Samstag, 17. April 2021
Samstag, 12. Dezember 2020

Virtuelle Zeitreise im Bahnhof Dommitzsch

Vor dem Bahnhof in Dommitzsch.Foto: Kristin Engel

Von Kristin Engel

Dommitzsch. Bahnfans und solche, die es noch werden wollen, aufgepasst: Seit Sonntag können Sie sich in die Geschichte des Dommitzscher Bahnhofs vertiefen. Eigens dafür wurde ein Internetangebot eingerichtet.

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„’Zwischenstopp Dommitzsch’ lädt zu einer virtuell-partizipativen Zeitreise durch die 130-jährige Geschichte des stillgelegten Bahnhofs Dommitzsch ein. Die temporäre Homepage gewährt Einblicke in zuweilen funktionslos gewordene Räume, parallel einhergehend mit narrativen Videoclip-Fragmenten.

Dabei richtet sich der Blick des Betrachters auf eine Momentaufnahme, die im Spannungsfeld zweier audiovisueller Ebenen – Livestream und Videofragment – zur Auseinandersetzung über die Bedeutung funktionalen Wiederbelebens und sozialen Weiternutzens vermeintlich aufgegebener Räume und Flächen anregen soll. Seid live dabei!“ So steht es auf der Homepage www.zwischenstopp.info und auch auf der Homepage der Elblandbahn gibt es einen Link dazu. Während Filmemacher Jannes Greff an der Internetseite baute, reiste Benjamin Laser mit Zug und Bus am Mittwoch nach Dommitzsch, um letzte Aufnahmen zu machen und auch um ein spannendes Gespräch zu führen.

Als erstes öffnete ihm Rudolf Becker die Türen zum Bahnhof. Er ist „helfender Rentner“ und kann einiges über den Bahnhof berichten. So zückte Ben Laser nicht nur seine Kamera, sondern auch sein Diktiergerät. „Ich bin Filmemacher aus Berlin. Ich hatte Bahnhofsbesitzer Andreas Hesse in Bad Düben kennengelernt. Dort stellte er den Bahnhof Dommitzsch vor und wir kamen ins Gespräch. Er lud mich nach Dommitzsch ein. Es gibt ein Programm von der Staatlichen Kunstsammlung Dresden „180 Ideen für Sachsen“. Mit diesem wird unser Projekt gefördert“, erklärt der Filmemacher. Es geht darum, Kunst im ländlichen Raum zu fördern. Mehr noch: Die Kunst soll aus dem Museumsgebäude raus und auf das Land geholt werden.

Somit soll auch die ländliche Bevölkerung dazu eingeladen werden, sich daran zu beteiligen. „Solche Projekte mache ich wahnsinnig gerne. Die Leute haben so viel zu erzählen.“ Es gibt Tonaufnahmen, verschiedene Clips und mehr. Auf der Webadresse können sich die Besucher von Zuhause aus einloggen. Das audio-visuelle Projekt kann am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr live miterlebt werden. Hier erwarten die Zuschauer auch noch einige Überraschungen. Die Website selbst wird noch zwei Wochen länger online bleiben.

Dann jedoch ohne Liveauftritte. Wer auch zu hören sein wird, ist Marianne Reichold. Die 91-Jährige hat 37 Jahre lang im Bahnhof am Tresen gestanden. „Meine Eltern haben die Wirtschaft übernommen. Als sie älter wurden, nahm ich das in die Hand – 37 Jahre lang“, erinnert sich die Dommitzscherin. Ihre drei Kinder wuchsen im Bahnhof auf. „Es gab einige Leute, die bei mir verkehrt haben. Wenn die Kinder von der Schule kamen, hielten sie am Fenster an. Sie wollten Brause, Bockwurst, aber meistens eine Scheibe Weißbrot mit Tomatenmark. Viele Erwachsene kamen mit dem Fahrrad vorbei und holten ein schnelles Bier.

Auch die Milchfahrer holten sich bei mir ihr Frühstück.“ Einige weitere spannende Geschichten konnten sie und die anderen Zeitzeugen berichten. Wer neugierig geworden ist, der schaut am Sonntag einfach mal rein: www.zwischenstopp.info

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