Samstag, 27. Februar 2021
Freitag, 22. Januar 2021

Rainer Tomaschek: "Brillenkauf ist Vertrauenssache"

Rainer Tomaschek (l.) übergibt an Schwiegersohn Jens Kießig: „Ich weiß mein Geschäft in guten Händen.“ Foto: SWB/HL

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Rainer Tomaschek über einen Schlussstrich, einen Zufall und seinen Nachfolger

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Torgau. Am 1. Februar übergibt Rainer Tomaschek, Diplomoptiker/Optometrist (FH) sein Geschäft in der Leipziger Straße 15 in Torgau an seinen Schwiegersohn Jens Kießig. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch schaut Tomaschek in den Rückspiegel und nach vorn.

SWB: Dominiert bei Ihnen das lachende oder weinende Auge, nach 30 Jahren Selbstständigkeit in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen?
Rainer Tomaschek: Das lachende Auge überwiegt, weil irgendwann Schluss sein muss mit dem Berufsleben. Ich werde am 1. Februar 66 Jahre: An diesem Tag erfolgt die Geschäftsübergabe an meinen Schwiegersohn Jens Kießig.  


Beschleichen Sie vor Ihrem neuen Lebensabschnitt die Wehmut oder die Vorfreude auf das Kommende?
Langeweile kommt bei mir nicht auf: Es gibt genug zu tun! Ich habe beruflich einen Schlussstrich gezogen. Also überwiegt die Vorfreude. Und wenn mein Nachfolger eine Frage hat, bekommt er natürlich eine Antwort (lacht). Letztendlich weiß ich mein Geschäft in guten Händen: Mein Nachfolger ist langjähriger Augenoptikermeister, springt also nicht ins kalte Wasser.


Wie wird man Augenoptiker?
Bei mir mehr oder weniger durch Zufall. Ich wurde in der 9. Klasse gefragt: Was willst Du werden? Damals gab es noch keinen Datenschutz (lacht). Mein Klassenlehrer hätte es gern gesehen, wenn ich eine Berufsausbildung mit Abitur gemacht hätte.


Und was wollten Sie?
Ein Mädchen aus meiner Klasse wollte Optikerin werden. Der Ausbildungsbetrieb suchte allerdings einen männlichen Bewerber. Und da ich in Mathematik und Physik nicht der Schlechteste war, habe ich mich beworben und von 1971 bis 1974 bei Karl Stechemesser in Torgau gelernt.


Wie ging es dann weiter?
Nach der Lehre habe ich zwei Jahre als Geselle gearbeitet, ehe es in Jena mit dem Studium klappte. Nach dem Abschluss 1979 habe ich ein Jahr als Optiker in Eilenburg gearbeitet, wo ich viel gelernt habe und eine gewisse Routine in den Abläufen bekam. Seit 1981 arbeitete ich bei Karl Stechemesser als Meister. Kurz vor der Wende wollte ich mich selbstständig machen.


Das war in der ehemaligen DDR nicht so einfach.
Richtig. Ich brachte mein Ansinnen bei der Öffentlichen Versorgungswirtschaft des Rates des Kreises Torgau vor und wurde mit dem Hinweis, dass es in Torgau schon zwei Optiker gebe, abgelehnt. Dann kam die Wende und ich meldete mein Gewerbe am 27. März 1990 an. Allerdings haperte es damals an Gewerberäumen. Die HO und der Konsum wollten nicht an Privatleute verkaufen, sodass ich in der Leipziger Straße in eine Wohnung zog und mein Geschäft am 27. November 1990 schließlich eröffnen konnte.  Das 30-jährige Jubiläum im vergangenen Jahr hätte ich mir durchaus anders vorgestellt. Aber dieser Umstand ist nicht zu ändern.


Was ist das Reizvolle an Ihrem Beruf?  
Vor allem die Vielseitigkeit, die der Beruf mit sich bringt und der Umgang mit den Kunden. Von der Augenprüfung, der Beratung, der Bestellung der Gläser sowie das In-Form-Bringen, Zentrieren und Einfassen der Gläser bis zur fertigen Brille liegt alles in einer Hand. Und wenn die Kunden wieder besser sehen können, freut man sich.  


Wie haben sich Brillen im Laufe der Jahre verändert? Brillen gelten auch als Mode-Accessoire.
Ja, die Brille ist heute keine reine Sehhilfe mehr, sondern auch Ausdruck der Persönlichkeit und des Stils. Natürlich ist eine Brille der Mode unterworfen –  die Fassungsdesigner lassen sich in Bezug auf Größe, Form und Farbgestaltung immer wieder etwas Neues einfallen. Ich habe zu meinen Kunden gesagt: Die Brille muss zu Ihnen passen und Sie müssen sich damit identifizieren. Brillenkauf ist Vertrauenssache!


Was werden Sie künftig mit der vielen freien Zeit machen?
Langweilig wird es nie. Meine Frau Jutta und ich lesen gern. Wenn es wieder wärmer wird, haben wir im Garten zu tun. Außerdem fahren wir Rad und gehen Schwimmen.


Haben Sie besondere Erinnerungen an die letzten 30 Jahre?
Als ab dem Jahr 2004 der Kassenzuschuss für die neue Sehhilfe wegfiel, boomte im Jahr zuvor unser Geschäft. Jeder wollte noch eine neue Brille: Wir hätten Tag und Nacht arbeiten können. Es war extrem viel Arbeit, wir kamen kaum dazu, Luft zu holen. Danach gab es erst mal eine Flaute.


Die Nachfolge ist gesichert. Ihr Schwiegersohn Jens Kießig übernimmt Ihr Geschäft: Mussten Sie ihn lange überzeugen?
Nein, gar nicht. Er hat sich schon länger mit dem Gedanken beschäftigt, sich selbstständig zu machen. In seinen 23 Berufsjahren konnte er vielseitige Erfahrungen machen. Er freut sich darauf, sein eigener Herr zu sein. Nun hat er mehr Verantwortung, aber ich lasse ihn nicht im Regen stehen (lacht).


Was bleibt abschließend noch zu sagen?
Natürlich möchte ich mich bei meinen Kunden für die jahrelange Treue bedanken. Ich bin mir sicher, dass auch ab 1. Februar für Ihren guten Durchblick gesorgt wird, bitte schenken Sie Jens Kießig ebenso Ihr Vertrauen!


Zum Schluss soll noch Nachfolger Jens Kießig, staatlich geprüfter Augenoptiker und Augenoptikermeister zu Wort kommen: „Ich musste nicht lange überlegen, das Geschäft von meinem Schwiegervater zu übernehmen, auch wenn ich dafür ein sicheres Arbeitsverhältnis aufgegeben habe. Ich habe mit meiner Familie die Entscheidung abgewogen und alles für die Übernahme in die Wege geleitet. Nach 30 Jahren sind die Fußstapfen, die Rainer hinterlässt, sicherlich groß. Als Optiker ist man nicht nur Sehberater, sondern Zuhörer und Wegbegleiter. Über die Jahre baut sich ein sehr persönliches und freundschaftliches Verhältnis zum Kunden auf. Mit dem Anschaffen neuer Messtechnik lässt sich das Sehen genauer analysieren und dem Kunden darstellbar machen.“


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