Dienstag, 9. März 2021
Donnerstag, 10. Dezember 2020

Wie Hebammen in Corona-Zeiten arbeiten

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Nordsachsen. Die Corona-Einschränkungen machen auch den Arbeitsalltag von Hebammen komplizierter. Eva-Maria Seider, Vorsitzende des Kreisverbands Torgau/Eilenburg des Sächsischen Hebammenverbands, berichtet, was sich verändert hat. 

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Hebammen haben relativ engen körperlichen Kontakt zu anderen Menschen, vor allem bei Tätigkeiten wie dem Abtasten des Bauchs oder ähnlichem. Abstandhalten und weitere Corona-bedingte Einschränkungen machen jedoch den Arbeitsalltag komplizierter. Eva-Maria Seider, Vorsitzende des Kreisverbands Torgau/Eilenburg des Sächsischen Hebammenverbands, spricht in der TZ darüber, was sich durch die Krise konkret verändert hat. 

Wie ist es als Hebamme im Kontakt mit Schwangeren möglich, sich an die Corona-Schutzbestimmungen zu halten? 
 
Da die Gesundheit unser aller höchstes Gut ist, sollten gerade im Kontakt zu unseren Kundinnen Wachsamkeit und die Beachtung der aktuellen Hygienemaßnahmen im Fokus stehen. Natürlich ist der direkte Kontakt zu den Frauen eine Grundvoraussetzung und Notwendigkeit im Beruf einer Hebamme. Aber fremd sind uns Hygienemaßnahmen nicht, da wir bereits vor Corona Schwangere mit zum Beispiel HIV oder Hepatitis entbunden haben. Neuartig sind im Fall des Corona-Virus der Übertragungsweg sowie die Unkenntnis darüber, ob die schwangere Frau infiziert ist oder nicht. Deswegen wird selbstverständlich der gültige Hygieneplan im Kreißsaal und im häuslichen Bereich strikt eingehalten. 
 
Wie sieht dieser aus?
 
Händedesinfektion, häufiges Händewaschen, Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) und – wenn möglich – Abstand halten. 
 
Wie wirkt sich der MNS auf die Kommunikation aus? 
 
Der MNS beeinträchtigt die nonverbale Verständigung mit den Schwangeren und jungen Eltern. Die natürliche Kommunikation leidet darunter. Ein  freundliches Lächeln der Hebamme oder auch kleine Probleme gehen durch die nicht erkennbare Mimik eventuell unter. Insgesamt erfordert dieser Fakt mehr Gesprächsarbeit und Zeit.
 
Sehr kompliziert gestaltet sich der verbale Austausch mit ausländischen Mitbürgern. Besonders, wenn die deutsche Sprache von ihnen nicht beherrscht wird und durch den MNS das Lippenlesen zusätzlich wegfällt. Ich versuche allgemein, durch längere Gespräche einiges wettzumachen, entweder persönlich – natürlich mit Abstand – oder per Telefon, E-Mail oder Videokonferenz. 
 
Was hat sich noch an Ihrem Berufsalltag verändert?
 
Die Organisation der Wochenbettbesuche erfordert jetzt noch mehr Flexibilität. So treffe ich telefonische Absprachen nur noch kurzfristig, damit der momentane Gesundheitszustand berücksichtigt werden kann. Sollte im Haushalt der jungen Familie jemand Krankheitssymptome verspüren, werden Wochenbettbesuche verschoben und eher digitale Medien genutzt.
 
Zudem sind der organisatorische Aufwand und Schriftverkehr insgesamt sehr viel höher geworden. Auch wenn manche Tätigkeiten erschwert sind, bin ich sehr bestrebt, die Geburt und die Zeit danach für Mutter und Kind trotzdem so angenehm wie möglich zu gestalten.
 
Merken Sie auch bei Ihren Kundinnen eine Veränderung im Verhalten? 
 
Viele beschäftigt die Frage, ob der Partner mit in den Kreißsaal darf. Das ist nicht in allen Kliniken gleich geregelt. Diese Ungewissheit ruft bei einigen Schwangeren Ängste hervor, insbesondere wenn in vorher besuchten Geburtsvorbereitungskursen das wichtige Zusammenspiel zwischen den Partnern vermittelt wurde. Im Torgauer Krankenhaus war bis dato immer eine Begleitperson im Kreißsaal erlaubt. Ich hoffe das dies auch in Zukunft so bleiben kann.
 
Nehmen wir an, bei einer Wöchnerin wird eine Infektion festgestellt. Wie sieht die Begleitung aus?

Ist eine junge Mutter beziehungsweise eine im Haushalt lebende Person positiv getestet, muss der Wochenbettbesuch gut geplant sein. Dieser steht dann bei mir am Ende meiner „Tagestour“. Vor dem Betreten der Wohnung lege ich meine persönliche Schutzausrüstung an und nehme nur das Nötigste mit in die Wohnung.

Der Kontakt sollte sich auf Mutter und Kind beschränken. Danach müssen verwendete Materialien korrekt entsorgt beziehungsweise desinfiziert werden. Zum Vorgehen in solchen Situationen hat uns der Hebammenverband eine Handlungsanweisung zur Verfügung gestellt. 

Wie sehen Sie angesichts der Corona-Krise in die Zukunft? 
 
Ich gehe davon aus, dass das Virus noch einige Zeit für Kopfzerbrechen sorgen wird. Mit den damit verbundenen Einschränkungen werden wir uns arrangieren müssen. Wir sollten auf alle Fälle positiv in die Zukunft blicken. Vielleicht wächst durch Verantwortungsbewusstsein und verständnisvolles Verhalten etwas Neues, Fortschrittliches und Besseres im Miteinander der Menschen.
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