Donnerstag, 21. Januar 2021
Freitag, 1. Januar 2021

TORGAU

Ein Jahr zwischen Hoffen und Bangen

Restaurants und zahlreiche Geschäfte mussten aufgrund der Corona-Pandemie schließen. Foto: Daniel Förster

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Geschadet hat die Corona-Krise zweifellos vielen Branchen und Berufsgruppen. Zwei Branchen, welche unter der Pandemie und deren Folgen, wie zum Beispiel dem erneuten Lockdown, jedoch besonders leiden müssen, sind Händler und Gastronomen.

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Viele wurden kreativ und ließen sich etwas einfallen, um auch während des Lockdowns ihre Waren an den Kunden beziehungsweise Gast zu bringen, boten zum Beispiel ihre Produkte „To Go“, also zum Mitnehmen, an. Doch eine Dauerlösung ist das für viele auch nicht. In der TZ berichten einige lokale Vertreter davon, welche Folgen das Jahr 2020 für sie hatte.

 

Karl Friedrich Potzelt, Entenfang:

Während des aktuellen Lockdowns haben wir in der Gastronomie am Entenfang leider keine alternativen Einnahmequellen, wie einen Abhol- oder Lieferservice. Wir haben es eine Zeit lang noch mit unseren Schlachtereiprodukten versucht, die auch gut angenommen wurden. Doch auf Dauer hat sich das nicht rentiert, der Abholweg ist einfach zu weit.

Nach dem ersten Lockdown waren einige Innenstadtgastronomen zufrieden mit den Einnahmen nach der Wiedereröffnung. Zwar haben die Gäste nicht doppelt gegessen, es war aber ein noch deutlich größeres Wohlwollen gegenüber den Gastronomen zu spüren.

Ein weiteres großes Problem für den Entenfang stellt der Ausfall der Großkonzerte 2020 dar. Diese machen – grob geschätzt – etwa 50 bis 60 Prozent unseres Umsatzes aus. Das macht sich schon bemerkbar, wenn dieser plötzlich wegbricht. Da war es ein Highlight, dass zumindest Wolfszeit stattfinden konnte. Zudem kam der zweite Lockdown im Vergleich zum ersten viel plötzlicher, also die Entscheidung ist viel kurzfristiger gefallen und wir konnten uns nicht so gut vorher darauf einstellen.

So hatten wir beispielsweise in Vorbereitung des Weihnachtsmarktes Rohwaren im Wert von mehreren 100 Euro geordert, welche letztendlich auch verarbeitet mussten. Genauso ging es auch vielen anderen Gastronomen in der Innenstadt. Sie alle haben die Zeit im Sommer effektiv genutzt, als die Restaurants wieder öffnen durften. Trotzdem reicht das nicht, um die Verluste aus den Lockdowns wieder wett zu machen. Und für jeden hängt die Existenz davon ab, hängen zum Beispiel auch Lohnzahlungen und Betriebskosten davon ab.

Bei uns funktionierte beim ersten Lockdown die Zahlung der staatlichen Unterstützung noch gut. In diesem Lockdown fließen die Gelder leider nicht so, wie es uns versprochen wurde und es ist ein unglaublich hoher bürokratischer Aufwand. Trotzdem halte ich Einschränkungen durch die Regierung für notwendig, denn mittlerweile kennen die meisten in meinem Bekanntenkreis bereits jemanden, der schon einmal Corona hatte und je mehr Menschen sich an die Regeln halten, desto eher kann die Krise ausgestanden werden.

Beim ersten Lockdown waren wir noch erstaunt und haben uns gewundert, was das werden soll. Doch als zunehmend deutlich wurde, dass die Pandemie weltweit für Einschränkungen sorgt, wurde die Tragweite der Krise immer deutlicher. Die ersten 14 Tage des Lockdowns waren besonders hart, man muss sich erst an ein Leben ohne Einnahmen gewöhnen.

Wir machen das ja schon viele Jahre und haben Reserven, aber auf Dauer ist die Situation trotzdem nicht tragbar. Vor allem, weil es eine Situation ist, für die wir alle nichts können, da müssen wir schon finanzielle Unterstützung von der Regierung bekommen. Zu tun haben wir zum Glück trotzdem genug mit aktuellen und anstehenden Bauarbeiten sowie unserer Schäferei.

 

Simone Groening, Café Carpe Diem:

Im ersten Lockdown im Frühjahr konnten wir es so machen, dass wir zumindest Eis im Behälter zum Abholen angeboten haben und das lief auch ganz gut. Dieses Angebot haben wir beispielsweise per Facebook und WhatsApp beworben. Die Mund-zu-Mund-Propaganda hat ebenfalls gut funktioniert. Trotzdem konnte das natürlich nicht alle fehlenden Einnahmen ausgleichen. Wichtig war für mich persönlich vor allem, dass ich dadurch etwas zu tun hatte und mich nützlich machen konnte. Im Sommer konnten wir zwar glücklicherweise wieder eröffnen, durften jedoch aufgrund der Abstandsregelung nur halbe Tische besetzen, wodurch wir nicht so viele Gäste bedienen konnten wie sonst. Die Gäste waren aber sehr lieb und verständnisvoll.

Die staatlichen Zahlungen haben im Frühjahr reibungslos funktioniert. Nun stockt es leider. Jetzt in der kalten Jahreszeit funktioniert das Angebot mit dem Abholen von Eisbehältern natürlich auch nicht so gut. Dadurch ist die Situation in diesem Lockdown besonders schwierig. Nichtsdestotrotz bleiben wir optimistisch. Es muss immer irgendwie weitergehen.

René Lettow, Stadtidyll:

Mit dem ersten Lockdown sind wir noch relativ gut zurecht gekommen. Die finanzielle Unterstützung durch den Staat sowie das Stellen der entsprechenden Anträge haben glücklicherweise reibungslos funktioniert. Problematisch waren dann vor allem die ersten ein bis zwei Monate nach dem ersten Lockdown, in denen wir wieder geöffnet hatten. Denn die Leute waren merklich zurückhaltender, was das Essengehen außer Haus betrifft und wir hatten deutlich weniger Gäste als sonst. Bei trotzdem weiter laufenden Fixkosten ist das Publikum zu einem großen Teil ausgeblieben. Das war natürlich ein Problem.

Dafür ging es allerdings später steil bergauf und wir hatten im Sommer und zum Teil auch Herbst eine sehr gute Nachfrage. Im Juli, August, September und Oktober lief es sehr gut.

Jetzt im zweiten Lockdown kommen wir zwar klar, aber es ist natürlich eine schwierige Situation. Um Weihnachten herum boten wir einen Abholservice mit saisonalen Gerichten an, der sehr gut angenommen wurde, zum Beispiel „Weihnachtsgeflügel to go“. Zudem konnten wir kleinere Weihnachtsfeiern mit Büffet versorgen. Auf die Einnahmen bezogen, die insgesamt durch die Schließungen weggefallen sind, ist das zwar ein Tropfen auf den heißen Stein, aber auf jeden Fall besser als nichts.

Insgesamt versuchen wir allgemein, auch an schlechten Situationen immer etwas Positives zu sehen. Das Positive im Moment ist natürlich, dass wir mehr Zeit für die Familie haben. Ein wenig mit Sorge betrachten wir allerdings die Zeit Anfang des Jahres 2021, wenn der Lockdown wieder aufgehoben sein wird. Denn erfahrungsgemäß sind die Menschen Anfang des Jahres immer deutlich zurückhaltender, was das Ausgehen und Essengehen betrifft. Da erwarten wir erst einmal einen geringeren Umsatz, hoffen aber, dass es danach wieder aufwärts geht.

 

Michael Borisch, Torgische Stuben:

Dadurch, dass wir in Nordsachsen bereits ab dem 23. Oktober einen leichten Lockdown mit Schließung der Gastronomien hatten, war der Schwund an Lebensmitteln für uns beträchtlich. Wir mussten sehr viele Lebensmittel wegwerfen, darunter beispielsweise leicht verderbliche Waren wie Fleisch, Käse und Gemüse, aber auch Säfte und Bier, die durch den Mangel an Verkaufsmöglichkeiten überlagert waren.

Positiv war zumindest, dass die staatlichen Hilfen geflossen sind. Das hat gut funktioniert und hat auf jeden Fall geholfen, die schwierige Zeit zu überbrücken. Damit konnte man etwas anfangen. Im Moment warten wir aber noch auf die Novemberhilfe.

 

Kerstin Ulrich, Fachgeschäft Uhren und Schmuck:

Für die Händler ist der zweite Lockdown natürlich wirtschaftlich eine Katastrophe. Weihnachten ist nun einmal die umsatzstärkste Zeit im Jahr, besonders die letzten paar Wochen vor Weihnachten – und diese sind jetzt einfach weggefallen. Dabei hatten wir Händler gerade so auf den Umsatz in der Adventszeit gehofft, um wenigstens ein bisschen die Verluste aus dem Frühjahr wieder ausgleichen zu können. Nun sind auch diese Einnahmen weggebrochen – das ist eine sehr schlimme Situation für uns. Gerade auch für die Händler, die saisonale Waren anbieten.

Im aktuellen Lockdown haben wir bis jetzt noch keine staatlichen Hilfen bekommen, zudem ist die Beantragung kompliziert und mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Zu einigen Einbußen habe ich außerdem bis jetzt noch keine Auskunft, wie diese finanziell ausgeglichen werden sollen.

Im Sommer sind die Leute zwar schon einkaufen gegangen, aber das hat leider nicht ausgereicht, um die Verluste wieder auszugleichen. Dazu kommt, dass viele Menschen auch immer mehr Produkte online kaufen – nicht umsonst sind die Paketdienste überlastet.

Der erste Lockdown war mit diesem nicht vergleichbar, da die momentanen Schließungen wie gesagt genau in die umsatzstärkste Zeit gefallen sind. Wenn solche Maßnahmen in Zukunft noch einmal durchgeführt werden sollten, wird es wirklich kritisch, denn so viele Reserven hat niemand, um dies auf Dauer mitmachen zu können. Wer da keine Angst um seine Zukunft hat, ist blauäugig. Mir geht es noch relativ gut, aber andere kämpfen regelrecht um ihre Existenz. Insgesamt war es aber für mich kein positives Jahr.

Daher eine Bitte, die mir wirklich am Herzen liegt: Liebe Bürger, wenn der Lockdown vorbei ist, geht bitte wieder in die hiesigen Geschäfte einkaufen und unterstützt damit die lokalen Händler. Vielen Dank.


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