Montag, 30. November 2020
Dienstag, 17. November 2020

NORDSACHSEN

Corona vergrößert das Verständnis für digitale Prozesse

Nordsachsens Landrat Kai Emanuel weiß: Wer seine Prozesse effektiv digitalisieren will, muss sie komplett neu denken.Foto: IHK

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Mit rund 1000 Mitarbeiterin gehört die Landkreisverwaltung zu den größten Arbeitgebern der Region. Wie viele Unternehmen auch stand die Behörde vor der Herausforderung, auch während der Pandemie zu funktionieren.

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Wie sehr sich die Arbeit im Landratsamt Nordsachsen verändert hat, wollte die TZ von Landrat Kai Emanuel wissen und kam mit ihm recht schnell auf das Thema Digitalisierung zu sprechen, die im Schloss nicht zum behördlichen Selbstzweck vorangetrieben wird.

TZ: Wie hat sich durch Corona die Arbeit im Landratsamt geändert?
Kai Emanuel: Wir sind auf einem Stand wie vor Corona …
 
… das ist aber enttäuschend.
Moment, ich bin bei den Arbeitsabläufen. In den Köpfen der Mitarbeiter hat sich einiges getan. In unserer Zukunftsstrategie 2030, deren Umsetzung mit sechs Millionen Euro vom Freistaat gefördert wird, sprechen wir unter anderem von der Digitalisierung der Prozesse in der Verwaltung. Ich denke, dass nach Corona bei allen ein größeres Verständnis für diese neuen Prozesse da ist und eine höhere Bereitschaft, sie zu begleiten.

Können Sie konkreter werden?
Durch das Arbeiten in Schichten und von zu Hause aus musste die Führung auf Entfernung realisiert werden. Manche Führungskräfte vermuten, dass ihre Mitarbeiter die Füße hochlegen, und die wiederum fühlen sich gegängelt. Sachgebietsleiter haben mir nun aber berichtet, dass Mitarbeiter im Homeoffice effizienter gearbeitet haben.
 
War Corona ein Katalysator für Ihre digitalen Pläne?
Auf jeden Fall. Allerdings sind wir mit digitalen Prozessen in Sachsen noch sehr sporadisch unterwegs. Bis auf Brauchtumsfeuer und Hundesteuern gibt es noch keine richtigen Massenverfahren. Meistens sind es ohnehin Bundes- und Landesgesetze, die unsere Verwaltung umsetzt. In Sachsen ist die KOMM24 gegründet worden, um diese Prozesse für alle Kommunen im Freistaat zu digitalisieren. Mit der Digitalisierung der Wohngeldanträge erwarte ich das erste Ergebnis noch in diesem Jahr.
 
Der Landkreis Nordsachsen ist mit seinem Breitband-Projekt Vorreiter in der digitalen Infrastruktur. Das versetzt ihn in die Lage, auch bei digitalen Dienstleistungen eine Vorreiterrolle einzunehmen. Wenn nun die meisten digitalen Prozesse ohnehin vom Bund und vom Land entwickelt werden müssen, welchen Wert hat dieser Vorsprung dann noch?
Wir können in der Einführung Vorreiter sein. Das hat mit der Infrastruktur zu tun, weil sie uns erlaubt, auch interne Abläufe digital abzubilden. Das ist die Grundlage für eine neue Perspektive, mit der unsere Mitarbeiter ihre Aufgaben betrachten werden. Wenn Prozesse damit beginnen, dass die Bürger ihre Daten – beispielsweise für Anträge – direkt in eine Plattform eingeben, dann ist das Ergebnis von genau diesen Daten abhängig. Deshalb stellen wir uns vor, dass Mitarbeiter in der Fläche als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Mit ihrem Fachwissen unterstützen sie in Zukunft die Bürger an der Schnittstelle zu den digitalen Prozessen.

Wie hat sich für Sie persönlich die tägliche Arbeit während des Corona-Lockdowns verändert? Immerhin ist man als Landrat des Flächenlandkreises Nordsachsen normalerweise viel auf den Straßen unterwegs.
Ich war genauso wie alle Mitarbeiter im Schichtdienst. In die Zeit, in der ich das Landratsamt verlassen musste, habe ich Telefonate gelegt. Es war ein sehr strukturierter Arbeitsablauf. Ich war weniger im Auto unterwegs, das stimmt. Allerdings habe ich regelmäßig unsere Unternehmen besucht, weil auch dort Fragen entstanden sind.

Auch nach Dresden durften Sie ab und an.
Gerade in der Kommunikation mit Dresden und dem Ministerpräsidenten haben wir Landräte sehr schnell wieder auf persönlichen Treffen bestanden. Ein Befehlsempfang funktioniert per Video- oder Telefonkonferenz gut. Aber eine Ideenfindung, eine gemeinsame Diskussion – das ist auf diesem Weg schwer. Da fehlen einfach die Zwischentöne.
 
Was nehmen Sie für sich aus der Corona-Zeit mit?

Dass es nicht irgendein Job ist, den wir hier machen. Diese Überzeugung, etwas Wichtiges zu leisten, habe ich auch bei meinen Mitarbeitern gesehen. Das hat Spaß gemacht und war motivierend.

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