Freitag, 27. November 2020
Dienstag, 17. November 2020

TORGAU

Die Bindungsanalyse: für eine noch tiefere Mutter-Kind-Beziehung

Ines Lehmann, Anne Franke mit ihrem Sohn und Bindungsanalysenkind Augustin und Cornelia Weiße (v. l.)Foto: TZ/Nadine Huber

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Es gibt nur wenige Bindungen im Leben, die so eng und intensiv sind, wie die zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Diese Beziehung entsteht schon lange vor der Geburt.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Es gibt nur wenige Bindungen im Leben, die so eng und intensiv sind, wie die zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Doch diese Beziehung entsteht nicht erst nach der Geburt, sondern bereits lange zuvor – im Mutterleib. So spüren viele Mütter schon zu ihrem Ungeborenen eine tiefe Verbindung und sprechen beispielsweise instinktiv mit dem Baby. Das Wissen darüber, dass diese Verbindung noch viel weiter gehen kann, noch bevor das Kind überhaupt auf die Welt gekommen ist, ist jedoch nicht ganz so verbreitet. Eine Methode, die auch hierzulande immer bekannter wird, setzt sich mit genau diesem Thema auseinander: die Bindungsanalyse (BA).

Was ist die Bindungsanalyse?

Entwickelt von den ungarischen Psychoanalytikern György Hidas und Jenö Raffai, versteht man unter der Methode eine bindungs- und selbstwertfördernde Begleitung während der Schwangerschaft. Die Schwangere baut damit bereits vor der Geburt eine tiefe, emotionale Beziehung zu ihrem Baby auf. In einer bequemen Liegeposition konzentriert sie sich auf die Signale des Babys. Die Signale äußerten sich beispielsweise in Form von inneren Bildern, Gefühlen oder auch Gedanken, auf welche Frau und Baby zugreifen könnten. Dadurch entstehe eine Art innerer Dialog zwischen beiden. Die Theorie besagt, dass durch das Gefühlt-, Gespürt- und Wahrgenommenwerden das Baby Vertrauen und Selbstwert entwickeln und seine Persönlichkeit optimal entwickeln könne.

Was macht der Bindungsanalytiker? 

Die Aufgabe des Bindungsanalytikers ist es, die Schwangere und das Baby bei der Kontaktaufnahme zu unterstützen, Anregungen zu geben, bei eventuellen Hindernissen zu helfen und zu ermutigen.

Hebamme Ines Lehmann, Still- und Trageberaterin Anne Franke und Hebamme Cornelia Weiße bieten diese Methode nun auch in Torgau und Region an. In der TZ sprechen die drei Bindungsanalytikerinnen darüber, wieso sie so überzeugt von deren Wirksamkeit sind.

Wie kamen Sie zur Bindungsanalyse?
Ines Lehmann: Bevor ich in Weiterbildung zur Bindungsanalytikerin ging, betreute ich Frauen in der Schwangerschaft, unter der Geburt und im Wochenbett, die bereits unter bindungsanalytischer Begleitung standen. Diese fand bei Dr. Gisela Albrecht in Gräfenhainichen statt, einer dort ansässigen Frauenärztin. Die Begeisterung wuchs in mir, als ich in sich wachsende Schwangere, selbstbestimmte und leichtere Geburten sowie wache und neugierige Kinder nach ihrer Geburt erlebte. Auch konnte ich eine bessere Stillbeziehung beobachten. Also nahm ich Kontakt zu Frau Albrecht auf und begab mich von Oktober 2018 bis August 2020 in die Weiterbildung.
Cornelia Weiße: Ich bemerkte bei der Betreuung von Schwangeren, dass sie trotz hervorragender medizinischer Betreuung teils unsicher, ängstlich und durch eine Flut von Informationen überfordert sind. Dies zu ändern war meine Motivation, damit die werdende Mutter sehr viel Vertrauen in sich selbst findet und ihre eigene Kraft und Stärke wahrnimmt. Die BA ist für meine Tätigkeit als Hebamme eine riesengroße Bereicherung. 
Anne Franke: Ich besuchte einen Intro-Workshop zum Thema BA bei Gisela Albrecht und fand das Thema sehr spannend. In meiner dritten Schwangerschaft lernte ich die vorgeburtliche BA selbst kennen. Parallel besuchte ich die Weiterbildung und konnte somit die Theorie und Praxis gut miteinander verknüpfen (lacht).
Welchen Mehrwert bietet die BA im Vergleich zu anderen Methoden? 
I. Lehmann: Die Frauen spüren und fühlen das Kind besser, erleben bewusster die Veränderungen als werdende Mutter. Es sind leichtere           Geburten und eine bessere Beziehung zum Kind zu beobachten. Die Schwangeren kommen besser in ihre Kraft – in ihre Mutterkraft. Schwangerschaften sind unkomplizierter. Es gibt unter der BA fast keine Frühgeburten. Die Geburt verläuft unkomplizierter und entspannter. Die Kinder sind nach der Geburt wacher und wirken neugierig, außerdem haben sie eine bessere Regulationsfähigkeit. Ein wichtiger Punkt ist auch der, dass selbst Frauen, die beispielsweise durch Kaiserschnitt, Saugglocken- oder Frühgeburt traumatisiert sind, eine heilende Wirkung erleben können. 
Auf welche Weise soll eine Methode all dies erreichen können?
A. Franke: Durch die Bindungsanalyse kommt die Mutter ganz in ihre Kraft und bleibt bei sich. Sie lernt, unter der Geburt im Kontakt mit dem Baby zu bleiben. Jedes Kind profitiert davon und erhält somit eine positive Mitgift für das ganze Leben. Während der Phase der Geburtsvorbereitung lernen Mutter und Kind, für eine bestimmte Zeit voneinander Abschied zu nehmen und somit den Weltenübergang für das Baby zu erleichtern. Der Körper und die Seele der Frau werden eingebunden und die Kompetenz des Babys wird angesprochen. Insgesamt ist die Bindungsanalyse nach Hidas und Raffai eine über viele Jahre entwickelte Methode mit psychosomatischer Wirksamkeit. 
Wer ist berechtigt, eine BA durchzuführen? 
C. Weiße: Alle Heilberufe, wie Hebammen, Gynäkologen, Psychologen oder Gesundheits- und Krankenpfleger. 
Wird die Bindungsanalyse zu den regulären Terminen – zum Beispiel bei der Hebamme oder Stillberaterin – durchgeführt oder müssen dafür gesonderte Termine vereinbart werden?
A. Franke: Es werden gesonderte Termine vereinbart. Zunächst erfolgt ein ausführliches Gespräch, um die Lebensgeschichte der Schwangeren kennenzulernen. Alle darauf folgenden Termine sollten, wenn möglich, immer am gleichen Tag und zur gleichen Uhrzeit stattfinden, damit sich das Baby auf die gemeinsame Begegnung und Zeit einstimmen kann. Die Termine finden in der jeweiligen Praxis im geschützten Raum statt.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? 
I. Lehmann: Leider im Moment noch nicht. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich die Krankenkassen dafür öffnen würden. Die BA ist eine prophylaktische Methode, um Babys gesünder ins Leben zu begleiten. Dadurch sind weniger Therapien notwendig, was Therapiekosten spart.
Weitere Informationen gibt es unter:
hebamme.ines.lehmann@gmail.com, cornelia.weisse@web.de oder kontakt@tragestil.de.

Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 
Industrie 4.0 kompakt – Erfahrungsaustausch
09.12.2020, 15:00 Uhr - 16:30 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

black-friday

Weihnachtsabo

TZ-Probelesen

Wirtschaftsmagazin

Torgau-Plus

Wanderführer

Feste und Gäste

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga