Donnerstag, 5. August 2021
Mittwoch, 4. November 2020

"Im Paket waren diese Maßnahmen sehr hilfreich"

C. Hartrampf-HirschbergFoto: TZ/Archiv

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Das Kurzarbeitergeld ist eines der wichtigsten Werkzeuge, mit denen die Bundesregierung versucht, die Corona-Folgen für Unternehmen abzuwenden.

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Als die Unsicherheit im Frühjahr am größten war, haben unzählige Betriebe im Landkreis diese Unterstützung beantragt – und sehr schnell eine Reaktion erhaltenDie Bearbeitung aller Anträge lag in den Händen der Agentur für Arbeit Oschatz. Deren Geschäftsführerin, Cordula Hartrampf-Hirschberg, spricht
gegenüber #Zukunft_JETZT! über die Antragsflut, Alltag und
Digitalisierung.

Wie viel Kurzarbeit wurde im Frühjahr beantragt?
Cordula Hartrampf-Hirschberg: Rund 40 Prozent der nordsächsischen Unternehmen hatten im März und April Kurzarbeit für rund 30 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei der Arbeitsagentur Oschatz angezeigt. Dahinter stehen also rund 2000 Betriebe und über 20 000 Arbeitnehmer. Damit verbunden war ein großer Beratungsaufwand, vor allem telefonisch.

Was bedeutet das für Mitarbeiter und Abläufe?
Binnen weniger Tage haben die Unternehmen die Bescheide über die Zahlungsvoraussetzungen erhalten. Beratung und Bearbeitung waren ein Kraftakt. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben kurzfristig zusätzliche beziehungsweise neue Aufgaben übernommen. Sonst hätte das nicht funktioniert. Wir haben uns flexibel den Anforderungen angepasst und Klarheit für die Kunden geschaffen.
 
Wie wurde trotz des erhöhten Aufwands gewährleistet, dass es bei der regulären Betreuung der Kunden nicht zu Abstrichen kam?
Die Arbeitsagenturen sind bundesweit ab 18. März geschlossen worden. Die Kanäle Telefon und eService haben wir kurzfristig erweitert, beispielweise eine weitere Sammelrufnummer geschaltet mit zeitweise 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir konnten also weiter für unsere Kunden da sein – nur anders. Der Gesetzgeber hat parallel Vereinfachungen ermöglicht, beispielsweise bei der Arbeitslosmeldung und bei den Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld. Im Paket waren diese Maßnahmen sehr hilfreich. Seit Juli bieten wir terminierte persönliche Beratungsgespräche an, die in speziell dafür ausgestatteten Räumen durchgeführt werden.

Die Anträge waren das eine – wie viele Unternehmen haben tatsächlich Kurzarbeit in Anspruch genommen?
Zur Abrechnung des verauslagten Kurzarbeitergeldes haben Unternehmen drei Monate Zeit. Nach den ersten vorläufigen Auswertungen haben im April 1500 nordsächsische Betriebe für rund 8500 Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld abgerechnet. Das sind deutlich weniger Abrechnungen als zuvor angezeigt wurden und ist die gute Nachricht. Der durchschnittliche Arbeitsausfall lag bei rund 32 Prozent – das ist ein vorläufiger Wert. Bezogen auf Branchen wurde Kurzarbeit besonders im Handel und im Gastgewerbe genutzt.
 
Corona gilt gemeinhin als Katalysator für Digitalisierung. Wie hat sich das bei der Agentur für Arbeit ausgewirkt?
Die Digitalisierung ist mit Corona beschleunigt worden. Unsere Hauptzugangskanäle sind mittlerweile Internet und Telefon. In den letzten Wochen haben sich dabei viele Routinen entwickelt, vor allem weil die Menschen auch im Alltag verstärkt damit konfrontiert sind. Wir nutzen die konkreten Erfahrungen für unsere Weiterentwicklung.
 
Haben sich die Bedürfnisse der Unternehmen seit Corona verändert?
Ja und nein. Das Grundbedürfnis lautet sicherlich, weiterhin am Markt bleiben zu können. Da ist Kurzarbeitergeld ein wichtiger Sicherungsanker, auch um Fachkräfte zu halten. Auf der anderen Seite gibt es weiterhin einen erheblichen Personalbedarf. Mich beeindruckt dieser Optimismus. 

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