Montag, 30. November 2020
Freitag, 6. November 2020

DOMMITZSCH

"Keinen Pessimismus aufkommen lassen"

Normalerweise geht es in der Werkstatt sehr hektisch zu. Es wird geschweißt, gesägt, gebohrt und poliert, um die Sonderanfertigungen zu produzieren.Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Seit August hat die Anlagen- und Sonderformstückbau Dommitzsch GmbH (ASD) einen Auftragsrückgang zu verzeichnen. Corona macht sich nun auch in der Gänsebrunnenstadt bemerkbar.

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„Wir wussten schon vorher: Wenn es unsere Branche trifft, dann wird das erst nach dem Sommer bis zu uns durchschlagen“, sagt Bernd Grauert, neben Uwe Sohr Geschäftsführer der ASD. Man sei am Projektgeschäft beteiligt und arbeite für bestimmte Auftragnehmer zu. Da gibt es manchmal Laufzeiten von ein bis zwei Jahren. Deshalb habe man in den ersten Monaten der Krise kaum etwas davon gemerkt. „Wenn wir abarbeiten, gibt es einen gewissen Vorlauf“, verdeutlicht Bernd Grauert. „Aber sämtliche neue Investitionen auf dem weltweiten Markt sind erst mal gestoppt, verschoben, zurückgestellt. Jeder wartet erst einmal ab und realisiert nur das Nötigste“, beschreibt der Geschäftsführer die prekäre Situation. Weil noch dazu ein paar größere Aufträge storniert wurden, musste die Anlagen- und Sonderformstückbau Dommitzsch GmbH reagieren. „Wir haben seit September mit der Kurzarbeit im Betrieb angefangen“, sagt Bernd Grauert. Man müsse die Situation jetzt sehr genau beobachten und schauen, wie sich das internationale Geschäft entwickelt. Wenn alles strauchelt, bleibt das natürlich für den hiesigen Standort nicht folgenlos. Alles sei gerade sehr unsicher. Die ASD hat mittlerweile zwischen 20 und 25 Prozent weniger Auftragsvolumen. „Doch Pessimismus möchten wir nicht aufkommen lassen. Bis jetzt ist die Lage noch nicht dramatisch. Unsere Mitarbeiter haben erst einmal Überstunden abgebummelt, zum Teil auch Urlaub genommen“, sagt der Firmenchef. Bernd Grauert geht allerdings davon aus, dass sich bis zum Frühjahr nicht grundlegend etwas an der internationalen Krise ändert. Deshalb werde wohl Kurzarbeit bis Mitte nächsten Jahres ein Thema bleiben. Ob und in welchem Umfang dann weitere Einschnitte anstehen, wäre zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation. Derzeit sind in der Anlagen- und Sonderformstückbau Dommitzsch GmbH rund 50 Mitarbeiter beschäftigt. Zuletzt lag der Schwerpunkt bei der Öl- und Gas-Industrie beziehungsweise bei der Petrochemie. Beim Bau großer Anlagen kommen oft zahlreiche Sonderanfertigungen zum Einsatz. Darauf ist man im nördlichsten Zipfel Sachsens spezialisiert. Von der Berechnung bis hin zum Entwurf auf dem Papier, von der Konstruktion des Bauteiles und dem Einholen der Genehmigungen – das alles wird bei der ASD realisiert. Manche Aufträge sind dabei sehr komplex. In normalen Zeiten haben die Beschäftigten im Gewerbegebiet in der Dübener Straße alle Hände voll zu tun. In der Werkhalle geht es meist hektisch zu: Es wird geschweißt, gesägt, gebohrt – Schleifgeräte surren und Funken sprühen. Die Spezialteile, die die Dommitzscher herstellen, werden meist benötigt, um weitere Module zu vervollständigen. Die riesigen Metallteile, die am Standort millimetergenau bearbeitet werden, haben oft noch eine weite Reise vor sich. Manche Rohrstücke, Apparaturen, Behälter und Baugruppen sind ein paar Tonnen schwer. Einige Rohr- und Formstücke haben bis zu 3,20 Meter Durchmesser, Einzelanfertigungen wiegen bis zu 16 Tonnen. Rund um den Globus verteilt sind jene Länder, die von der qualitativ hochwertigen Arbeit der ASD-Leute profitieren. Zuletzt lieferte man beispielsweise nach Mexiko und Rotterdam. „Es gibt weltweit Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten“, erklärt Bernd Grauert stolz. Bis Juli hatte man sogar einen Auftragsüberhang. Die Anlagen- und Sonderformstückbau GmbH ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Mit gerade mal sechs bis acht Mitarbeitern fiel 1996 der Startschuss. Daraus wurden schnell mehr. Inzwischen ist die GmbH längst ein etabliertes Unternehmen. Und so soll es bleiben – auch über die Corona-Krise hinaus.

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