Samstag, 27. Februar 2021
Donnerstag, 14. Januar 2021

Die Bagger können rollen

Mit Verve legt Freie-Wähler-Stadtrat Axel Klobe seine Positionen zum Bahnhofsneubau dar. Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau. Den Abriss vergeben oder den Beschluss dazu ersteinmal aussetzten? So lautete die zentrale Frage am Mittwoch im Stadtrat. Reiard Wehner hatte für Letzteres noch einen Trumpf im Ärmel.

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Am Mittwoch wurden im Stadtrat die Bauleistungen für den Abriss und den Neubau des Bahnhofsgebäudes beschlossen. Auf Antrag von LINKE-Stadtrat Ulf Podbielski erfolgte die Abstimmung mit namentlicher Erfassung der Stimmen. Beide Beschlüsse wurden mit großer Mehrheit gefasst, lediglich Dr. Frank Henjes (SPD), Ulf Podbielski und Karl-Friedrich Potzelt enthielten sich. Es fehlten die Räte Michael Bagusat-Sehrt (LINKE) und Heiko Trinks (SPD).

Reinhard Wehners Position
Vor der Abstimmung bekommt Reinhard Wehner die Chance, sein Vorhaben und den Stand seiner Petition dem Stadtrat und der Verwaltung darzulegen. Extra dafür räumen ihm die Räte auf Antrag Henry Goldammers gleich zu Beginn der Sitzung einmütig das Rederecht ein. „Ich hatte gar nicht damit gerechnet, hier etwas sagen zu können“, zeigt er sich überrumpelt. Sein Vortrag ist demzufolge keine ausgefeilte, logisch stimmige Rede mit neuen Fakten, sondern nur eine Wiedergabe des bisher schon hinlänglich Bekannten. „Ich habe einen Investor, der mir sein Engagement schriftlich zugesichert hat“, sagt der Melpitzer. Außerdem hätten insgesamt etwa 500 Torgauer seine Petition unterzeichnet, sowohl digital als auch analog. Den Namen des Investors nennt er auch auf Nachfragen der Oberbürgermeisterin Romina Barth und einiger Stadträte nicht. „Für seinen Namen bürge ich höchstpersönlich. Er ist ein gestandener Geschäftsmann aus Torgau", erläutert Reinhard Wehner zum Investor. Dieser habe die Anonymität vorerst so gewünscht. Sollten die Räte den Abrissbeschluss widerrufen, dann werde Reinhard Wehner den Namen nennen.

Reaktion der Stadträte
Respekt und Unverständnis – diese beiden Worte kennzeichnen die Reaktionen der Stadträte auf Reinhard Wehners Bemühungen in allerletzter Sekunde. Viele lobten seine Ideen und auch das Engagement, aber es sei nun mal zu spät. „Es ist eigentlich schon fünf nach zwölf“, ordnete Dr. Volkmar Harzer ein. So sei für ihn die Wehnersche Aktion als Scharlatanerie einzustufen. „Die Stadträte sollen bei ihrer Entscheidung bleiben“, ruft er auf. An der Stelle setzt auch Henry Goldammer an. Er hätte sich den Namen des Investors gewünscht. „Es geht hier um Vertrauen“, macht er klar. Außerdem sei die Meinung der Bürger durchaus nicht so eindeutig, wie es Reinhard Wehner darstelle. „Das zeigen doch schon die Beiträge unter den Facebook-Einträgen zu den Berichten über Ihre Aktion“, begründet der CDU-Fraktionschef. 

Axel Klobe ringt sich ein wenig Bewunderung für den Einsatz ab, berichtet dann aber über seine Erfahrungen mit dem ebenso kontroversen Schulabriss im Röhrweg: „Ich ging damals zur Stadtverwaltung und habe mich informiert, warum das so ist. So hätte ich mir das auch von Ihnen gewünscht." Durch eben jene Informationen habe er sich ein genaues Bild über die damaligen Hintergründe der Entscheidungen machen können und es auch verstanden.

„Ich bedanke mich bei der Stadt, dass sie diese Art Bürgerbegehren zulässt", beginnt Konrad Theobald seine Ausführungen.  „Es wundert mich allerdings, dass Sie plötzlich aus der Kalten heraus ein derartiges Interesse an den Tag legen“, staunt er über Reinhard Wehners plötzlichen Eifer, wo man doch bereits seit mindestens zehn Jahren über den Bahnhof diskutiere. Aufwendigen Nutzungsideen mit Magnetfunktion für die Reisenden hält der CDU-Stadtrat das Verhalten der Bahnnutzer in Torgau entgegen.  „Torgau ist ein Pendlerbahnhof. Da hält sich niemand auf“, stellt er fest.

„Die Präsentation ist eine Zumutung. Er ist nicht legitimiert, für die Bürger Torgaus zu sprechen", schimpft Dieter Glimpel. „Ich ziehe den Umkehrschluss – die Torgauer wollen den Neubau“, so der AfD-Stadtrat weiter. Darum werde er bei seiner  Linie bleiben. „Auch wenn der neue Bahnhof kein architektonisches Meisterstück ist.“

Dr. Frank Scherzer war von der Idee eines Investors schon angetan. „Für die Presse hätte ich mir aber gewünscht, dass es wenigstens ein reicher Russe gewesen wäre", sagte der CDU-Stadtrat.

Kompromiss
„Wir haben das Gebäude gekauft und beschlossen, es zu sanieren und weiter zu nutzen", sagt Ulf Podbielski. Der Stadtrat der LINKEN ist der Einzige, der noch so etwas wie Feuerschutz für Reinhard Wehner gibt. „Wir hatten beim Kauf aber kein Konzept“, wiederholt er den alten Kritikpunkt der LINKEN.

Nach etwa 22 Minuten der Diskussion hatte Henry Goldammer die Faxen langsam dicke. „Es ist alles gesagt. Wir haben uns alle unsere Meinung gebildet", wünschte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende ein Fortschreiten in der Tagesordnung. Zum Schluss der Diskussion bot Romina Barth folgenden Kompromiss an: „Wir lassen die Fassade des Bahnhofsrestes im Stil von 1800 aufhübschen. Später können der Investor oder auch Sie kostenlos das Gebäude nutzen, wenn das Stellwerk mal raus ist.“


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