Montag, 30. November 2020
Dienstag, 27. Oktober 2020

BELGERN-SCHILDAU

"Solch einen Job findet man nicht im Katalog"

Aufnahmen mit dem MDR-Sachsenspiegel.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Belgern. Die Stadt Belgern-Schildau und die Gemeinde Arzberg suchen für die schwimmende Brücke nach Fährmännern.

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Das Ringen um den Fortbestand der Belgeraner Fähre fand heute Vormittag mit einem MDR-Besuch eine mediale Fortführung. Innerhalb nur eines Monats gab es somit an und auf der schwimmenden Brücke ein zweites Treffen, bei dem Vertreter der Stadt sowie der Gemeinde Arzberg die Zukunftssorgen um die schwimmende Brücke thematisierten.

Bereits Ende September hatte es an gleicher Stelle eine vielbeachtete Zusammenkunft gegeben, bei der – initiiert vom CDU-Stadtverband Belgern-Schildau – an den Landkreis die Bitte herangetragen worden war, Möglichkeiten zu prüfen, die Fähre ins ÖPNV-Netz zu integrieren beziehungsweise einen kommunalen Fährbetrieb finanziell zu stützen.

Grund für all die Sorgen auf west- wie ostelbischer Seite war der Entschluss des amtierenden Fährmanns Werner Ruben, den Pachtvertrag mit der Stadt Belgern-Schildau zum Ende des Jahres zu kündigen. Mittlerweile ließ sich Ruben jedoch davon überzeugen, seinen Dienst noch einmal bis zum 30. Juni des kommenden Jahres zu verlängern, um künftigen Fährleuten genügend Fahrpraxis auf der Elbe zu ermöglichen. „Ehrensache. Zu diesem Angebot stehe ich“, versicherte er im Gespräch mit Vize-Bürgermeister Ingolf Gläser (CDU).

Wie Bürgermeister Matthias Griem (FWG) während der jüngsten Stadtratssitzung mitteilte – heute wurde dies nochmals durch Ingolf Gläser bestätigt –, hatten nach einer Werbeoffensive zumindest drei Personen die Bewerbungsunterlagen bei der Stadt abgerufen, wenngleich aktuell noch keine Bewerbung vorliege.

Bislang ist die Stadt Belgern-Schildau Eigentümerin der schwimmenden Brücke, der Fährbetrieb selbst ist an privat verpachtet. Ein denkbarer kommunaler Fährbetrieb wäre jedoch mit enormen Kosten verbunden. So berichtete die Torgauer Zeitung bereits, dass mit 120 000 bis 150 000 Euro allein an Lohnkosten im Jahr gerechnet werden müsse – eine Summe, die nach Angabe von Ingolf Gläser so von der Stadt nicht allein geschultert werden könne.

Vor den Aufnahmen mit MDR-Sachsenspiegel und MDR-Radio nutzte der langjährige Belgeraner Bürgermeister Harald Thomas die Fähre, um auf die ostelbische Seite zu gelangen. Für Thomas seien es im Gespräch mit der TZ ganz klar die zu hohen Personalkosten gewesen, die einst dazu geführt hätten, den Fährbetrieb in private Hände zu geben.

Mit den Sorgen rund um den Betrieb der Fähre steht Belgern-Schildau nicht alleine da. Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, flatterte beispielsweise auch dem Bürgermeister der Stadt Zahna-Elster stromabwärts in Sachsen-Anhalt nach acht Jahren in diesem Jahr die Kündigung des Pächters auf den Schreibtisch.  Hier endet die Bewerbungsfrist für künftige Fährleute in der kommenden Woche. Noch am Montag hatten nach MZ-Angabe noch keine Bewerbungen vorgelegen. Doch auch in Zahna-Elster steckt man den Kopf nicht in den Sand. So wolle man hier ab dem kommenden Jahr den Fährbetrieb zwischen dem Elsteraner und dem Wartenburger Ufer in die eigenen Hände nehmen. Zusätzliche Unterstützung – das Land gewährt bereits Zuschüsse in Größenordnungen – erhofft sich Bürgermeister Peter Müller vom Landtag in Magdeburg. So peile man derzeit die Änderung des Landesstraßen-Gesetzes an, wonach dann der Baulastträger – also das Land –  für den Betrieb der Fähre verantwortlich zeichne. Die anhaltische Landesregierung werde aufgefordert, „bei landesbedeutsamen Fähren, die sich auch nach Gesetzesänderung in kommunaler Trägerschaft befinden, eine Förderpriorität festzulegen, wobei aus Landesmitteln die Revisionskosten zu 100 Prozent sowie anteilig Betriebs- und Instandhaltungskosten bereitgestellt werden“, hieß es.

Am Fortbestand der Belgeraner Fähre hat auch die ostelbische Gemeinde Arzberg ein großes Interesse. Bürgermeister Holger Reinboth – seine Kommune unterstützt den Fährbetrieb bereits mit einer jährlichen Zahlung von 2000 Euro – rührte heute vor Mikro und Kamera ebenso wie Ingolf Gläser und die Stadträte Karl-Otto Weck (FWG), Jochen Werner (Freunde der Feuerwehr) und Dr. Sibylle Harsch (B90/Grüne) die Werbetrommel für den alsbald vakanten Posten des Fährmanns in Belgern. „Einen solch tollen Job findet man nicht im Katalog“, schwärmte der Beilroder.

Dr. Sibylle Harsch regte erneut an, einen Verein ins Leben zu rufen, über den es wesentlich einfacher sei, an Fördermittel zu gelangen. Als großes Vorbild nannte sie hier den Ostelbienverein mit seinem Arzberger Mehrgenerationenhaus, der es beispielsweise geschafft habe, einen Bürgerbus zu etablieren.

Ingolf Gläser richtete indes erneut einen Appell an Land und Landkreis, die Stadt Belgern-Schildau bei der Finanzierung der Fähre nicht alleine zu lassen. „Das Beste, was uns passieren könnte, wäre die Aufnahme der schwimmenden Brücke ins Netz des ÖPNV“, sagte er.


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