Sonntag, 20. Juni 2021
Dienstag, 12. Januar 2021

Kathrin Murche kann der Corona-Pandemie trotzen

Das ist Leistungssport: Trapschützin Kathrin Murche aus Mockritz trainiert auch bei Eis und Schnee. Foto: privat

Von unserem Mitarbeiter Norbert Töpfer

Die Mockritzer Trapschützin zieht ihr Training auch bei Eis und Schnee durch. Es bleibt ihr nur die Hoffnung auf bessere Zeiten mit Wettkämpfen.

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Torgau. Kathrin Murche lässt sich von der Corona-Pandemie nicht unterkriegen. Die Mockritzer Trapschützin, Mitglied der Deutschen Frauennationalmannschaft, schießt für die SGi Frankfurt/Oder und hat auch ein Zweistartrecht für den SSC Neiden. Das Wichtigste in diesen schweren Zeiten: Die 21-Jährige zieht ihr volles Trainingsprogramm durch. Und im Job als Sportsoldatin will sie auch vorankommen.

Bereits seit sieben Jahren ist Kathrin Murche Trapschützin. Trainer Uwe Kammer, der auch die nordsächsischen Weltcup-Schützen Marco Kroß und Paul Pigorsch als Talente entdeckte, arbeitete mit der Mockritzerin so gut, dass sie 2015 zur SGi Frankfurt/Oder wechselte, wo sich die junge Frau als Sportsoldatin zu einer der besten deutschen Mädels in dieser Disziplin entwickelte. Immerhin kann sie inzwischen bei den Frauen zwei Weltcup-Starts vorweisen.

Und wenn im vergangenen Jahr nicht die Corona-Pandemie über die Menschen hergefallen wäre, hätte die Mockritzerin bis jetzt garantiert mehrere Aufritte bei Weltcups sowie bei Europa- und Weltmeisterschaften  vorzuweisen. Im Nachwuchsalter von 18 Jahren konnte Murche sogar schon international auf sich aufmerksam machen, als sie bei der Junioren-WM Fünfte wurde. Auch bei den EM erkämpfte sie Medaillen, allerdings mit dem deutschen Team. „Ich habe bei den Junioren seit 2017 im Einzel leider den Einzug ins Einzelfinale knapp verfehlt. Das war ärgerlich.“

Seit 2020 gehört die Mockritzerin zur Frauen-Nationalmannschaft, was für sie mit einem lachenden und  einem weinenden Auge verbunden ist. Freuen kann sich die Sportsoldatin darüber, dass sie gleich bei ihrem Wechsel zu den Frauen Nationalschützin wurde. Ärgerlich: „Ich konnte mich wegen Corona noch nicht bei internationalen Wettkämpfen beweisen.“

Das spricht die junge Frau ruhig aus, Resignation ist der jüngsten Schützin im National-Team nicht im Geringsten anzumerken. „Mein Frankfurter Trainer Karsten Beth hat mal über mich gesagt, ich sei eine Kampfsau. Da hat er Recht. Ich werde mich auch wegen einem blöden Jahr aufgrund von  Corona nicht entmutigen lassen. Ich werde alles tun, damit ich gewappnet bin, wenn es vielleicht doch noch in diesem Jahr große internationale Wettkämpfe gibt“, sagt die Mockritzerin und fügt an: „Ich bin extrem ehrgeizig und will oft zu viel. Das kann auch schädlich für mich werden. Ich darf bei allem Ehrgeiz nicht verkrampfen.“

Kathrin Murche ist froh, dass sie auch in Corona-Zeiten bei der Bundeswehr als Nationalmannschaft-Mitglied zum Training freigestellt wird. „Ich ziehe das voll durch. Auch wenn ich mal keine Lust zum Üben habe. Das passiert sicher jedem Sportler. Ich betreibe diese schwierige Sportart mit viel Leidenschaft. Ich trainiere ohne Abstriche für eine Saison, von der ich noch gar nicht weiß, ob sie überhaupt stattfindet. Wir arbeiten hart in Frankfurt. Unser Trainer gestaltet das Training gerade in diesen Zeiten auch mal etwas anders. Er schiebt öfter spaßige Einheiten ein oder wir machen auch mal Skeet-Schießen.“

Dennoch ist das Trainingsprogramm knallhart. Insgesamt schießt Kathrin Murche in einer Saison  13 000 Mal auf die Wurftauben. Immerhin wiegt ihre Waffe vier Kilogramm. Sie muss sie anheben um zu zielen, sie muss den Rückstoß aushalten und eine Mittelkörperspannung für jeden Schuss aufbauen. „Und wir müssen auch Krafttraining absolvieren, um den Sport mit der relativ schweren Waffe auf hohem internationalen Niveau ausüben zu können.“ Ohne ihren Trainer betreibt sie mit ihren Sportkameraden auch Ausgleichstraining wie Gymnastik, Ausdauertraining, Prophylaxe, Kraftsport und sie geht auch in die Sauna. 

Die berufliche Entwicklung will Kathrin Murche trotz ihres anspruchsvollen Leistungssports vorantreiben. „Ich absolviere regelmäßig Lehrgänge, um mich weiterzubilden. Und dabei gönne ich mir keine Pausen: Ich möchte am Ende meiner beruflichen Entwicklung bei der Bundeswehr Feldwebel sein.“ Jetzt, wo aus jetziger Sicht das zweite Corona-Jahr beginnt, wünscht sie sich ein schnelles Ende der Zeit ohne Wettkämpfe. „Voriges Jahr habe ich es manchmal genossen, nicht so viel schießen zu müssen, auch weil ich dadurch meine Schulterverletzung besser auskurieren konnte. Außerdem hatte ich mehr Freizeit.“

Damit denkt sie auch an ihren Freund, mit dem sie jetzt zusammen wohnt. Der junge Mann hat nun mehr Zeit für seine Kathrin, denn er ist nicht mehr als Leistungssportler bei der Sportschule Frankfurt/Oder unterwegs. Der Gewichtheber ist jetzt Freizeit-Athlet, hat eine Ausbildung begonnen und hat trotzdem mehr Zeit für Kathrin. „Er macht viel mehr als vorher in unserem Haushalt. Und ich bin froh, wenn er mich vor wichtigen Wettkämpfen auch mental unterstützt“, verrät die Mockritzerin. 

Ein Hobby, dem Kathrin Murche gerne nachgeht, ist die Jagd. „Vergangenes Jahr im September habe ich die Prüfung für den Jagdschein bestanden. Und wenn es die Zeit erlaubt, gehe ich mit einem Nachbarn aus Mockritz auf die Jagd, die mir sehr viel Freude bereitet.“  

Zurück zu den sportlichen Zielen der Trapschützin. „Ich hoffe, dass sich mit den Corona-Impfungen auch die sportliche Situation positiv verändert. Das gönne ich natürlich allen Menschen. Aber ich möchte dann auch beweisen, dass mein hartes Training nicht umsonst ist. Vielleicht klappt es noch mit einigen Weltcups und wichtigen internationalen Meisterschaften wie WM und EM.“

Den Sprung in die Nationalmannschaft hat die junge Schützin geschafft. Sie gilt derzeit gemeinsam mit Sarah Bindrich (23) vom SV Hubertus Schönebeck als zweitbeste Deutsche. „Katrin Quoos, Weltmeisterin von 2014 aus Wittstock, ist derzeit klar die Nummer eins bei uns“, schätzt die Nordsächsin ein. Das sie voll trainieren kann, hängt mit ihrer Sportart zusammen: Sie kann allein schießen und der Trainer kann dabei den geforderten Abstand halten.


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