unseren einheimischen Kranichen kommen sie auch aus den baltischen und tschechischen Regionen hierher. Kraniche sind sehr sozial und leben in Familienverbänden zusammen. Anders als zum Bespiel beim Stroch ist die Zugroute zu ihren Winterquartieren nicht genetisch veranlagt.

Erklären Sie das genauer.
Kraniche lernen voneinander. Die älteren Vögel zeigen den Jüngeren den Weg. Der Storch im Vergleich schlüpft und weiß quasi von Geburt an, wohin er wann fliegen muss. Er hat sozusagen ein eingebautes Navi, wenn man es so vergleichen möchte. Der Kranich zieht seine Jungen auf und nimmt sie mit auf diese Reise. Daher sind die Kraniche auch länger mit ihren Eltern und Geschwistern zusammen. Einige Tiere haben sich aus  anderen Regionen hier wieder angesiedelt. Sie erinnern sich allerdings oft an ihren Geburtsort und wechseln oft die Brut, Futter und Schlafplätze

Wie alt werden die Tiere?
In Gefangenschaft kann man Kraniche finden, die bis zu 25 Jahre alt werden. In freier Wildbahn werden sie um die 10 Jahre. Die Gelege umfassen selten mehr als zwei Eier und so gibt es nur relativ wenige Nachkommen. Die zunehmende Trockenheit macht den Tieren zusätzlich zu schaffen. So finden sie zu wenig Fressplätze und durch die landwirtschaftliche Nutzung der Freiflächen kaum noch Brutplätze.

Der Kranich steht ja unter Naturschutz. Wie sieht der Schutz konkret aus?
Da kollidiert der Naturschutz leider immer etwas mit der Landwirtschaft. Kraniche fressen neben Fröschen, Kleinsäugern und Insekten unheimlich gerne Mais. Das Getreide ist sehr nährstoffreich und viele Kraniche tummeln sich auf den frisch angesäten Flächen. Es gibt einige Landwirte, die die Stoppelflächen nach der Ernte nicht gleich wieder umbrechen, sondern als Stoppelflächen stehen bleiben und somit als  Futter dienen. So bleiben sie ihren eigentlichen Ertragsflächen fern. Dazu hat natürlich nicht jeder Agrarbetrieb das Geld noch die Fläche zur Verfügung. Ich denke, da müssen die Rahmenbedingungen stimmen, damit beides Hand in Hand gehen und der Schutz dieser Vögel gewährleistet werden kann.


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