Freitag, 27. November 2020
Freitag, 6. November 2020

TORGAU

Möbliertes Eigenheim in luftiger Höhe bezugsfertig

Helmut Wache (li.) hilft mit, den vorbereiteten Storchenhorst am Kran anzuhängen. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Zinna. Ein Wohnungsbauprogramm für Störche bescherte Zinna eine Nisthilfe für Störche. Lesen Sie hier die Hintergründe.

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Mit staunenden Augen verfolgten nicht nur die Döge-Jungs, wie gestern in Zinna ein stählernes Wagenrad in die Höhe gehoben und auf einem Betonmast befestigt wurde. Gemeinsam mit ihrer Mutter Nadine und Nachbar Henry Goldammer verfolgten sie die abschließenden Arbeiten am neuen Zinnaer Storchenhorst.

Henry Goldammer (li.), Nadine Döge und die beiden Döge-Jungs beoachten die Arbeiten.

Der Aufbau
Unter den Augen von Projektleiter Helmut Wache des Landschaftspflegeverbandes Torgau-Oschatzschwebte gestern das Plateau aus Stahlunterbau und daraufliegenden, ineinander verflochtenen Ästen in die Höhe. Dort, circa acht bis zehn Meter über dem Boden, wurde die untere Stahlhülse vom erfahrenen Kranfahrer ferngesteuert mit dem Kran auf den Mast gefädelt. Mit insgesamt drei radial im Winkel von 120 Grad angeordneten Schrauben wird das Stahlgetell gehalten. Dabei ist das Gestell an der Hülse mit entsprechenden Gewindebohrungen versehen. „Die Schrauben reichen durch die Wandung hindurch und drücken so auf den Betonmast und halten das Gestell sicher an seinem Platz“, sagte der Monteur, der auf einer Hubarbeitsbühne in luftiger Höhe schraubte. Zusätzlich habe er die Schrauben nochmals mit Muttern durch Kontern gesichert.

Unter den neugierigen Blicken der Anwohner wird die vorbereitete Plattform festgeschraubt.

Das Förderprojekt
Im Gebiet um Torgau wurden dieses Jahr bereits vier solcher Horste errichtet. Davon wurden drei Bestandsnester erneuert und jenes in Zinna neu aufgebaut. Das Projekt läuft unter der Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“ des Freistaats Sachsen. Dementsprechend wurde die Maßnahme aus Landesmitteln finanziert. Die Grundlage ist die Richtlinie NE/2014. „Anlage und Sanierung von Landschaftsstrukturelementen und Lebensstätten geschützter und gefährdeter Arten“, heißt es dazu im Bewilligungsbescheid aus dem Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft.

Stellplatzwahl
Die Stellplätze für solch künstliche Nistplätze werden vom Landschaftspflegeverband Torgau-Oschatz in Zusammenarbeit mit den Storchenbeauftragten ausgewählt. Dabei werden Hinweise von Anwohnern gern entgegengenommen. Hier in Zinna wünschten sich vor allem die in unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Storchen-Eigenheims lebenden Familien Döge und Goldammer einen solchen Mast. „Die Störche saßen immer bei uns auf dem Dach“, erläuterte Nadine Döge. Drei Stück seinen es immer gewesen, zwei davon offensichtlich ein Pärchen. „Vor etwa anderthalb Jahren haben wir das erste Mal den Landschaftspflegeverband darauf angesprochen“. sagte Henry Goldammer.

Die Unterstützung der Stadt
Den nötigen Stellplatz fand der Landschaftspflegeverband auf städtischem Grund im Grünstreifen zwischen Radweg und Feld. „Dafür haben wir die Stadt gefragt“, erläuterte Henry Goldammer. Schließlich störe der Mast dort weder den Bauern noch die Radfahrer. „Die Stadt ist bei solchen Sachen immer sehr kooperativ“, lobt Helmut Wache die unkomplizierte Genehmigung der Errichtung des Storchenhorstes. Was die Wartung bestehender  Horste anbelange, sei die Feuerwehr immer ein zuverlässiger Partner. „So wie voriges Jahr, als wir in den Lehden in Torgau einen bestehenden Horst verkleinern mussten“, führt Helmut Wache aus.

Das Nistverhalten
Normalerweise brüten Weißstörche auf Felsvorsprüngen und Bäumen. Doch im Gegensatz zum Schwarzstorch ist der Weißstorch ein deutlicher Kulturfolger, der gerne in der Nähe menschlicher Siedlungen brütet. „Ob Schornsteine, Kirchtürme oder andere hohe Bauwerke – der Storch lebt mit dem Mensch schon regelrecht in Symbiose“, sagt Helmut Wache vom Landschaftspflegeverband Torgau-Oschatz. Ein Problem hierzulande sei aber die Futterknappheit, so dass sich keine regelrechten Eigenheim-Siedlungen von mehreren Nestern an einem Platz ergäben.

Aus Sicht des Landschaftspflegeverbandes und der beteiligten Arbeiter waren kurz nach 15 Uhr die Arbeiten erledigt. Doch Nadine Döge fehlte noch etwas.: „Jetzt pflanzen wir rings um den Mast noch ein paar Blumen und dann sieht das hier wieder schön aus“.

Schrauben in luftiger Höhe: Die Nisthilfe wird befestigt.

 


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