Montag, 29. November 2021
Dienstag, 8. Dezember 2020

"Es war für uns erneut wie ein Schlag ins Gesicht" 

Weihnachtliche Stimmung nur für das TZ-Foto. Den Richters ist die Vorfreude vergangen.Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Döbrichau. Die Sorgenfalten sind bei Sandra und Fernando Richter wieder größer geworden. Der gesamte Weihnachtszirkus – mit dessen Einnahmen eigentlich das Futter für die Tiere und die Betriebskosten finanziert werden sollten – ist gestrichen.

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Die Sorgenfalten sind bei Sandra und Fernando Richter wieder größer geworden. Nach dem Corona-Lockdown im März/April gab es jetzt den zweiten schweren Schlag für den Reptilienzoo in Döbrichau. Der gesamte Weihnachtszirkus – mit dessen Einnahmen eigentlich das Futter für die Tiere und die Betriebskosten finanziert werden sollten – ist gestrichen. Damit stehen die Inhaber erneut vor einer sehr komplizierten Situation. Denn staatliche Hilfen lassen auf sich warten. Ob sie überhaupt fließen, steht in den Sternen. „Wir hatten bis zur letzten Minute gehofft“, sagt Sandra Richter. Schon im September begann die fünfköpfige Familie mit den Vorbereitungen. Nach dem großartigen Erfolg vom vergangenen Jahr wollte man die Besucher mit einem komplett neuen Programm  begeistern. Die elf bis zwölf Vorstellungen im letzten Dezember waren allesamt sehr gut besucht und brachten den Inhabern des Reptilienzoos ein gutes finanzielles Polster bis in den Januar. Denn im Dezember hat die Anlage üblicherweise geschlossen und die Betreiber müssen sich nach anderen Einkünften umsehen. 

Mit Spaß dabei 

Eine komplette Zeltanlage ist vorhanden. Somit stand dem Weihnachtszirkus nichts im Wege: Die Richters konnten sich mit artistischen Darbietungen, mit Luftakrobatik und mit einer kleinen Hunde-Dressur von einer ganz anderen Seite zeigen, als es die Zoobesucher gewöhnt sind. Und man sah dem Ehepaar Sandra und Fernando sowie den drei Kindern (17/15/11) im vergangenen Jahr förmlich an, wie viel Spaß sie bei den Aufführungen hatten. Natürlich ahnte man diesmal, dass der Weihnachtszirkus nicht leicht umzusetzen sein würde. „Wir haben ein Hygienekonzept erstellt und extra eine Sitztribüne mit Schalensitzen eingebaut, so dass man Familien weit genug auseinander setzen kann. Wir haben eigentlich alles versucht zu beachten, um das Programm trotz Corona stattfinden zu lassen. Leider kam eine Woche vorher die behördliche Absage, die sich anfühlte, wie ein Schlag ins Gesicht“, bedauert die Inhaberin. Denn damit hatte man nicht gerechnet. Jedem, der vorher noch skeptisch nachfragte, habe man hoffnungsvoll geantwortet. 

„Als Unternehmer sind wir darauf bedacht, immer auf eigenen Füßen zu stehen und nicht auf fremde Hilfe angewiesen zu sein“, meint  Sandra Richter. Das wird nun aber schwierig. Schon der November brachte keinerlei Einnahmen. Die Unkosten steigen trotzdem und türmen sich inzwischen immer mehr. Rund 400 Tiere sind zu versorgen. Darunter Wasserschildkröten, Krokodile, Riesenschlangen, Echsen, Warane, Geckos, Vogelspinnen, Skorpione, Frösche, Insekten, Nandus, Äffchen, Minischweine, Ziegen. Rund 8000 Euro fallen jeden Monaten an für Strom, Wasser, Gas und Futter. „Gottseidank bewerkstelligen wir alles selbst und haben keine Mitarbeiter zu finanzieren“, betont die Inhaberin. Trotzdem sei der neuerliche Lockdown eine Katastrophe. 200 bis 300 Euro pro Tag gehen allein für Futter drauf. Wobei der Supermarkt Kaufland einen Teil der Obst- und Gemüse-Rationen kostenlos aus Restbeständen zur Verfügung stellt. 

Quälende Ungewissheit 

Schlimm für Familie Richter sei zudem die quälende Ungewissheit, was da in den nächsten Wochen  an behördlichen Auflagen und Verboten noch kommt. Normalerweise hat der Reptilienzoo von Januar bis Ende November geöffnet, von April bis Oktober durchgehend. Schon den ersten Lockdown im Frühjahr überlebte man nur durch eine breite Unterstützung der Öffentlichkeit. Sieben bis acht Wochen hatte die Anlage komplett geschlossen. Damit fielen auch einige Feiertage und Ferienabschnitte, die einen regen Besucherandrang garantiert hätten, ins Wasser. Viele Schulklassen und Hortgruppen sagten gleichfalls ab. „Wir haben die Zeit eigentlich nur überstanden, weil ganz viele Menschen mit Futter-, Geld- und Sachspenden an uns gedacht haben. Viele Leute machten uns Mut mit herzlichen Worten: Ihr schafft das! Haltet durch! Kopf hoch! Dafür möchten wir uns herzlich bedanken. Wir haben dadurch gemerkt, dass viele an unserem Reptilienzoo hängen und ihn schätzen“, freut sich Sandra Richter. 

Weihnachtsstand 

Dass sie nun wieder in der Situation seien, andere um Unterstützung bitten zu müssen, sei unangenehm. Helfen würde auch bereits, wenn beispielsweise schon jetzt Jahreskarten für nächstes Jahr erworben werden. Jeden Sonnabend hat ein Weihnachtsstand am Eingang geöffnet, an dem es Glühwein, Kinderpunsch, Zuckerwatte, gebrannte Mandeln und heiße Waffeln zum Mitnehmen gibt. Ansonsten ist Familie Richter über jede Form der Unterstützung natürlich sehr dankbar. 

Kontakt: 

www.welt-der-reptilien-der-zoo.de;  Telefon 0178 5582 103 

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