Sonntag, 24. Januar 2021
Freitag, 8. Januar 2021

TORGAU

Ein Leben für den Sport

Ein Höhepunkt in der Karriere von Wolfgang Hanschke (links): Der 5000-m-Sieg für die DDR 1967 im Länderkampf gegen die damalige Sowjetunion. Foto: privat

Von unserem Mitarbeiter Norbert Töpfer

Leichtathlet und Fußball-Trainer Wolfgang Hanschke feiert am 9. Januar seinen 80. Geburtstag. Der ehemalige Lehrer hat in Torgau sportliche Geschichte mitgeschrieben.

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Torgau. Wolfgang Hanschke feiert heute seinen 80. Geburtstag. Was heutzutage kein besonderes Ereignis mehr ist. Aber der ehemalige Lehrer hat in Torgau sportliche Geschichte mitgeschrieben. Und das gleich in zwei Sportarten. Hanschke gehörte in den sechziger Jahren zu den besten Mittelstreckenläufern der DDR. Und was nicht normal ist: Nach Beendigung seiner Karriere war der Torgauer als Trainer unterwegs. Aber nicht in der Leichtathletik, sondern im Fußball. Die Krönung dabei: Der Aufstieg mit der BSG Chemie Torgau in die Bezirksliga, damals die dritthöchste Klasse im Osten Deutschlands.

Der Leichtathlet, verheiratet mit der früheren Torgauer Zahnärztin Sigrid Hanschke, wurde bereits im Jugendalter von der hiesigen Trainer-Legende Heinz Otto entdeckt. Dass er zu den Leichtathleten der BSG Chemie Torgau kam, war Zufall. „Meine Eltern wollten nicht, dass ich Fußballer werde, weil ich Brillenträger bin. Daher bin ich durch den Sportunterricht in der Jahn-Turnhalle zur Leichtathletik gekommen. Dass ich 1959 in der Trainingsgruppe von Heinz Otto gelandet bin, war ein Glücksfall für mich. Dieser Mann war ein Mensch mit hoher Bildung. Wir als junge Leichtathleten hingen förmlich an seinen Lippen, wenn er zu uns sprach. Otto war schon Rentner, als er uns trainierte“, erzählt Hanschke.

Und er fügt an: „Wir waren als Leichtathleten von Chemie eine gute Truppe. Ich wurde 1964 mit immerhin schon 23 Jahren zum SC Turbine Erfurt delegiert, wie es damals hieß. Dort durfte ich mit Teamkollegen wie Europameister Manfred Matuschewski und Dieter Herrmann zusammen trainieren.“ Beim SC Turbine war der Torgauer fünf Jahre. In dieser Zeit gehörte Hanschke zu den besten Mittelstrecklern der damaligen DDR.

Einen seiner größten Erfolge schaffte er 1967. Damals gewann er im Rahmen des Länderkampfes in Chemnitz gegen die damalige Sowjetunion den 5000-Meter-Lauf. Und das vor 30 000 Zuschauern. Diese Publikumsresonanz war allerdings kein Wunder, denn beide Länder zählten neben den USA zu den stärksten Leichtathletik-Nationen der Welt.

Es war nicht der einzige Erfolg des Torgauers im Trikot vom SC Turbine Erfurt beziehungsweise der Nationalmannschaft. Mehrfach holte sich Hanschke auch DDR-Meistertitel. Klar, dass sich der nun 80-Jährige nicht an alle Ereignisse erinnern kann. „Ist aber kein Problem, denn meine Schwester hat sieben Fotoalben angelegt, in denen ich oft blättere.“

Die Teilnahme an Olympischen Spielen schaffte Hanschke nicht, obwohl er in den europäischen Ranglisten mehrfach unter den besten Zehn rangierte. 1966 war Hanschke auf der englischen Meile (1609,3 Meter) der Viertschnellste der Welt. Den Sprung in die Spitzengruppe Europas über die 10 000 Meister schaffte der Torgauer mit einer Zeit von 28:57 Minuten. Plötzlich raus aus Läufen bei großen internationalen Ereignissen war Hanschke, als 1967 der Erfurter Weltklasseläufer Jürgen Mai aus dem Osten Deutschlands in den Westteil floh. „Wir Erfurter wurden danach lange Zeit nicht nominiert für große Wettkämpfe“, erinnert sich Hanschke.

Der Torgauer, der 1969 in seine Heimatstadt zurückkehrte, hat den Wechsel nach Erfurt nie bereut. „Ich habe in dieser Zeit viel erleben dürfen. Ich habe in diesen Jahren zwar viel und knallhart trainiert, aber ich konnte auch studieren, sodass ich nach meiner Laufbahn  beruflich sofort als Diplomlehrer an der Berufsschule des damaligen Torgauer Flachglaswerkes Fuß fassen konnte. Und jetzt kann ich das auch sagen: Ich habe in meiner Zeit als Leistungssportler mehr Geld verdient als später für meine Arbeit als Berufsschullehrer in der DDR.“

Nach seiner erfolgreichen Sportkarriere als Läufer stieg Hanschke hinab in den Fußball, und zwar bis in die Kreisklasse. Die in der Region so bekannten Otto-Brüder, die als Leichtathleten beachtliche Erfolge feierten, holten Hanschke zur SG Klitzschen. „Dort habe ich aus Spaß gespielt und hatte dabei viel Freude mit den netten Teamkollegen“, erinnert sich Torgauer noch heute.

Durch den Lehrerkollegen Gerald Schürz kam Hanschke zur BSG Chemie Torgau, als Bezirksklasse-Mannschaft damals das beste Team im Kreis Torgau. Schürz war über Jahre in dieser Mannschaft als Mittelfeldspieler unterwegs. Hanschke war für das Athletik-Training verantwortlich, Horst Nicht für den taktischen Bereich. Die Mannschaft stieg auch dank der guten Arbeit von Hanschke 1975/76 in die Bezirksliga auf.  300 bis 400 Zuschauer sahen damals die Heimspiele der Torgauer. Allerdings schafften die „Chemiker“ nur ein Jahr den Klassenerhalt. Danach stiegen sie wieder ab in die Bezirksklasse, ehe nach der Wende erneut der Aufstieg in die Bezirksliga gelang.

„Das Jahr, als wir in der Bezirksliga den Klassenerhalt schafften, war mein größter Erfolg, obwohl ich mit der Trainingsbeteiligung nicht immer zufrieden war. Mit diesen Jungs wäre noch mehr drin gewesen“, ist sich Hanschke sicher, der nach einigen Jahren aus dem Traineramt zurücktrat und Sektionsleiter Fußball bei Chemie wurde.

Er hatte auch mal gehofft, dass seine Kinder in die Fußstapfen des sportlichen Vaters treten. Denn sowohl Kathrin als auch Bruder Steffen waren als Läufer sehr talentiert. „Meinen Kindern fehlte jedoch der Ehrgeiz, sodass sie auch nicht bereit waren, sich für den Sport zu quälen“, schätzt Hanschke Senior nüchtern ein.

Nach seiner erfolgreichen Zeit bei Chemie Torgau setzte Hanschke seine ehrenamtliche Tätigkeit bei verschiedenen Vereinen als Übungsleiter fort. Er betreute zum Beispiel den SV Süptitz, Grün-Weiß Dommitzsch, Lok Falkenberg und den SSV 52 Torgau, mit dem er knapp den Aufstieg in die Bezirksklasse verpasste.

Bei der Frage nach seinen besten Spielern muss Wolfgang Hanschke nicht lange überlegen. „Die Besten waren Torwart Achim Schramm und Mittelfeldmann Edgar Moosdorf. Dazu gehören auch Volker Weigt und Gerald Schürz, der ein Spiel lesen konnte. Von der Einstellung her war Abwehrspezialist Karl Seelbinder nicht zu übertreffen.“ Alle diese Jungs waren für Chemie Torgau aktiv.

Nach seiner Karriere widmete sich Hanschke der Pferdezucht. Zudem legte er als Rentner tausende Kilometer mit dem Fahrrad zurück. Treu geblieben ist Hanschke seinem wohl größten Hobby: Er sammelt und bemalt Zinnsoldaten. Davon zeugen mehrere mit viel Liebe gestaltete Vitrinen im Haus der Familie. Im Keller schafft sich der Senior mehrfach in der Woche mit großen Ehrgeiz auf dem Ergometer.

Mit seiner Frau freut sich Wolfgang jeden Tag, wenn sie die drei Katzen und den Hund betreuen können. Als Fußball-Fan drückt Hanschke RB Leipzig und Dynamo Dresden die Daumen. Wolfgang Hanschke, der sich an vieles seiner sportlichen Karriere erinnert, erwies sich gegenüber der TZ als ein super Gesprächspartner. Er selbst stellte sich nie in den Mittelpunkt und beantwortete in seinem hohen Alter jede Frage. 

 

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