Montag, 8. März 2021
Donnerstag, 28. Januar 2021

Vier Künstler gestalten Kunst für Torgau

Von unserem Redakteur Bärbel Schumann

Torgau. Die vier Sieger im Kunstwettbewerb stehen fesat. Ihre Entwürfe sollen ab Februar in Torgau umgestezt werden.

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Die Jury, bestehend aus Mitgliedern des Bundes Bildender Künstler Leipzig, der Landesgartenschau gGmbH sowie Vertretern aus den Fachbereichen Kultur, Denkmalschutz und Geschichte der Stadt Torgau, hat entschieden, wer die Sieger beim künstlerischen Wettbewerb „Natur, Mensch, Geschichte – Verbindungen schaffen“ geworden sind.  Die vier Entwürfe von Philipp Fritzsche, Pia von Reis, Reinhard Krehl und Marcus Jansen machten am Ende eines zweistufigen Wettbewerbes das Rennen. Im Vorfeld der Landesgartenschau Torgau soll Kunst im öffentlichen Raum die Verbindung zwischen Natur, Mensch und Geschichte in der Elbestadt widerspiegeln. 

„Insgesamt haben elf Künstler sich am Wettbewerb beteiligt.Wir hatten dazu Künstler aus Sachsen und Mittelsachsen im vergangenen Jahr aufgefordert, sich daran zu beteiligen. Heute kann ich sagen, dass wir als Bund Bildender Künstler Leipzig uns eigentlich eine regere Teilnahme erhofft hatten. Mit 20 bis 25 Wettbewerbsbeiträgen hatten wir schon gerechnet“, sagt Franziska Möbius, Mitglied der Jury und Betreuerin des Vorhabens beim Bund Bildender Künstler Leipzig.  

Umsetzung beginnt

Bereits im Juni sollen die Kunstobjekte in Torgau fertig sein und übergeben werden. Im Februar werden die Künstler mit dem Umsetzen ihrer Entwürfe an den vorgesehenen Standorten beginnen. Bis zum Ende der Landesgartenschau im Oktober 2022 werden sie dann im im öffentlichen Raum der Stadt Torgau präsentiert. Dann wird entschieden, welches der Objekte weiter zu sehen sein wird.

Das Kunstprojekt erfolgt im Vorfeld der Sächsischen Landesgartenschau. Oberbürgermeisterin Romina Barth: „Ich freue mich auf die Umsetzung der vielfältigen Entwürfe, die nicht nur Vorboten der Landesgartenschau sind, sondern mit unterschiedlichster Formensprache zum Nachdenken über das Verhältnis zwischen Mensch und Natur anregen.“ In einem zweistufigen Ideenwettbewerb konnten vier Entwürfe die Jury überzeugen, die ihre finale Entscheidung in einer digitalen Sitzung fällte.

Kunstobjekt Nikolaikirche

Der Entwurf „Laubhauer“ des Künstlers Marcus Jansen zeigt eine überdimensionierte bewegliche Pflanzenskulptur, die quasi aus der überformten und verfallenen Fassade der Nikolaikirche herauswächst. Laubhauer waren im 15. Jahrhundert auf Pflanzenskulpturen spezialisierte Steinmetze. Für die Skulptur wird der Löwenzahn als eine aus dem Alltag bekannte und symbolbehaftete Pflanze gewählt. Die Applikation auf die verwitterte Kirchenwand steht im Spannungsfeld zwischen alter Bausubstanz, botanischer Forschung und moderner Formgebung. 

Ein Spaten wird Kunst

Ein übergroßer aus dem Boden ragender Spaten aus Edelstahl verkörpert den vom Künstler Philipp Fritzsche konzipierten „Einschnitt“. Als Anspielung auf ritualisierte Spatenstich-Feierlichkeiten entsteht die „Baustelle“ im Kopf des Betrachters. Vorgesehen ist die Umsetzung in Bahnhofs- und Glacisnähe. Die Skulptur verweist darauf, dass jeder Spatenstich ein Einschnitt in die Natur ist und dass die Nutzbarmachung dieser den Anfang unserer Zivilisation bedeutet – eine Ermächtigung, die uns immer mehr Sorgen bereitet und auch ein Umdenken verlangt. 

Verbindung zu Kentmann

Die Künstlerin Pia von Reis entwickelt eine „Weidenstele“, die mit traditionellen Flechttechniken aus lebenden und weiter wachsenden Weidenteilen gefertigt wird. Verschiedene Weidenarten fanden bereits im Kräuterbuch des Johann Kentmann Beachtung und spielten durch das aus ihr gewonnene Schmerzmitttel Salicylsäure in der Medizingeschichte eine wichtige Rolle. Das lebendige Material verkörpert Stabilität und Veränderung gleichermaßen. Die Skulptur vereint in sich handwerkliche und medizinhistorische Tradition. Präsentiert werden soll die Stele voraussichtlich im Bereich zwischen Stadtkirche und Apothekergarten. 

Kunst und Musik geeint

Auf der anderen Seite der Torgauer Stadtkirche zeigt der Künstler Reinhard Krehl eine Holz-Installation mit akustischen Elementen. Der Entwurf „Pyramus ruft Thisbe“ bezieht sich auf ein Liebespaar der griechischen Mythologie, das nicht zueinander finden kann, später adaptiert als Romeo und Julia. Pyramus und Thisbe konnten nur durch einen Spalt in der Hauswand miteinander kommunizieren. Der entstehende Holzblock symbolisiert Pyramus. Aus seiner Öffnung erklingt Musik: Der Ruf nach Thisbe. Pyramus ist jedoch kein lebendiger Baum mehr, sondern vom Menschen zersägtes Naturmaterial. Der Betrachter gerät in die Rolle der Thisbe: Wir lauschen den Klängen der Natur und wollen uns mit ihr verbinden, doch es gelingt nicht mehr. Krehl thematisiert den Konflikt zwischen Natur, Technik und Zivilisation, der immer aktueller und beklemmender wird. Das Musikstück wird eigens für diese Installation von Martin Wistinghausen komponiert und in Kooperation mit der Torgauer Johann-Walter-Kantorei aufgenommen.

Gemeinsam fördern

Unterstützt wird das von der Stadt Torgau getragene und in Kooperation mit dem Bund Bildender Künstler Leipzig durchgeführte Projekt vom Kulturraum Leipziger Raum, von der Kulturstiftung Sachsen, den Stadtwerken Torgau sowie der Sparkassenstiftung für die Region Torgau-Oschatz. „Der Großteil davon wird vom Kulturraum und der Kulturstiftung des Freistaates getragen“. so Pia Schilberg, Leiterin des Referates Kultur der Stadt Torgau. Insgesamt rund 27000 Euro werden für die Umsetzung des Vorhabens benötigt. Mit dem Kunstprojekt, so Schilberg, knüpfe die Elbestadt an vorangegangene gemeinsame Aktionen mit dem Bund Bildender Künstler an. Manches, was so bereits geschaffen wurde, wie der Lebenslauf Katharinas als Kunstobjekt, findet man noch immer in der Stadt. 


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