Montag, 30. November 2020
Donnerstag, 29. Oktober 2020

TORGAU

Ungewissheit beim MPZ+: Wird es auch nach 2020 weiter verlängert?

von unserem Redakteur Nick Leukhardt

Torgau. Dr. Benjamin Bigl über die Wichtigkeit von Medienbildung, den Höhen und Tiefen seines zweijährigen Projektes und einem gelungenen Experiment.

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Ein ganz neuer Versuch, Medienbildung in die Breite zu tragen, bestehende Strukturen wie SAEK oder MPZ zu erweitern und neue Zielgruppen zu erschließen, um diese fit für eine Zukunft zu machen, in der Medien eine wichtigere Rolle denn je spielen. So wurde das Medienpädagogische Zentrum Plus (MPZ+) im Herbst 2018 angekündigt. Ein Pilotprojekt aus Landesmedienanstalt (SLM), Kultusministerium (SMK) und dem Landkreis Nordsachsen, das neue Wege geht, interessante Dinge versucht und, dann im Falle eines Erfolgs, von Nordsachsen auf den gesamten Freistaat ausgeweitet werden könnte. Seit der Vertragsunterzeichnung der drei Kooperationspartner am 1. Oktober 2018 sind nun mehr als zwei Jahre vergangen und die damit einhergehende Befristung, die für das MPZ+ angelegt war, endet vorerst mit dem Ende des Jahres. Genauso wie der Arbeitsvertrag seines Leiters, Dr. Benjamin Bigl. Der zog im Gespräch mit der TZ nun ein Fazit, sprach mit ihr über die Höhe- und Tiefpunkte des Pilotprojekts und wagt einen kleinen Ausblick, wie es denn mit dem MPZ+ nach 2020 weitergehen könnte.

Herr Dr. Bigl, bereits Ende August, zum Torgauer Computerspielefest, hatten Sie angekündigt, dass demnächst über die Zukunft des MPZ+ verhandelt wird. Danach wurde es um dieses Thema recht ruhig. Wie ist denn nun die Lage?
B. Bigl:
Das wüsste ich auch gerne, kann es allerdings im Moment leider überhaupt noch nicht sagen. Alle Beteiligten, also Vertreter von Landkreis, SLM und SMK sowie meine Wenigkeit haben Evaluierungsberichte geschrieben und die werden bis November ausgewertet. Erst dann kann man tatsächlich sagen, wie und ob es überhaupt weitergeht.

Können Sie denn eine Tendenz geben?
Ich möchte jetzt natürlich noch nicht vorgreifen, aber ich persönlich habe leider noch keine Bekundung gehört, dass das Projekt weiterlaufen soll, weder von den Kooperationspartnern, noch vom Landkreis.
Wie sähe es denn aus, wenn es nach Ihnen ginge?
Dann würden wir das Projekt definitiv fortsetzen. Die zwei Jahre, auf die es nun befristet war, sind einfach zu kurz gewesen, um wirklich langfristige Netzwerke und Kooperationen auf die Beine zu stellen. Damit stehen wir nun, zum Beispiel mit den Projekten FitForNews (einem Online-Tool für die Bildung von Medienkompetenz; Anm. d. Red.) oder dem Internet-ABC (einem Internet-Lehrgang für Pädagogen; Anm. d. Red.) ganz am Anfang.

Angenommen, das MPZ+ wird 2021 nicht verlängert. Was passiert dann mit diesen Projekten?
Die würden auslaufen. Zumindest von unserer Seite. Da aber zum Beispiel bei FitForNews Kooperationspartner mit im Boot sind, besteht die Chance, dass diese dann die Projekte weiterführen.

Kritiker hatte das MPZ+ genug, die Medienbildung wurde oftmals nicht unbedingt als die notwendigste Investition angesehen. Wie fällt Ihr Fazit nach zwei Jahren MPZ+ aus? Hat es sich gelohnt?
Ja, auf jeden Fall. Gerade in diesem Jahr hat ja die Corona-Krise mit ihrem ganzen Home-Office und Home-Schooling gezeigt, wie wichtig die Digitalisierung in Deutschland ist und wie sehr es mit ihr aktuell im Argen liegt. Das gleiche gilt für die Medienbildung, die in diesen Zeiten, in denen wir überall von Fake-News und Verschwörungstheorien bombardiert werden, wichtiger denn je ist. Daher ist jedes Projekt, dass sich mit einem dieser beiden Aspekte auseinandersetzt, wertvoll.

Aber ich nehme an, es gab trotzdem in den zwei Jahren des MPZ+ neben vielen Höhepunkten auch so manches Tief?
Ja, das bleibt natürlich nicht aus.  Gerade die Corona-Krise hat für allerhand Frustmomente gesorgt, da wir viele unserer Veranstaltungen absagen oder mit teils mäßigem Erfolg online abhalten mussten. Außerdem war das Feedback auf die Fortbildungen für Pädagogen deutlich geringer als von uns erwartet. Die Bedarfe sind da, trotzdem werden die Angebote seitens der Schulen und Pädagogen mit Ausnahme der Sonderausstellungen kaum angenommen.

Wie steht es um Höhepunkte in den letzten beiden Jahren?
Da ist natürlich als allererstes unsere Ausstellung „Aufbruch ins Abenteuer“ zu nennen. Trotz der zeitweisen Corona-Schließung haben sich diese fast 4000 Besucher angesehen. Sie erzeugte ein gegenseitiges Kennenlernen, ein Zusammenbringen verschiedener Menschen aus unterschiedlichen Institutionen, was am Ende ja auch ein vertragliches Ziel des MPZ+ war. Das gleiche gilt natürlich auch für die Schlossvorlesungen. Die waren zwar nicht immer so besucht, wie ich es mir gewünscht hätte, aber ich sehe es für den Landkreis als ein echtes Highlight an, dass teilweise bundesweit bekannte Dozenten und Persönlichkeiten den weiten Weg nach Torgau auf sich nahmen, um hier zu referieren.

Ein absolutes Novum war ja die Kooperation der drei Behörden innerhalb des Projektes MPZ+. Sehen Sie dieses Experiment als gelungen an?
Ja, natürlich hat es sich allein daher schon gelohnt, alle drei mal an einen Tisch zu holen und zusammenarbeiten zu lassen. Auch wenn es natürlich hier und da kleine Schwierigkeiten gab. Da sollte man in Zukunft auch ansetzen, denn Medienbildung und Digitalisierung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die alle Einrichtungen und Behörden angehen müssen. Was ich mir wünschen würde, wäre eine Art runder Tisch zum Thema Medienbildung und Digitalisierung, der in einen konkreten Fahrplan mündet.

Selbst wenn das MPZ+ nicht verlängert wird, läuft es ja nun noch zwei Monate. Was passiert in diesen noch?
Allerhand. Wir haben mehrere Lehrgänge beim Internet-ABC anstehen, genauso wie eine Online-Weiterbildung für IT-Kompetenz von Pädagogen. Außerdem bieten wir noch mehrere Wochenendkurse an, in denen Kinder das Programmieren lernen können und wir haben noch zwei Schlossvorlesungen geplant. Und natürlich liegt auch das Langzeitprojekt, unsere Bedarfserhebung zur Medienkompetenzförderung, in den letzten Zügen. Deren Ergebnisse werden demnächst in einer Broschüre verpackt und veröffentlicht. Es steht also noch einiges an. Ich würde mich aber natürlich auch sehr freuen, wenn ich über den Jahreswechsel hinaus mit dem MPZ+ die Medienbildung in Nordsachsen vorantreiben könnte.


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