Freitag, 27. November 2020
Donnerstag, 22. Oktober 2020

TORGAU

So steht es um den Torgauer Hotelneubau

Lageplan Hotel.Foto: Pyramis/Repro:TZ

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Torgau. Seit Sommer laufen Gespräche über die Ansiedlung eines Inklusionshotels in der Elbestadt. Die TZ geht der Frage nach, wie weit das Projekt gediehen ist. 

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken


 Auch wenn derzeit nach außen nur wenig zu vernehmen ist: Das Projekt Inklusionshotel Torgau beschäftigt Stadtverwaltung, Stadträte, Kreisverwaltung und natürlich die Pyramis-Immobilienentwickler, die es angeschoben haben. In den zurückliegenden Monaten hat sich einiges getan. In trockenen Tüchern ist der Bau allerdings noch lange nicht.

Darum geht es

Zur Erinnerung: Anfang Juli stellte Michael Kirchner, Geschäftsführender Gesellschafter der Pyramis Immobilienentwicklungs GmbH, im Torgauer Stadtrat ein Drei-Sterne-Plus-Inklusionshotel für die Große Kreisstadt vor, das bis zur Landesgartenschau sene Tore öffnen soll.

Als Standort für das 60-Zimmer-Haus hatte Pyramis gemeinsam mit der Stadtverwaltung die Freifläche neben dem Aquavita im Nordring auserkoren. Insbesondere das Integrationskonzept des Hotels fanden bei der ersten Präsentation das Wohlwollen der Räte: 40 Prozent der Mitarbeiter sollen laut Michael Kirchner einen Behinderungsgrad von 50 Prozent und mehr aufweisen. In Summe seien das zehn Vollzeitstellen, die sich jedoch auf mehr Mitarbeiter verteilten, da die Handicaps oftmals keine Vollzeitbeschäftigung zuließen.

Über ein Interessenbekundungsverfahren, so der Stand im Juli, sollte ein sozialer Träger gefunden werden, um auf diese Weise in den Hotelbetrieb einzusteigen.

Rückkehr nach Torgau

Ende September suchte Michael Kirchner erneut den Torgauer Stadtrat auf. Diesmal im geschlossenen Teil, diesmal mit seinem Team, zu dem unter anderem der Bauunternehmer Olaf Riemann, der Kommunal-Experten Rainer C. Beutel und ein Hotelmanager gehören.

Den Räten präsentierte er die Fortschritte seit Juli, bekam aber, so viel vorweg, noch kein Grünes Licht. Am Rande seines Torgau-Besuchs schauten Michael Kirchner und sein Team auch in der TZ-Redaktion vorbei.

Das ist der Stand
Die Machbarkeitsstudie, die zeigen soll, ob sich der Hotelbetrieb lohnt, ist so gut wie fertig und Michael Kirchner ist sich sicher: „Der Bedarf ist da, und er ist nicht direkt an den Durchführungszeitraum der Landesgartenschau gebunden. Ich gehe davon aus, dass die neu geschaffene LAGA-Infrastruktur nachhaltig Menschen nach Torgau ziehen wird.“ Natürlich, das räumt er ein, wäre es für den Start des Hotels optimal, die Landesgartenschau an sich und damit auch das zusätzliche Publikum mitzunehmen.

Mit den Bauordnungsämtern in Stadt und Landkreis hat sich Pyramis laut Kirchner ebenfalls kurzgeschlossen, um zu ergründen, wie ein Hotel-Entwurf aussehen müsste, um auf das gewünschte Grundstück zu passen.  Erste Entwürfe liegen bereits vor.

Tätig war Pyramis auch in Sachen Finanzierung. Man habe mit Volksbank und Sparkasse verhandelt und die Investregion Leipzig wegen Interessenten kontaktiert, die das Modell begleiten wollen, so Kirchner. Auch ein Investoren-Exposé wurde erarbeitet.

Generell ist vorgesehen, dass eine Genossenschaft als Investor auftritt. Geht es nach Pyramis treten  auch die Stadt Torgau und ein städtisches Unternehmen wie die Stadtwerke dieser Genossenschaft bei. Als Einlage soll die kommunale Seite das Grundstück beisteuern, das sich aktuell noch im Besitz der Stadtwerke befindet. „Uns geht es dabei nicht um das Geld“, sagt Kirchner.

100 bis 200 000 Euro Grundstückswert seien bei einer Gesamtinvestition von 5 bis 6 Millionen Euro nicht maßgeblich entscheidend. „Wir brauchen das Bekenntnis der Stadt, dass sie dieses Projekt wirklich will, deshalb brauchen wir diese Beteiligung.“

Mit der Betreibergesellschaft des Hotels werde die Stadt dagegen nichts zu tun haben, fügt Michael Kirchner hinzu. Der Zeitplan war schon im September eng. Pyramis hatte sich einen positiven Ratsbeschluss im Oktober gewünscht. Anfang Januar müssten die Bagger rollen, hieß es, damit eine Eröffnung zur Landesgartenschau 2022 noch im Bereich des Möglichen bleibt.

So wird aktuell diskutiert

Ein klares Stimmungsbild pro oder contra Pyramis-Projekt zeichnet sich im Torgauer Stadtrat aktuell nicht ab. Aber es gibt Diskussionspunkte, die vor einer Entscheidung offenbar noch geklärt werden müssen.

Da ist beispielsweise das Genossenschaftsmodell, das Pyramis anstrebt. In der geplanten Konstruktion würde diese Genossenschaft das Hotel bauen und anschließend an eine Betreibergesellschaft vermieten. Wenn das Hotel nun aber floppt, so die Befürchtung, geht der Genossenschaft das Geld aus und die Stadt haftet im schlimmsten Fall mit dem Grundstück.

Ein weiteres Negativszenario sieht die Stadt in der Verantwortung, finanziell für die Stabilisierung er Genossenschaft einzuspringen, wenn das Hotel nicht gut läuft. Zwar soll eine sogenannte Nachschusspflicht vertraglich ausgeschlossen werden – der Stadtrat würde aber immer vor der moralischen Frage stehen, ob er „seiner“ Genossenschaft und damit am Ende auch dem Hotel finanziell durch schwere Zeiten helfen will.

Eigentlich sollte darüber am Mittwoch in geschlossener Ratssitzung noch einmal gesprochen werden. Doch bekanntlich wurde die Sitzung kurzfristig abgesagt. Bestenfalls liegt zum Nachhole-Termin auch die Stellungnahme des nordsächsischen Kommunalamts zum Genossen-
schaftsmodell vor. Es habe zuletzt zwei Beratungstermine mit der Stadtverwaltung dazu gegeben, hieß es gestern aus dem Landratsamt. In zwei, spätestens drei Wochen werde die Stellungnahme vorliegen.

Wer wird Betreiber

Hinterfragt wird derzeit auch das Betreibermodell. Der Integrationsansatz findet übergreifend absolute Zustimmung, allein die Umsetzung samt passendem Partner scheint unklar. Torgaus Lebenshilfe hat bereits signalisiert, sich beteiligen zu wollen, „aber nicht federführend“, sagt Geschäftsführer Veit Niegsch.

Genaue Informationen, bei welchen Aufgabenstellungen sich die Lebenshilfe einbringen könnte, liegen ihm noch nicht vor. Dass die Lebenshilfe Oschatz als möglicher Betreiber im Spiel sei, dementiert deren Vorstandsvorsitzender Markus Drexler auf TZ-Nachfrage. Es habe bisher auch keinen Kontakt zum Thema Inklusionshotel Torgau gegeben.

Kann es auch nicht, sagt Michael Kirchner. Dieser Schritt komme deutlich später. Erst wenn klar sei, dass die Stadt samt Grundstück im Boot ist und das Hotel gebaut werden kann, erfolge die Gründung einer gemeinnützigen GmbH. Bestehend aus Pyramis und einem gemeinnützigen Träger soll diese Gesellschaft das Hotel betreiben. Das Interessenbekundungsverfahren werde ermittelt, so Kirchner, welcher Träger am besten geeignet ist.

Artikel mit ähnlichen Schlagwörtern suchen:

HotelInklusionshotelMichael KirchnerTorgau


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 
Industrie 4.0 kompakt – Erfahrungsaustausch
09.12.2020, 15:00 Uhr - 16:30 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

black-friday

Weihnachtsabo

TZ-Probelesen

Wirtschaftsmagazin

Torgau-Plus

Wanderführer

Feste und Gäste

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga