Donnerstag, 21. Januar 2021
Dienstag, 5. Januar 2021

TORGAU

Marode, schmuddelig, aber mit Charme

Der Torgauer Bahnhof: Ansicht von der Güterbahnhofstraße. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau. Bahnhofsneubau — davon will Reinhard Wehner aus Melpitz nichts hören. Seiner Meinung nach lohnt sich die Sanierung des Altbaus und er hat auch ein passendes Nutzungskonzept parat. Wie das aussieht und ob seine Petition Efolg haben kann, hinterfragt die TZ.

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Trotz Mund-Nasenbedeckung dringt der stechende Geruch nach kaltem Tabakrauch in die Nase. Vor den Bänken breitet sich eine Schicht aus mehr als einem Dutzend Zigarettenstummeln, Verpackungsmüll und einer Pfütze aus. Der geneigte Beobachter hofft, dass dies nur verschwappertes Bier ist. Die dahinterliegende Wand zeigt zwei Graffiti zu Torgaus Geschichte, die aber auch schon mit neuen Graffiti getunt wurden. In Anbetracht des bevorstehenden Abrisses scheint die Gleichgültigkeit der Besucher hinsichtlich der Sauberkeit nochmals abgenommen zu haben.

Motivation
Da schien ein großzügig verglaster Neubau gerade recht zu kommen. „Die Glasscheiben sollen die Einblicke ins Gebäude verbessern und so Schmutzfinken von ihrem Vorhaben abschrecken“, hieß es in der Ratssitzung am zwölften September 2019, als der Entwurf „MA“ beschlossen wurde. Dennoch hat Reinhard Wehner einige Mitstreiter Ende 2020 unter dem Namen “WIR@IG-Bahnhoftorgau.de“ versammelt, um doch das alte, marode und verdreckte Gebäude zu erhalten. Vor zwei Tagen legte er im TZ-Interview dar, dass er ein umfangreiches Nutzungskonzept habe. Zuvorderst stünde dabei natürlich die Sanierung des aktuellen Gebäudes. „Der Bahnhof Torgau ist nicht nur von öffentlichem Interesse, sondern ein historisches Bauwerk aus dem Jahr 1872, welches unserer Meinung nach auf die Liste der Torgauer Denkmale gehört. Wir bitten das Landesamt für Denkmalschutz in Dresden hier noch einmal zu prüfen, ob dieses Gebäude entsprechend umgewidmet werden muss“, erläutert Reinhard Wehner die Motivation der Torgauer Interessengemeinschaft.

Ideen
Viele von Reinhard Wehners Ideen sind bereits 2017 in der Beschlussvorlage 316/2017 zur Entwicklung des Bahnhofsgebäudes zu finden. Darin waren als Projektstufe 1 unter anderem aufgelistet: öffentliches WLAN, Nutzung der Räume im Obergeschoss als Büros für Start-Ups und vor allem die sichere Unterstellmöglichkeit für Fahrräder inklusive Reparaturservice.

Doch Reinhard Wehners Konzept geht noch weiter. Er will den Bahnhof als Außenstelle der Elblandbahn realisieren. „Der Vereinsvorsitzende Andreas Hesse hat sein definitives Interesse daran bekundet“, bekräftigt Reinhard Wehner im TZ-Interview. Dazu solle eine  Spezialisierung auf den touristischen Informations- und Reisebedarf mit Fahrkarten- und Gepäckservice eingerichtet werden. Als Betreiber stellt sich der Melpitzer die Stadtwerke vor. Wichtig ist ihm auch eine Verpflegungsmöglichkeit im Stile einer Mitropa-Gaststätte. Weiterhin solle der Bahnhof Informationen zu regionalen und touristischen Höhepunkten liefern. Auch einen Pensionsbetrieb in den Räumen kann er sich vorstellen. 

Finanzierung
„Wir haben ein Schreiben von der DB Station & Service erhalten, worin steht, dass der noch bestehende Altbestand der Verkehrssituation gemeinsam mit der DB Netz innerhalb der Ausbaustrecke Leipzig-Falkenberg-Cottbus als Maßnahme des Strukturstärkungsgesetzes (Kohleprogramm des Bundes und der Länder) bedarfsgerecht erneuert werden solle“, verweist Reinhard Wehner auf einen möglichen Fördertopf. Dieser könne sicherlich auch für den Bahnhof angezapft werden. „Wenn das geht, den Bahnsteig damit umzubauen, dann kann die Bahn den Bahnhof zurücknehmen und auch damit sanieren. Und Torgau hätte ein zeitliches und finanzielles Desaster vermieden“, scheint der Melpitzer eine elegante Lösung gefunden zu haben.

Auch wenn die Sanierung des Gebäudes geschätzte 3,7 Millionen Euro verschlinge und damit um etwa 1,5 Millionen Euro teurer als Abriss und Neubau sei, wäre für den Melpitzer die billige Lösung schlimmer. „Aus dem Zustandsbericht ist ersichtlich, das der Teil mit den Bauschäden bestehen bleibt, da hier die Bahnanlagen untergebracht sind und der Teil der in Ordnung ist (Gaststätte) abgerissen werden soll“, führt Reinhard Wehner aus. Aus Sicht der Interessengemeinschaft sei das unsinnig und verwerflich. „Hier entstehen erhebliche Kosten, die in die Sanierung fließen könnten“, so Reinhard Wehner.

Bürgerbegehren
Persönlich strebt Reinhard Wehner 5000 Unterschriften an. Bei einer Einwohnerzahl von 20 866 (Ende 2017) würden allerdings schon 1044 Unterschriften reichen, um gemäß Paragraph 10 der Torgauer Hauptsatzung als Bürgerbegehren zu gelten. Doch die rechtlichen Chancen stehen schlecht, da das Begehren entsprechend Paragraph 25 der Sächsischen Gemeindeordnung zu spät und wahrscheinlich als Online-Petition auch in falscher Form kommt. „Einzig dem Stadtrat obliegt, diese Petition zu bewerten und seine entsprechenden Schlüsse zu ziehen oder Maßnahmen einzuleiten“, heißt es dazu aus dem Torgauer Rathaus.

Schlussendlich bleibt die Frage, warum eigentlich erst jetzt? Denn nach solchen Ideen wurde bereits vor drei Jahren gefragt. „Weil ich jetzt erst als Rentner die Zeit dafür fand. Ich habe gelesen, dass der „neue Bahnhof“ dorthin gebaut wird, wo ab Mitte dieses Jahres kein Bahnsteig mehr sein soll — das kommt mir wie ein Schildbürgerstreich vor“, antwortet Reinhard Wehner. 


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