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Mittwoch, 9. Dezember 2020

Schiedsrichter aus Leidenschaft

Hier ist Alfred Hönemann (rechts) im November 2018 als Schiedsrichter bei einem Nachwuchsspiel in der Fußball-Nordsachsenliga aktiv. Die D-Junioren der SpG Wermsdorf/Luppa trafen damals auf den FSV Beilrode. Foto: André Kamm

Von unserem Mitarbeiter Norbert Töpfer

Alfred Hönemann ist auch im höheren Alter noch als Unparteiischer unterwegs.

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Torgau. Alfred Höneman ist schon ein besonderer Typ. Als der Autor dieses Beitrages mit ihm einen Termin verabreden wollte, schlug der 69-jährige Torgauer „eine Bank am Großen Teich“ vor, „wo wir uns ruhig unterhalten können“. Eigentlich keine schlechte Idee des ältesten Fußball-Schiedsrichters der Region Torgau, aber für diesen Morgen waren minus zwei Grad Celsius vorhergesagt. Aber wir haben auch wegen der Corona-Pandemie dann doch per Telefon geredet.

„Ich habe als Schiedsrichter zu spät begonnen“, sagt der Torgauer und fügt an: „Ich habe von 1972 bis 1983 in der ersten und zweiten Mannschaft von Motor Torgau gespielt. Allerdings habe ich in dieser Zeit auch schon Spiele als Schiedsrichter geleitet, aber vereinsintern.“

1984 begann er seine Kariere als Referee. „Ich schätze, so 4500 Spiele habe ich in den 36 Jahren geleitet. Und ich habe auch als Linienrichter amtiert.“ Hönemann pfiff zunächst für Motor Torgau und wechselte dann zu Roland Belgern, wo er heute noch Mitglied ist. „In der Nordsachsenliga war ich von Beginn an als Schiedsrichter dabei. Im Nachwuchsbereich habe ich bis zur Regionalliga Partien geleitet und war auch dort als Linienrichter unterwegs. Das war früher in dieser Altersklassen die höchste Liga in Deutschland. Eine Bundesliga gab es in diesen Klassen noch nicht. Allerdings war das auch mit weiten Anreisen verbunden.“

Die Antwort, welche Spiele für ihn die besten Matches waren, bei denen er pfiff oder als Linienrichter agierte, kommt bei Höneman wie aus der Pistole geschossen. „In der DDR-Bezirksliga, damals die dritthöchste Klasse, war es schon spannend, dabei zu sein. Aber die Höhepunkte waren für mich die Kreispokal-Endspiele nach der Wende um den TZ-Bärenpokal. Dreimal war ich dabei Schiedsrichter und zweimal stand ich an der Linie. Vor Zuschauerkulissen von bis zu 2000 Zuschauern dabei zu sein, das waren schon Höhepunkte in meiner langen Karriere als Unparteiischer.“

Wieviel Spieler Hönemann in seiner langen Laufbahn vom Platz gestellt hat, weiß er heute nicht mehr. „Ich habe versucht, mich auf den Charakter der Jungs einzustellen. Es wurde es immer besser, weil ich im Laufe der Jahre viel Erfahrung sammeln konnte. Außerdem bin ich stolz darauf, dass ich von Schiedsrichterkollegen und Spielern  aufgrund meiner jahrzehntelangen ehrenamtlichen Tätigkeit eine hohe Wertschätzung erhalte. Das zeigt sich auch daran, dass ich jedes Jahr Einladungen als Referee zu Traditionsspielen und Vereinsjubiläen bekomme. Zum Beispiel im vorigen Jahr zum hundertjährigen Bestehen des Dommitzscher Fußballs.“

Außerdem pflegt Hönemann seit Jahren Freundschaften mit Schiedsrichterkollegen wie Dirk Kühne (Weidenhain) und Peter Pflock (Schildau), um nur einige zu nennen. Die Honorare für die Männer und Frauen in schwarz haben sich gegenüber DDR-Zeiten natürlich auch verändert. „Damals habe ich für ein Spiel in der Kreisklasse fünf Mark bekommen. Bei längeren Touren war es auch mal acht Mark. Heutzutage sind es in der Kreisklasse, wenn ich ohne Linienrichter leite, schon  mal 25 Euro. In der Nordsachsenliga bekomme ich bis zu 32 Euro.“

Hönemann ist sich sicher, dass sich die Spieler – verglichen mit der Zeit vor der Wende - heute anders benehmen. „Es ist für uns als Schieds- und Linienrichter schwieriger geworden. Die Jungs sind insgesamt aggressiver geworden. Leider wird das oft durch die Berichterstattung in der Presse noch gefördert. Und in der Bundesliga sehen es unsere Spieler auch, weil dort durch die Profis viel Theater auf dem Spielfeld veranstaltet wird. Da muss ich mich nicht wundern, wenn sich das die Jungs in unseren Ligen abschauen. Und viele Leute, Zuschauer und Spieler, fixieren sich auf den Schiedsrichter und lassen ihre Wut, wenn es bei der eigenen Mannschaft nicht läuft, an uns aus“, sagt der erfahrene Unparteiische.

Wenn Hönemann mal keinen Schiedsrichtereinsatz hat, schaut er sich auch gern Fußballspiele an. „Meistens gehe ich zu Hartenfels Torgau. Die junge Mannschaft hat sich gut entwickelt. Und das Hartenfels-Stadion ist ja auch nicht weit entfernt von meinem Haus. Wenn es die Zeit erlaubt, sehe ich mir auch mal ein Spiel in Beilrode und Belgern an. Aber durch meine Tätigkeit als Schiedsrichter passt es nur selten.“ Zu einigen Spielen reist der Referee von Loßwig aus auch mit dem Fahrrad an.

Im Fernsehen interessiert sich Hönemann vor allem für Spiele der sächsischen Vereine. Irgendwie knapst sich der Rentner noch Zeit für weitere Hobbys ab. „Ich beschäftige mich gern mit der Börse. Da habe ich mich inzwischen gut eingearbeitet. Und ich widme mich mit großer Freude alten Mopeds. An diesen alten Maschinen schraube ich gern herum und baue sie für meine Kunden auf.“ Allerdings haben für ihn seine Einsätze als Unparteiischer stets Vorrang. 

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