Mittwoch, 14. April 2021
Mittwoch, 13. Januar 2021

Corona hinterlässt Steuerloch

Von Frank Hörügel

Oschatz/Torgau. Nach einem Vergleich des Online-Dienstleisters Lohnsteuer-kompakt.de brauchte das Oschatzer Finanzamt im Vorjahr durchschnittlich 56 Tage für die Bearbeitung eines Steuerfalles – etwas länger als im sächsischen Durchschnitt. Die Bearbeitungsgeschwindigkeit hat sich aber im Vergleich zu 2019 deutlich erhöht. Fragen dazu an Norman Schröder, Amtsvorsteher des Oschatzer Finanzamtes.

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Decken sich die aktuellen Zahlen von Lohnsteuer-kompakt.de mit Ihren Zahlen?

Nein. Wir waren tatsächlich viel besser. Von „Lohnsteuer-Kompakt“ werden nur Erklärungen erfasst, welche auch über das Portal im Auswertungszeitraum an die Finanzverwaltung versandt wurden. Hier müssen pro Finanzamt mindestens 50 Erklärungen vorhanden sein. In unseren Auswertungen werden hingegen alle eingereichten Steuererklärungen erfasst.

Daher kommt es zu erheblichen Differenzen zu unseren wirklichen Arbeitsergebnissen. Statistisch unterscheiden wir im Finanzamt bei den Einkommensteuererklärungen zwischen denen des „klassischen“ Arbeitnehmers und solchen, die anstatt oder neben Arbeitslohn noch andere Einkünfte – zum Beispiel aus einem Gewerbebetrieb oder aus einer Vermietungstätigkeit – haben, bei uns sonstige Einkommensteuerpflichtige genannt.

Bei den sogenannten Durchlaufzeiten, also die Zeitspanne zwischen dem Eingang der Steuererklärung und dem Datum des Steuerbescheides in Tagen, haben wir uns 2020 im Bereich der sonstigen Einkommensteuerpflichtigen gegenüber dem Vorjahr erheblich von 67 Tagen auf nur noch 51 Tage verbessert. Das entspricht einer Verringerung um fast ein Viertel.

Und wie sieht es bei den „normalen“ Steuerzahlern aus?

Bei den „klassischen“ Arbeitnehmern haben wir die durchschnittliche Bearbeitungsdauer gegenüber 2019 sogar um rund 40 Prozent auf nur noch 41 Tage reduzieren können. Das sind bärenstarke Ergebnisse unserer Mitarbeiter und richtig gute Nachrichten für die Bürgerinnen und Bürger der Altkreise Oschatz und Torgau, die ihren Steuerbescheid und damit oftmals auch Steuererstattungen viel schneller als in den Vorjahren erhalten haben.

In Anbetracht der zusätzlichen Aufgaben und Herausforderungen, die Corona seit Anfang März auch für unsere Bediensteten mit sich gebracht hat, sind das herausragende Verbesserungen.

Wie haben Sie das geschafft?

Unsere sehr guten Ergebnisse haben ganz sicher mehrere Ursachen. Allen voran ein enormes Engagement unserer Bediensteten über das gesamte Jahr. Trotz Corona sind wir 2020 von krankheitsbedingten Ausfällen im größeren Umfang zum Glück verschont geblieben. Viele haben mit Beginn des ersten Lockdowns in Telearbeit gewechselt und konnten auch bei vorübergehenden Schul- und Kita-Schließungen oder auch während einer Quarantäne effizient arbeiten.

Dennoch liegen Sie noch leicht über dem sächsischen Durchschnitt von 52,80 und dem bundesweiten Durchschnitt von 53,1 Tagen. Können Sie diese beiden Messlatten im laufenden Jahr reißen?

Gemessen an unseren statistischen Auswertungen liegen wir mit einer Bearbeitungszeit von 41 Tagen bei den „klassischen“ Arbeitnehmern genau im Durchschnitt der sächsischen Finanzämter. Bei der Veranlagung der sonstigen Einkommensteuerpflichtigen sind wir gar um einen Tag schneller.

Im neuen Jahr wollen wir uns auf diesem guten Niveau erst einmal stabilisieren. Vor allem da auch einige unserer Bediensteten seit Ende des vergangenen Jahres das Gesundheitsamt des Landkreises Nordsachsen unterstützen, scheint mir dies Herausforderung genug.

Im Jahr 2019 konnten Sie sich auf die Unterstützung von 66 Kolleginnen und Kollegen (gerechnet in Vollzeitstellen) stützen. Ist dieser Personalbestand ausreichend, um die Bearbeitungsdauer weiter zu verkürzen?

Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer hängt nicht nur von der Anzahl unserer Bediensteten ab. In der Einkommensteuerveranlagung waren 2020 im Finanzamt Oschatz nicht nennenswert mehr Kolleginnen und Kollegen eingesetzt als 2019.

Wenn noch mehr Steuerpflichtige ihre Steuererklärung elektronisch anstatt in Papierform abgeben, werden wir auch die Bearbeitungszeiten weiter verringern können. Denn dies spart schon einmal die Zeit, die es für die Überführung der Daten aus den Papiererklärungen in unser IT-System braucht.

Wie funktioniert das?

Über das Online-Portal „Mein ELSTER“ (www.elster.de) ist das ganz komfortabel möglich.

Im Jahr 2019 haben sie bei der Einkommensteuerveranlagung rund 30 000 Fälle aus den Gemeinden Oschatz und Torgau nebst Umland bearbeitet. Ist diese Zahl noch aktuell?

Ja, das war auch in 2020 unser Arbeitspensum in diesem Arbeitsbereich.

Wie groß ist das Steueraufkommen 2020, das vom Finanzamt Oschatz abgerechnet wird im Vergleich zum Vorjahr?

Das Steueraufkommen betrug im Jahr 2020 etwa 178 Millionen Euro und damit etwas mehr als sechs Prozent weniger als 2019.

Wirkt sich die Corona-Pandemie auf das Steueraufkommen in 2020 aus?

Das Steueraufkommen des Finanzamtes Oschatz ist, wie bereits in der vorherigen Frage beantwortet, zurückgegangen. Inwiefern dieser Rückgang alleinig auf die Corona-Pandemie zurückzuführen ist, kann nicht konkret unterlegt werden.

Schauen Sie bitte mal für uns in die Glaskugel: Wie wird sich das Steueraufkommen im laufenden Jahr entwickeln?

Derart hellseherische Fähigkeiten besitze ich leider nicht.

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