Freitag, 27. November 2020
Mittwoch, 21. Oktober 2020

TORGAU

Werks-Schließung hat alles sehr stark verändert

Diese Zuckerrüben des Landwirtschaftsbetriebes Oberhoff liegen in der Nähe von Kreischau zum Abtransport bereit. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Für die Landwirte im Altkreis Torgau war es erneut kein gutes Rübenjahr. Es fiel über die Sommermonate hinweg und auch in der Zeit davor einfach zu wenig Regen.

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Torgau. Für die Landwirte im Altkreis Torgau war es erneut kein gutes Rübenjahr. Es fiel über die Sommermonate hinweg und auch in der Zeit davor einfach zu wenig Regen. Außerdem hat die Schließung der Zuckerfabrik in Brottewitz bei Mühlberg einen erheblichen Einfluss auf den Rübenanbau. 

 

100 Kilometer entfernt 

Die Bauern müssen die Ernte ab diesem Jahr zur Verarbeitung nach Zeitz (Sachsen-Anhalt) liefern. Dieser  Standort der Südzucker AG ist rund 100 Kilometer von Torgau entfernt. „Eine Distanz, die den Rübenanbau im Altkreis zwar nicht völlig unwirtschaftlich werden lässt, die aber trotzdem mit dafür gesorgt hat, dass eine gewisse Zahl der Betriebe aus diesem Geschäft ausgestiegen ist“, wie Christian Beyer, Geschäftsführer des Verbandes Sächsisch-Thüringischer Zuckerrübenanbauer e.V., gegenüber TZ einschätzt.

Einige Zahlen, die für Lieferanten der Südzucker AG gelten, geben darüber Aufschluss: Waren 2019  im Landkreis Nordsachsen exakt 123 Rübenanbauer registriert, so sind es in diesem Jahr nur noch 87. Die bestellte Fläche betrug 2019 rund 4200 Hektar im Landkreis.  Diesen Sommer wuchsen die Feldfrüchte nur noch auf rund 3000 Hektar Fläche heran. Damit gibt es  – anders formuliert – genau 28 Prozent Fläche und exakt 37 Anbaubetriebe weniger im Landkreis Nordsachsen. Im Raum Torgau sind die Auswirkungen noch deutlicher. Hier sank die Zahl der Anbaubetriebe um 31 Prozent. Das macht 37 Prozent weniger Fläche, so Christian Beyer. In ganz Sachsen reduzierte sich der Rübenanbau für die Südzucker AG um rund 5 000 Hektar. Weil einige Landwirte ihre Zuckerrüben auch anderswo zur Verarbeitung hinbringen wie beispielsweise nach Könnern (Sachsen-Anhalt) oder nach Tschechien, könne damit aber nicht auf die tatsächliche Anbaufläche im gesamten Freistaat geschlossen werden, betonte der Geschäftsführer. Erntebeginn war in diesem Jahr der 14. September. Die Arbeiten werden sich, die entsprechende Witterung vorausgesetzt, bis Ende November hinziehen. In der Fabrik in Zeitz selbst läuft die Verarbeitung bis Mitte Januar. 

 

Schlechtere Böden 

Verbandsgeschäftsführer Christian Beyer kennt die Probleme der Landwirte im Altkreis Torgau. Die hiesigen Böden zählen eher zu den schlechteren im mitteldeutschen Raum. Gerade in den vergangenen drei Jahren waren die Bedingungen aufgrund der Trockenheit alles andere als optimal. Wer nicht schon im Septeber mit der Ernte begann, konnte womöglich noch ein bisschen von den jüngsten Niederschlägen profitieren. Insgesamt blieb die Situation aber unbefriedigend. Wahrscheinlich liegt der Ertrag nur leicht über dem Niveau von 2019. Da wurden durchschnittlich etwa 45 Tonnen je Hektar je nach Standort eingefahren. Selbst wenn die Landwirte diesmal einige Tonnen mehr ernten, sei das immer noch viel zu wenig. Der Zuckergehalt liege mit weniger als 18 Prozent in der Region Torgau ebenfalls unter den Erwartungen. 

Verschiedene Krankheiten haben mittlerweile auch dafür gesorgt, dass manche Unternehmen das Handtuch warfen, gerade im ostelbischen Gebiet. Hier macht den Bauern seit geraumer Zeit ein Bakterium zu schaffen, das durch eine Zikadenart auf die Pflanze übertragen wird und das sogenannte Syndrome Basses Richesses (SBR) auslöst. Diese Krankheit führt zu einem niedrigen Zuckergehalt bei der Rübe. Außerdem sind die Feldfrüchte hinterher nicht mehr lagerfähig. „SBR hat sich offenbar durch den Klimawandel von südlichen Ländern Europas bis zu uns ausgebreitet und ist seit rund vier Jahren auch in der Elbaue feststellbar“, sagt Christian Beyer. Die Agrargenossenschaft Arzberg beispielsweise hat genau aus diesem Grund den Anbau komplett eingestellt. Wissenschaftler forschen zwar an einer wirksamen Bekämpfung, stehen aber noch ziemlich am Anfang. 

Weiterhin lassen bestimmte Viruskrankheiten die Erträge schrumpfen. „Entsprechende Pflanzenschutzmittel hat die EU verboten. Problem ist, dass alle Nachbarländer eigenmächtig Ausnahmegenehmigungen zuließen, nur Deutschland nicht. Dabei gibt es einen gemeinsamen Markt“, kritisiert der Verbandsgeschäftsführer. 

 

Per Lkw

Was den Transport der Rüben nach Zeitz betrifft, so sei die Bahn weiterhin wegen der Kostenstruktur kein Thema. Wirtschaftlich bleibe einzig und allein der Weg per Lkw auf der Straße, auch wenn es die Umwelt belastet. „Ein Viertel der Transportkosten müssen die Landwirte selber tragen. Mit der größeren Entfernung haben viele Betriebe nun eine deutlich höhere Kostenbelastung als vorher“, resümierte Christian Beyer.


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