Donnerstag, 21. Januar 2021
Dienstag, 22. Dezember 2020

TORGAU

Das ganz spezielle Weihnachten

Die Wunschzettel bearbeitet der Weihnachtsmann in diesem Jahr im Homeoffice. Foto: Nadine Huber

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Weihnachtsmarkt ausgefallen, Abstand zu Kindern halten - in der TZ erzählt Weihnachtsmann Eberhard Sowa, was eine Adventszeit unter Corona-Bedingungen für ihn bedeutet.

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„Als ich mich im vergangenen Jahr von den Kindern auf dem Weihnachtsmarkt verabschiedet habe, konnte noch keiner ahnen, dass in diesem Jahr alles ausfallen würde.“ Eberhard Sowa, inzwischen seit mittlerweile 37 Jahren als der Torgauer Weihnachtsmann auf dem Weihnachtsmarkt der Stadt unterwegs, kommt ohne Umschweife zur Sache. So wie ihm ging es vermutlich auch den Kindern und Eltern, von denen er sich an jenem Tag verabschiedet hatte. Denn mit einer solchen Wendung der Ereignisse hatte zum letzten Weihnachten sicherlich niemand gerechnet. Es schien wohl kaum etwas ferner als eine weltweite Pandemie. 

Und doch ist es so gekommen. „Bereits als die Krise im Frühjahr anfing, begannen wir von der IG Weihnachtsmarkt zu zittern. Denn wir müssen immer schon sehr früh mit der Planung des nächsten Weihnachtsmarktes beginnen und wussten nun nicht, wie es weitergehen sollte“, berichtet Sowa, Vorstand der IG Weihnachtsmarkt. Im TZ-Gespräch beschreibt er, was ein Weihnachten unter Corona-Bedingungen für ihn bedeutet.

TZ: Als Weihnachtsmann mit langjähriger Erfahrung haben Sie bereits viele Weihnachtfeste gefeiert, haben in dieser Zeit vielleicht sogar das eine oder andere Kind groß werden sehen. Sicherlich haben Sie in all den Jahren auch vieles gesehen und erlebt. Doch nun ist eine nie zuvor dagewesene Situation eingetreten: Eine Adventszeit im Lockdown. Wie empfinden Sie in diesem Jahr die Weihnachtszeit?
Eberhard Sowa: ?Natürlich betrübt mich die aktuelle Situation. Es ist sehr schade, dass in diesem Jahr der Torgauer Märchen-Weihnachtsmarkt ausfallen musste und ich dort nicht als Weihnachtsmann in Erscheinung treten konnte. Außerdem mussten ja nicht nur die Kinder in Torgau auf mich verzichten, sondern auch jene in unserer Partnerstadt Sindelfingen, in welcher ich seit 12 Jahre den Weihnachtsmann spiele. Das hat mir in diesem Jahr auf jeden Fall gefehlt und für die Kinder und deren Eltern ist es ebenfalls sehr schade.
 
Abgesehen vom Ausfall des Weihnachtsmarkts – gibt es noch etwas, was Ihnen in diesem Jahr fehlt?
Auf jeden Fall meine Besuche in den Seniorenheimen und auf der Kinderstation des Kreiskrankenhauses. Gerade an Weihnachten ist es so wichtig, Menschen ein wenig Freude zu schenken. Die Kinder im Krankenhaus beispielsweise haben sich immer so gefreut, wenn ich sie besucht habe. Wenn ich daran denke, dass diese Kinder an Weihnachten im Krankenhaus sein müssen und nicht wie andere zu Hause mit ihrer Familie Weihnachten feiern können – und dann kann ich in diesem Jahr noch nicht einmal zu ihnen auf die Station kommen – bei dem Gedanken wird mir schon ein wenig anders zumute. 
 
Viele Hobby- oder Berufsweihnachtsmänner sind in diesem Jahr auf einen virtuellen Besuch umgestiegen. Sie „besuchen“ die Familie also beispielsweise online über einen Video-Chat, sprechen mit den Kindern, hören ihnen zu. Professionelle Booking-Firmen bieten sogar speziell abgestufte Leistungspakete an, wie die LVZ berichtete. Sind Sie ebenfalls auf Online-Besuche umgestiegen?
Nein, ich bin nicht online unterwegs. Ganz untätig bin ich aber trotzdem nicht. Am Heiligen Abend werde ich ein paar Kinder und ihre Familien besuchen. Natürlich unter strengster Einhaltung der Hygienevorschriften. Abstandhalten ist gerade bei der Arbeit als Weihnachtsmann freilich nicht immer so einfach, denn die Kinder sind ja auch neugierig und möchten mir beispielsweise am Bart ziehen. Da muss ich dann versuchen, trotz allem Abstand zu bewahren und dabei gleichzeitig eine weihnachtliche Stimmung zu verbreiten. Ich stehe natürlich hinter den Maßnahmen der Regierung, auch wenn es mir unter diesen Umständen schwerfällt.
 
A propos „neugierige Kinder“ – hatten Sie denn schon einmal ein lustiges oder skurriles Erlebnis mit einem Kind?
Ja, da fällt mir spontan gleich eine Geschichte ein. Damals trug ich einen Bart, den ich angeklebt hatte, damit er hält. Ich bin auf einer Veranstaltung aufgetreten und ein Vater hat mich gefragt, ob ich nicht einmal zu seinem Sohn gehen könnte. Gesagt, getan. Also bin ich zu ihm hingegangen. Auf einmal greift mir der Kleine in den Bart und zieht so heftig daran, dass mir fast die Tränen in die Augen geschossen sind. Durch den Kleber ging der Bart nicht so leicht herunterzuziehen. Das Erlebnis werde ich nicht so schnell vergessen.
 
Und ein besonders schönes Erlebnis? 
Sehr herzerwärmend war ein Erlebnis, das ich einmal auf dem Weihnachtsmarkt in Torgau hatte. Da kam ein junge Mama mit ihrem Kind zu mir und erzählte mir, dass sie selbst schon als Kind hier vor mir gestanden hatte. Und dann hat sie sich bei mir für alles bedankt und mir eine Sahnetorte überreicht, auf der kleine Nikoläuse waren. Das war schon ein ganz besonderer Moment. 
 
Wie feiert denn der Weihnachtsmann selbst Weihnachten?
Abgesehen von den Auftritten natürlich mit meiner eigenen Familie. 
 
Blicken Sie trotz allem optimistisch in die Zukunft?
Ich hoffe auf das Beste. Wir müssen nun die Daumen drücken, dass die Infektionszahlen spätestens bis Mai deutlich zurückgegangen sind, denn da beginnt die Planung für den nächsten Weihnachtsmarkt. 
 
Und falls nicht?
Dann fangen wir von der IG Weihnachtsmarkt trotzdem schon an zu planen. Wir würden uns dann gegebenenfalls darauf verlegen, günstig und vor allem flexibel zu planen, sodass wir zur Not auch kurzfristig noch alles wieder absagen könnten. 
 
Denken Sie, ein Weihnachtsmarkt mit Mindestabstand wäre machbar?
Nein, ich glaube nicht, dass sich das umsetzen ließe.
 
Gibt es denn Ihrer Ansicht nach eine Alternative?
Unter den aktuellen Hygienebedingungen ist es nicht möglich, einen Weihnachtsmarkt durchzuführen. Es gibt also keine Alternative. Denn selbst, wenn man sagen würde, man stellt die Buden in einem entsprechenden Abstand zueinander auf, dann würde das wiederum bedeuten, man müsste Stände wegfallen lassen, um diesen Platz zu schaffen. Dann stünde man wieder vor der schwierigen Entscheidung, welche Stände das wären und so weiter. Das wäre ein Teufelskreis. Wir können also nur hoffen, dass die Krise möglichst bald zu Ende geht und wir im nächsten Jahr wieder richtig Weihnachten feiern können.
 
Was sagt denn Ihr Gefühl diesbezüglich?
Mein Gefühl sagt, dass wir die Corona-Krise Ende nächsten Jahres vielleicht überstanden haben werden, uns aber trotzdem noch an Regeln werden halten müssen. Ich bin zuversichtlich, dass es im nächsten Jahr wieder einen Weihnachtsmarkt geben wird. 

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