Mittwoch, 20. Januar 2021
Mittwoch, 6. Januar 2021

TORGAU

"Klassische Musik sollte nicht zu einem Elfenbeinturm werden"

Christiane Bräutigam dirigiert die Musiker in Georges Bizets Oper "Carmen". Foto: Gert Mothes

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Torgau. Für die neue Kantorin Christiane Bräutigam leben Kirchen und Gemeinden vor allem von der Begegnung. Im TZ-Porträt spricht sie darüber, was sie an ihrem Beruf begeistert.

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Als Tochter eines Kirchenmusikers und einer Cembalistin wurde der gebürtigen Leipzigerin Christiane Bräutigam die Musik förmlich in die Wiege gelegt. Aufgewachsen mit vier Geschwistern in einer sehr musikalischen Familie, war auch für die frischgebackene neue Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde Torgau der Weg in eine Karriere im klassischen Bereich nicht mehr weit.

Nach ihrem Abitur am Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium in Leipzig 1993 studierte sie bis 1999 an der dortigen Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Ihre zwei Auslandssemester in der französischen Stadt Lyon sind ihr in besonders schöner Erinnerung geblieben. Vor der Corona-Krise ist sie auch danach noch sehr gern nach Frankreich, Italien oder an andere Orte gereist. Zudem spricht sie fließend Französisch und lernt Italienisch. An das Grundstudium schloss sich ein zweijähriges Aufbaustudium an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar an. Parallel zum berufsbegleitenden Aufbaustudium wurde sie bereits für ihren ehemaligen Arbeitgeber, die Evangelische Reformierte Kirche zu Leipzig, tätig. Dort war sie danach schließlich 22 Jahre lang bis Ende des Jahres 2020 angestellt. „Diese Arbeit hat mir sehr viel Freude bereitet. Nach 22 Jahren war es für mich aber an der Zeit, einmal eine neue Richtung einzuschlagen und eine andere Facette der Tätigkeit als Kantorin auszuprobieren“, erklärt Christiane Bräutigam. 

Freude über die Entscheidung der Kirchengemeinde

Seit 1. Januar 2021 ist Christiane Bräutigam nun die neue Kantorin der Evangelischen Kirchengemeinde Torgau und damit offizielle Nachfolgerin des im Juli in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedeten Ekkehard Saretz. Dabei war sie sich von Anfang an sicher, dass die Zusammenarbeit gut funktionieren kann: „Eine Bewerbungssituation ist immer auch ein Kennenlernen und ich habe bei all diesen Gelegenheiten gespürt, dass es auf beiden Seiten gut passen kann. Insofern habe ich mich gefreut, dass sich die Kirchgemeinde so entschieden hat.“ Kurz nach der Entscheidung über die Stellenbesetzung war sich auch Pfarrerin Christiane Schmidt sicher, dass die richtige Entscheidung getroffen wurde und sagte über ihre Namensvetterin: „Sie ist eine preisgekrönte Organistin, leitete in Leipzig erfolgreich eine große Kantorei und hat dort umfangreiche Angebote für Kinder  initiiert, sie ist bestens in der                 Leipziger Musikwelt vernetzt und hat Lust auf die Arbeit hier in Torgau.“

Und diese ist deutlich zu spüren, denn im TZ-Gespräch sprüht sie förmlich vor Leidenschaft für ihre berufliche Tätigkeit. Allgemein seien ihr vor allem die Zusammenarbeit sowie das gemeinsame Musizieren wichtig: „Klassische Musik sollte nicht zu einem Elfenbeinturm werden“, betont sie,  „denn Kirchen und Gemeinden leben vor allem von der Begegnung“. Da empfindet sie es als Vorteil, dass man hier eher Wohngebietsgemeinden habe, wodurch das Kirchenpublikum häufig  dasselbe und weniger wechselhaft sei als mitunter in der Großstadt – was womöglich die Entstehung von Gemeinschaften erleichtern könnte. Ein Thema, welches aktuell aufgrund der Corona-Krise leider besonders leidet, denn Zusammenkünfte, Kontakte und Begegnungen vieler Menschen sind schließlich im Moment genau das, was vermieden werden soll. In vielerlei Hinsicht ein etwas schwieriger Einstand in ihre neue Tätigkeit, auch bedingt durch die Tatsache, dass sie bis jetzt noch nicht ein einziges Mal mit dem Chor der Johann-Walter-Kantorei proben konnte.

"Der Zusammenklang verschiedener Stimmen ist immer wieder ein Wunder"

Das Gemeinschaftsgefühl scheint für die Kantorin generell eine große Rolle innerhalb ihres Schaffensprozesses zu spielen. Beim Gedanken an gemeinsame Chorproben gerät sie regelrecht ins Schwärmen. „Was bei einer Probe am Ende herauskommt und wie das Ergebnis klingt, ist nicht planbar. Das kann man höchstens ein wenig in eine bestimmte Richtung lenken. Doch erst durch regelmäßige gemeinsame Proben entwickelt sich nach und nach das fertige Ergebnis. Und dieses kann jedes Mal ein anderes sein. Wie die verschiedenen Stimmen dann am Ende zusammen klingen, ist immer wieder ein wahres Wunder für mich“, erzählt die Chorleiterin und Dirigentin begeistert. 

Ihre Freizeit verbringt sie sehr gern mit Lesen, in der Natur – zum Beispiel beim Paddeln im Spreewald – sowie mit Paten- und Patchworkkindern und genießt auf diese Weise ein reges Familienleben. So erkläre sich auch ein Teil ihres Wirkens, wie sie ausführt. „Ich arbeite sehr gern mit Kindern zusammen. Mit ihnen gemeinsam zu Musizieren, macht mir sehr viel Freude und begeistert mich immer wieder aufs Neue.“ So habe sie in der Vergangenheit sogar eigene Projekte mit Kindern auf die Beine gestellt, wie zum Beispiel das Musikfestival „Klassik für Kinder“, bei dem sie unter anderem dirigierte und die Organisation übernahm. An der Arbeit mit Kindern schätze sie außerdem, dass sie ihnen über die klassische Musik Verständnis für die verschiedensten Bereiche vermitteln könne, wie zum Beispiel für Zeitgeschichte: Wann lebten die Komponisten der betreffenden Stücke und welche Themen bewegten diese damals? 

„Musik ist eine wunderbare Art, anderen Menschen etwas näherzubringen und seinen Glauben auszudrücken.“ Für Christiane Bräutigam gehören Glaube und Musik auf ganz natürliche Weise zusammen, denn: „Mit Musik drückt man aus, was man fühlt.“


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