Montag, 29. November 2021
Mittwoch, 23. Dezember 2020

Zufalls-Fund nach dem Sturmtief "Friederike" 

Dietmar Heinrich beim Aufbau der Tafel. Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Beilrode. Es war alles ein riesiger Zufall. Orkantief „Friederike“ hatte im Januar 2018 über Deutschland getobt und auch in der Beilroder Falkenstruth schlimme Spuren hinterlassen.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Es war alles ein riesiger Zufall. Orkantief „Friederike“ hatte im Januar 2018 über Deutschland getobt und auch in der Beilroder Falkenstruth schlimme Spuren hinterlassen. Mächtige Baumriesen knickten gleich reihenweise um, manche wurden samt Wurzel aus dem Boden gerissen. An einigen Stellen sah es aus wie nach einem Bombenangriff. Da war es Glück, dass die Aufträum-Trupps noch einen Blick für scheinbar kleine Details hatten. Unter einer Wurzel mitten im Wald in der Nähe der B 183 lagen Tonscherben, scheinbar älteren Ursprungs. Offensichtlich verbarg das Erdreich hier archäologisch wertvolle Sachen, die einer näheren Betrachtung bedurften. Ein Fall für René Fiedler, Mitglied des Beilroder Heimatvereins und hauptberuflich beim Landesamt für Archäologie in Dresden beschäftigt. Der Experte kam, sah und wusste Bescheid. Der Sturm hatte ein sogenanntes Flachgrab freigelegt.

Vertrag über zehn Jahre 

Mittlerweile schloss der Arzberger mit dem Forstbezirk Taura einen Vertrag über 10 Jahre zur Betreuung der prähistorischen Grabstätten in der Beilroder Falkenstruth ab. Zudem beschäftigte sich René Fiedler intensiver mit dem Aufkommen. Denn, so viel steht fest: Im gesamten Territorium werden noch viele weitere Hügelgräber und Flachgräber vermutet. Sie dürften überwiegend aus der Jungbronzezeit stammen. „Der Triestewitzer Lehrer Keidel hatte schon mal einen regelrechten Wegweiser erstellt und versucht, sämtliche Baudenkmäler in der Umgebung zu erfassen. Auf seine Initiative hin erschien im Jahr 1920 ein entsprechender Artikel in der Zeitung“, erklärt der Mitarbeiter des Landesamtes. Wichtig sei – und darin liegt auch bei der Betreuung das Hauptaugenmerk – dass die Grabstätten vor Raubgräberei geschützt werden und in der jetzigen Form für die Nachwelt erhalten bleiben. Natürlich sei es streng untersagt, danach zu schachten. Das gilt selbst für die Experten, die nicht vorhaben, dass bronzezeitliche Gräberfeld in der Falkenstruth in den nächsten Monaten freizulegen.

Interessante Informationen 

Trotzdem will man aber Besucher, Spaziergänger und Pilzsucher auf die wichtige Bedeutung aufmerksam machen und sie ausführlich informieren. Aus diesem Grunde gab es Mitte Dezember im Beisein von Bürgermeister René Vetter und Dietmar Heinrich, Vorsitzender des Beilroder Heimatvereins, die Übergabe einer großen Schautafel. Sie steht mittlerweile ganz in der Nähe des umgestürzten Baumes, dessen Wurzel die Scherben freigaben. Wer die Tafel entdecken möchte, sollte die B 183 von Neusorge in Richtung Elsterberg fahren. Kurz vorher, am Abzweig Nichtewitz, heißt es: bis zum Waldrand fahren, Pkw abstellen. Zu Fuß sind es dann vielleicht noch etwa 200 Meter, links den nächsten Sandweg hinein. „Den Rahmen der Schautafel hat der Heimatverein beigesteuert, die restliche Finanzierung übernahm die Gemeinde Beilrode“, erklärte Bürgermeister René Vetter. So sei nun ein interessanter Anlaufpunkt für Wanderer entstanden.

Bis zu drei Meter hoch 

Leider wurden in den vergangenen 20 Jahren schon zahlreiche Hügelgräber abgetragen. Das geschah oft unwissentlich zum Beispiel beim Aufforsten der Waldbestände, bedauert René Fiedler. Bei der jetzigen Schautafel stünden aber besonders die sogenannten Flachgräber im Mittelpunkt. Sie stammen aus der Zeit 2600 bis 700 vor Christus. Während die Hügelgräber teilweise bis zu drei Meter hoch und zehn Meter breit sind, bleiben diese Gräberfelder fast unsichtbar. „Man hat solche Anlagen teilweise bis 1000 Jahre und länger immer wieder für Nachbestattungen genutzt“, weiß der Archäologe.

Raubgräberei 

Die Besonderheit in der Beilroder Falkenstruth ist, dass es hier wenig Raubgräberei gab. Das könne man von anderen Fundstätten leider nicht behaupten. Die nächsten bekannten Gräberfelder sind im Raum Mockrehna und Battaune erfasst. Besonders gut kann man diese Überbleibsel aus der Jungbronzezeit anhand von Luftaufnahmen erkennen. Die veränderten Bodenschichten heben sich gut sichtbar von der Umgebung ab. 

Das Land war damals dicht besiedelt, auch die heutigen Wälder waren wohl größtenteils gerodet. Die Menschen lebten in dörflichen Siedlungen. Werkzeug, Geräte und Schmuck stellten sie zumeist aus Bronze her, einer Legierung aus Kupfer und Zinn. Man ehrte die Toten, indem man sie verbrannte und ihre Asche in Urnen deponierte. Diese wurden verschlossen und mit Beigefäßen ins Erdreich gebracht. Man schickte die Toten mit anderen Schalen, Tassen, Schöpfgefäßen und vermeintlich wichtigen Dingen auf ihre letzte „Reise“. 

Die Hügel in der Falkenstruth wurden bereits mehrfach untersucht. Bisher konnte die genaue Ausdehnung des Gräberfeldes aber nicht vollständig erfasst werden, da nur die markanten Erhebungen sichtbar aus dem Waldboden ragen. 

Sie interessieren sich für das Neueste aus Torgau und der Region? Dann bestellen Sie den Newsletter "Darüber wird morgen gesprochen"! Der kommt jeden Abend per E-Mail und bringt die wichtigsten Themen des nächsten Tages mit. >> Hier können Sie ihn bestellen.


Jetzt kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien


Wirtschaftsmagazin

Mountainbikemagazin

Torgau Druck

AKTIONEN

Newsletter

Torgau-Plus

Riesenmagazin

Oschatz-Magazin

Azubi-Expo-Digital

TZ-Probelesen

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga