Samstag, 17. April 2021
Donnerstag, 3. Dezember 2020

Einige Bestände sind förmlich explodiert 

Mitarbeiter der Flussmeisterei mit dem Truxor DM 5000 auf der WeinskeFoto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Neiden. Das Brummen des PS-starken Motors ist schon von weitem zu hören. Wasser spritzt hoch, dicke Schilfstangen knicken wie Streichhölzer zur Seite. Unaufhörlich kämpft sich das Amphibienfahrzeug vom Typ Truxor DM 5000 vorwärts.

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Das Brummen des PS-starken Motors ist schon von weitem zu hören. Wasser spritzt hoch, dicke Schilfstangen knicken wie Streichhölzer zur Seite. Unaufhörlich kämpft sich das Amphibienfahrzeug vom Typ Truxor DM 5000 vorwärts. Wie ein überdimensionaler Rasenmäher, nur eben schwimmend. Die Mitarbeiter der Flussmeisterei Torgau wissen ihr multifunktionales Arbeitsgerät, mit dessen Hilfe der Bewuchs auch gleich noch an das Ufer befördert werden kann, sehr zu schätzen. Die sogenannte Sohlkrautung, die jedes Jahr in der kälteren Jahreszeit ansteht, ist mittlerweile für Flüsse wie die Weinske unverzichtbar geworden. Manche Abschnitte würden sonst schlicht zuwachsen. „Wir müssen sicherstellen, dass zum Beispiel bei Hochwasser ein ordentlicher Abfluss gewährleistet ist“, erklärt Peter Jung, stellvertretender Flussmeister. Dazu sei eine vernünftige Fließrinne herzustellen. 

Extreme Rohrschilfbestände

In diesem Jahr haben seine Mitarbeiter besonders gut zu tun. Nach zwei Dürre-Sommern, in denen sich auch der Bewuchs in Grenzen hielt, fand vor allem das Rohrschilf beste Bedingungen vor. Einige Bestände sind förmlich explodiert. Wahrscheinlich beförderte auch ein gewisser Nährstoff-Eintrag an einigen Stellen das Wachstum. Seit rund fünf Wochen jedenfalls läuft in der Region die Sohlkrautung. So auch zuletzt an der Weinske bei Neiden.  Abschnittsweise wurden im Vorfeld die einzelnen Flüsse in Augenschein genommen. Dabei ist jedes Mal neu festzulegen, ob ein Einsatz notwendig wird. 

Die Flussmeisterei mit Sitz in Beckwitz ist für die Gewässer           1. Ordnung in den Altkreisen Torgau und Oschatz unterhaltungspflichtig. In den Zuständigkeitsbereich fallen somit der Schwarzen Graben, die Weinske, die Dahle und die Döllnitz. Die Elbe als Bundeswasserstraße gehört nicht dazu. 

Rund 80 Kilometer Flusslauf stehen im Blickpunkt. Ein Drittel davon muss jährlich entkrautet werden. Das erledigen die Mitarbeiter der Flussmeisterei wiederum etwa zu einem Drittel selbst. Der Rest wird an Fremdfirmen vergeben. Vor allem für die Angler in der Gemeinde Elsnig gilt die Weinske seit langem als Sorgenkind. Einige Abschnitte sind regelrecht verlandet und fielen in der wärmeren Jahreszeit trocken. Stattdessen schossen allerlei Pflanzen in die Höhe. In der Nähe der Brücke bei Neiden entstand förmlich ein „Wald“ aus Rohrschilf. „Wir schneiden die Stangen etwa fünf bis zehn Zentimeter über der Sohle ab. Meist muss das hier jedes Jahr gemacht werden“, schätzt Peter Jung ein. 

Die acht Mitarbeiter der Flussmeisterei sind mittlerweile ein eingespieltes Team, was das gesamte Aufgabengebiet umfasst. Zwei bis drei Kräfte konzentrieren sich auf die Sohlkrautung. 

Tierschutz erfordert Planung

Neben dem Amphibienfahrzeug kommt dabei auch ein Ladekran zum Einsatz. Während der Arbeiten entstehen im Uferbereich meist größere Haufen, die später mittels Container abtransportiert und entsorgt werden. „Im Stadtgebiet Torgau versuchen wir die Pflanzenreste möglichst sofort zu entsorgen“, fügt der stellvertretende Flussmeister hinzu. Bei der Abstimmung gibt es einen engen Kontakt mit der unteren Wasserbehörde, mit dem Naturschutz und mit der Fischereibehörde. Dabei werden auch die optimalen Zeiten festgelegt, um die Auswirkungen für die Tierwelt möglichst gering zu halten. Für den Ellergraben am Großen Teich Torgau beispielsweise gilt eine Frist vom 1. Oktober bis 1. Februar. Einige Gewässer können auch schon ab August in Angriff genommen werden. Die Arbeiten an der Weinske bei Neiden wurden übrigens inzwischen abgeschlossen. 


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