Montag, 12. April 2021
Mittwoch, 6. Januar 2021

Der Deichbau geht weiter 

Das neue große Siel am Deich bei KöllitschFoto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Köllitsch/Torgau. Die Landestalsperrenverwaltung bereitet derzeit drei Baumaßnahmen im Raum Torgau vor. Darüber hinaus steht die Millionen-Investition bei Köllitsch jetzt, nach kleiner Verzögerung, kurz vor dem Abschluss. 

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Der Endspurt zieht sich etwas länger hin als erwartet. „Wir befinden uns in den letzten Zügen. Der neue Deich ist fertig, das große Siel funktioniert. Aber die Restarbeiten werden wohl noch bis zum Frühjahr andauern“, erklärte Axel Bobbe, Betriebsleiter der Landestalsperrenverwaltung Rötha, gestern. Es war die erste Deichrückverlegung an der Elbe im Landkreis Nordsachsen überhaupt. Ein Großprojekt: 11,5 Millionen Euro teuer. Vergeben wurde das Ganze zusammen mit einer weiteren Deichsanierung südlich von Köllitsch. 145 000 Kubikmeter Erdmassen waren heranzuschaffen. Das entspricht etwa 15 000 Lkw-Ladungen. Auf zwei Kilometer Länge entstand ein Deich völlig neu. 

Alles funktionstüchtig 

Auch das errichtete Siel beeindruckt in seiner Dimension: Die Bauleute verarbeiteten 300 Kubikmeter Beton, 50 Tonnen Bewehrungsstahl. Sechs Meter hoch und 3,50 Meter breit wurde der Gewässer-Durchlass. Zuletzt lief noch der Rückbau des alten Deiches, welcher aber auf Drängen der Naturschützer auf 200 Metern Länge stehen bleibt. „Es gab ein paar spezielle Nachwünsche beziehungsweise hatten Corona-Krise und Witterung Verzögerungen zur Folge. So werden der Deichverteidigungsweg und das Schrankensystem erst in den kommenden Wochen richtig fertig“, schätzte Axel Bobbe ein. Der Hochwasserschutz sei jedoch hergestellt. Die gewonnenen 43 Hektar Retentionsfläche können allerdings nicht wirklich zu einer Wasserspiegel-Absenkung der Elbe beitragen. Umso mehr standen bei der Großinvestition hydraulische Gesichtspunkte, die Fließgeschwindigkeit und die Ökologie im Mittelpunkt, bekräftigte der LTV-Betriebsleiter. Nach wie vor zeige der sächsische Umweltminister Wolfram Günther großes Interesse, sich von der Baumaßnahme höchstselbst ein Bild vor Ort zu machen. „Vielleicht klappt es mit einem Termin im Frühjahr, wenn die Baustelle beräumt ist“, zeigte sich Axel Bobbe optimistisch. 

Deichbau bei Kathewitz

Nach dem Mammutprojekt bei Köllitsch stehen in diesem Jahr im Wesentlichen drei größere Baumaßnahmen im Raum Torgau auf der Vorhabenliste. Beispielsweise soll bei Kathewitz ein 1,6 Kilometer langer Deichabschnitt grundhaft saniert werden. „Es gibt auch da wertvolle und seltene Pflanzen am Deich, was intensive Gespräche mit den Umweltbehörden auslöste. Das Planfeststellungsverfahren zog sich hin. Wir mussten mehrfach nachbessern. Doch mittlerweile liegt der Bescheid vor“, so der LTV-Chef. Ein schneller Baustart sei trotzdem nicht in Sicht, weil die Archäologen fündig wurden. Sie stießen auf Siedlungsreste und veranlassten tiefergehende Untersuchungen. Außerdem gab es die Absprache mit der Genehmigungsbehörde, erst im August zu beginnen. Sollte das klappen, dürfte das betreffende Bauunternehmen Mitte 2022 zum Ende kommen. Rund 3 Millionen Euro sind anschlagt. Damit wäre es die größte Investition in diesem Jahr im Raum Torgau. 

Eher „Kosmetik“ 

Weiterhin steht eine Instandsetzung des Elbedeiches südlich von Graditz in Richtung Pülswerda im Fokus. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine kleine Deichrückverlegung – mit sechs Hektar Fläche aber eher „Kosmetik“, wie es Axel Bobbe ausdrückt. Der Damm wird auf rund einem Kilometer Länge begradigt. Nördlich von Torgau in Richtung Zwethau war die Sanierung der Deichlinie im letzten Abschnitt zum Stillstand gekommen. Die Denkmalschützer hatten auf ein altes Siel bei Zwethau verwiesen, das erhalten bleiben soll. „Wir haben ein dreiviertel Jahr diskutiert und einen Kompromiss gefunden: Wir errichten ein neues Siel und setzen die alte Sandsteinfassade davor“, beschrieb der Betriebsleiter. Derzeit warte man auf den Bescheid. Anschließend sollen die Ausschreibungen laufen, so dass voraussichtlich im nächsten Jahr begonnen werden kann. Der Deichabschnitt ist einen Kilometer lang. 

Polder bei Aussig 

Zu guter Letzt bahnt sich in Aussig ein Großvorhaben an. Die LTV rechnet damit, dass die Genehmigung zum Bau des großen Polders im ersten Quartal 2021 eintrifft. Die Arbeiten könnten sich über viele Jahre hinziehen. Ein genauer Termin für den Start sei aber derzeit noch offen.


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de