Mittwoch, 25. November 2020
Mittwoch, 18. November 2020

DOSSIERS

"Wir haben für jedes Geschäftsmodell ein Konzept"

Dr. Harald Langenfeld: "Unsere Privatkunden sind durch Corona noch digitaler geworden."Foto: Sparkasse Leipzig

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Interview mit Dr. Harald Langenfeld,  Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig

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„Die Corona-Krise stellt die Realwirtschaft vor die größte Herausforderung der vergangenen 60 Jahre.“ Das sagt Dr. Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig. Das Kreditinstitut ist er wichtigste Unternehmensfinanzierer der Region und deshalb ganz nah dran am Kampf gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Vielleicht ist es auch diese Nähe seines Hauses zum regionalen Mittelstand,  die Harald Langenfeld bei alldem optimistisch nach vorne blicken lassen. Diesen Eindruck vermittelt er zumindest im Interview für das TZ-Wirtschaftsmagazin #Zukunft_JETZT! Darin spricht der Sparkassen-Vorstandschef aber nicht nur über die Situation der Unternehmen sondern schildert auch, wie sich sein Haus auf die veränderten Bedingungen im Privatkundenbereich eingestellt hat.

Die Sparkasse Leipzig hat schon im März erste Unterstützungsangebote für Unternehmen und Selbständige unterbreitet, die durch Corona wirtschaftliche Einbußen hinnehmen mussten. Welches Fazit lässt sich nach einem halben Jahr zum Erfolg dieses Engagements ziehen?
Dr. Harald Langenfeld: Unsere Sparkasse war im Frühjahr und Sommer besonders gefordert, denn wir haben die meisten Geschäftsbeziehungen zum regionalen Mittelstand. Insgesamt haben wir durch Corona-bedingte Darlehensanträge, Fördermittel und Bürgschaftsübernahmen in einer Größenordnung von rund 150 Millionen Euro bearbeitet. Darüber hinaus haben rund 1900 Privat- und Firmenkunden unser Angebot zur Ratenaussetzung ihrer Darlehen und Verbraucherkredite in Anspruch genommen.

Die Sparkasse Leipzig ist der wichtigste Unternehmensfinanzierer in der Region. Wie nehmen Sie den Zustand der Unternehmen wahr – insbesondere mit Blick auf die auslaufende Regelung zur Insolvenzmeldung?
Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft insgesamt hart. Das genaue Ausmaß und die Dauer sind nach wie vor schwer abschätzbar. Die Liquiditätslage der heimischen Unternehmerschaft ist aktuell stabil. Dazu haben auch die Hilfskredite der KfW und der Sächsischen Aufbaubank beigetragen. Etliche Betriebe haben den Bedarf an Liquidität aber bisher auch aus eigenen Rücklagen stemmen können. Staatliche Eingriffe sind in einer solchen Ausnahmesituation richtig, aber sie können keine Dauerlösung sein. Denn manche Schieflagen werden dadurch noch hinausgezögert. Das Ende der Pandemie ist noch lange nicht erreicht. Ich habe großen Respekt vor dem, was noch kommen könnte. Ich bin überzeugt, dass der Mittelstand unserer Region insgesamt gut durch die Krise kommen wird.

Auf der einen Seite ist die Nachfrage nach Liquidität sehr hoch, auf der anderen Seite ist nach wie vor unklar, wie sich die wirtschaftliche Lage insgesamt entwickelt – wie wirkt sich das auf das Geschäft der Sparkasse aus?
Die Corona-Krise stellt die Realwirtschaft vor die größte Herausforderung der vergangenen 60 Jahre. Banken und Sparkassen stehen am Ende der Wirkungskette. Das heißt, wenn es Unternehmen schlecht geht, weil Umsätze ausbleiben, wird das auch die Sparkassen betreffen. Wir konzentrieren uns darauf, unsere Firmenkunden und Handwerker nach Kräften zu unterstützen, damit es dazu nicht kommt. Neben den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, die wir meistern müssen, bleibt die anhaltende Negativzinsphase eine zunehmende Herausforderung für unsere Sparkasse.

Wie nehmen Sie den Kunden die Unsicherheit – bzw. wie geht die Sparkasse selbst damit um, dass Risiken steigen?
Die Sparkasse Leipzig ist der größte Mittelstandsfinanzierer in der Region. Diese Position haben wir auch während der Corona-Pandemie behauptet. Die gute konjunkturelle Lage der vergangenen Jahre haben wir genutzt, um unsere Vorsorgereserven zu stärken. Wir sind gut und solide aufgestellt und in der aktuellen Krise gut gerüstet.

Welche Konzepte hat die Sparkasse, um auch kleineren Unternehmern wie Bäckern, Fleischern oder im Gesundheitsbereich sinnvolle bargeldlose Zahlungsabwicklung zu ermöglichen?
Immer mehr Verbraucher schätzen den bargeldlosen Zahlungsverkehr und erwarten, auch Kleinstbeträge mit ihrer Debitkarte, der Kreditkarte oder dem Smartphone bezahlen zu können. Dass hat viele Vorteile – auch für die Händler. Ich denke dabei insbesondere an die Reduzierung von Kassendifferenzen und der Kosten für die Einzahlung von Münzgeld und Banknoten.
Wir unterstützen unsere Geschäftskunden dabei, eine individuelle und wirtschaftlich vernünftige Lösung zu finden. Je nach Anforderungen bieten wir passende Kartenlesegeräte oder Kassenkomplettsysteme. Wir haben de facto für jedes Geschäftsmodell ein Konzept.

Im Privatkunden-Bereich wird allerorten um bargeldlose Zahlung gebeten –lässt sich hier schon ein Trend messen?
Unsere Kunden zahlen ihre Einkäufe zunehmend bargeldlos. Insgesamt wurden allein im September rund 2,5 Millionen bargeldlose Transaktionen durchgeführt. Zu Beginn dieses Jahres waren es noch 2,2 Millionen Transaktionen. Die Zahlen zeigen, dass bargeldlose Bezahlverfahren sowohl bei Kunden als auch im Handel auf dem Vormarsch sind. Zudem stellen wir fest, dass gerade auch Kleinstbeträge häufiger bargeld- und kontaktlos bezahlt werden.

Kunden über Videochats zu erreichen, war schon vor Corona ein Ziel der Sparkasse. Hat dieser Vorlauf geholfen, um nun schneller umschalten zu können?
Schon 2017 haben wir unser Omnikanalangebot weiter ausgebaut. Dazu gehört die Erweiterung der medialen Vertriebswege genauso wie eine leistungsfähige Telefonie. Das hat sich gerade in der Zeit des Lockdowns als zukunftsweisend herausgestellt, denn viele Angelegenheiten konnten so telefonisch, per E-Mail, Textchatnachricht oder Videochat erledigt werden. In den Monaten April bis Juni gingen durchschnittlich 55 000 Anrufe pro Monat in unserem Kunden-Kontakt-Center ein. Das sind 11 000 Anrufe monatlich mehr als im Vorjahreszeitraum.

Wie stark ist der erwartbare Zuwachs der Nutzerzahlen für die Sparkassen-App ausgefallen?
Unsere Kunden sind durch Corona noch digitaler geworden. Nicht nur beim Bezahlen, sondern auch beim Banking. Die Nutzerzahlen unserer Sparkassen-App entwickeln sich stetig nach oben. Allein im Monat September dieses Jahres haben rund 88 600 Kundinnen und Kunden unseres Hauses das Mobile-Banking genutzt. Zum Vergleich: im selben Monat im Vorjahr waren es noch rund 74 700 Sparkassen-App-Nutzer. Das ist ein Anstieg von rund 20 Prozent.
Stichwort Baufinanzierung: Auch hier wurde wegen wirtschaftlicher Unsicherheit ein Rückgang prognostiziert. Ist der eingetreten?
Die Nachfrage nach Wohneigentum und damit nach Baufinanzierungen ist ungebrochen hoch. Unsere Prozesse im Baufinanzierungsgeschäft – von der Kundenberatung bis hin zum Vertragsabschluss – sind weitestgehend digitalisiert. Die Kontaktbeschränkungen während des Lockdowns haben sich deshalb kaum auf dieses Geschäftsfeld ausgewirkt. Auch in diesem Jahr erwarten wir für das Baufinanzierungsgeschäft wieder deutliche Zuwachsraten.

Wie lege ich mein Geld in diesen Zeiten am besten an?
Corana wird uns begleiten, solange es keinen Impfstoff gibt. Die Niedrigzinsen jedoch werden noch auf unbestimmte Zeit bleiben. Klassische Sparanlagen wie das Sparbuch oder das Tagesgeldkonto sind derzeit keine Lösungen zum langfristigen Vermögensaufbau. In unseren Filialen stehen wir unseren Kunden in gewohnt vertrauensvollem Gespräch zur Seite, um über sinnvolle Anlageformen zu beraten. Die Rahmenbedingungen sind derzeit noch gut. Wir sollten keine Zeit verlieren und gemeinsam mit unseren Kunden Anlageentscheidungen treffen, die für die Zukunft gute Renditechancen aufweisen.

In Reaktion auf die Corona-Pandemie mussten sicher Abläufe innerhalb der Sparkasse verändert werden. Welche dieser Veränderungen haben sich im Alltag etabliert?
Wir haben beispielsweise die Kapazitäten für mobiles Arbeiten erhöht. Fast 600 Beschäftigte können die Aufgaben, die ortsunabhängig sind, von zu Hause aus erledigen. Kolleginnen und Kollegen mit Kindern konnten so bei Kita- und Schulschließungen besser und flexibler ihre Betreuungspflichten mit den Arbeitsanforderungen vereinbaren. Mobiles Arbeiten hat sich gut bewährt und ist eine bis heute wichtige Maßnahme zum Infektionsschutz.

2020 war Corona „Neuland“, adäquate Reaktionen mussten erst erarbeitet werden. Welche Konsequenzen hat die Sparkasse gezogen, um sich und ihre Kunden für Situationen wie diese in Zukunft zu rüsten?
Uns ist es besonderes wichtig, unseren Kundinnen und Kunden zu zeigen, dass wir gerade in Krisenzeiten für sie da sind der verlässliche Partner in Finanzangelegenheiten sind und bleiben. Wir sind auf allen Kanälen erreichbar: in den Filialen, telefonisch über das Kunden-Kontakt-Center, online in der Internetfiliale und über unsere Sparkassen-App. Zum Gesundheitsschutz haben wir ein klares und wirksames Hygienekonzept in allen Bereichen unseres Hauses umgesetzt. Die Servicebereiche und Beratungsräume in unseren Filialen sind beispielsweise flächendeckend mit Plexi-glasschutzscheiben ausgestattet. Unsere Kunden als auch unsere Mitarbeiter nehmen diese Maßnahmen sehr gut an. Für dieses Verständnis möchte ich mich herzlich bedanken.

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