Sonntag, 19. September 2021
Freitag, 29. Januar 2021

"Wir sind der Feuerwehr heute noch sehr dankbar"

Dr. Almuth Bretschneider vom Ingenieurbüro, Dachdeckermeister Thomas Häder und Andreas Hesse, Vorsitzender des Vereins Elblandbahn Foto: Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Dommitzsch. Der Verein Elblandbahn saniert seit 2016 Schritt für Schritt den Dommitzscher Bahnhof und kann mittlerweile beachtliche Erfolge verzeichnen. TZ hatte Gelegenheit, sich vor Ort umzuschauen. 

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Dr. Almuth Bretschneider ist eine rührige Frau. Die Ingenieurin für Bauwesen aus Bad Schmiedeberg kennt sich aus in ihrem Metier. Und sie zollt den Mitgliedern des Vereins Elblandbahn in Dommitzsch allergrößten Respekt. 

Denkmal retten 

Dass, was die Männer und Frauen hier anpacken, ist aller Ehren wert. Sie helfen mit, ein Stück Infrastruktur und Zeitgeschichte für die Zukunft zu bewahren. Und: Sie knien sich gerade voll rein, mit dem Dommitzscher Bahnhof ein Denkmal zu retten. Die ersten Erfolge sind schon deutlich sichtbar. In dieser Woche war Dr. Almuth Bretschneider wieder vor Ort, um gemeinsam mit Dachdeckermeister Thomas Häder den Güterschuppen und weitere Nebengebäude in Augenschein zu nehmen. Nach einem Brand vor zehn Jahren sind Dach und Balkenkonstruktionen schwer beschädigt. Regenwasser tropft durch. Im Grunde muss die ganze hintere Seite samt Vordach komplett erneuert werden. 

„Wir sind der Feuerwehr heute noch sehr dankbar, dass sie an jenem Märztag 2010 durch schnelles Handeln Schlimmeres verhindert hat“, lobt der Vorsitzende Andreas Hesse. Nur so hatte der Verein 2016 überhaupt die Möglichkeit, ein Projekt voranzutreiben, das sehr ehrgeizig ist. Und in der Region nicht ganz unumstritten. Denn die Mitglieder des Vereins Elblandbahn wollen nicht nur den Dommitzscher Bahnhof auf Vordermann bringen, sondern auch die gesamte Bahnstrecke von Pretzsch bis Torgau reaktivieren. 

Visionen und Pläne 

Dr. Almuth Bretschneider unterstützt die Mitglieder bei ihren Visionen und Plänen. Sie hat bereits in den letzten zwei Jahren im Rahmen einer LEADER-Förderung ein Nutzungskonzept für das Gebäude erstellt. Und sie ist überzeugt davon, dass dieses Stück Infrastruktur irgendwann auch für die Allgemeinheit wieder Bedeutung erlangt. Vielleicht nicht morgen oder übermorgen. Aber eines Tages Gewiss. Denn dass der Kollaps auf der Straße droht, sei absehbar. Immer mehr Autos, immer mehr Güter, die von A nach B transportiert werden müssen. Das Netz aus Asphalt und Beton im Land sei nicht beliebig erweiter- und ausbaubar. 

Hinzu kommt der Umweltgedanke. Irgendwann wird es sicher (auch) eine Rückkehr zur Schiene geben. Dann vielleicht mit effizienteren und kostengünstigeren Technologien. Andere Länder zum Beispiel in Fernost arbeiten schon fleißig daran, weiß Dr. Almuth Bretschneider. Bis dahin heißt es: die Substanz retten und erhalten! Genau das wollen die Mitglieder vom Verein Elblandbahn. Und das tun sie Stück für Stück und mit viel Liebe und Eigeninitiative.

Schon Erfolge 

„Wir haben ein großes Umfeld, das uns unter die Arme greift. Sei es durch Bereitstellung von Material, durch Arbeitsleistungen oder durch Spenden“, freut sich Andreas Hesse. So konnten in den vergangenen vier Jahren zahlreiche Dinge im alten Bahnhof wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. Bei einem Rundgang präsentiert der Vereinschef stolz aufgearbeitete Türen, erneuerte Stellwerkstechnik, eine originale Waage und eine funktionierende Bahnhofsuhr an den Gleisen. Eine Firma hat die Schornsteine instand gesetzt. In einem Nebengebäude liegen große Dachbalken zur Verarbeitung bereit. Ein Steinmetz besserte außen die Verladerampe mit Natursteinen aus. Eine Pendeltür für den überdachten Wartebereich wird momentan in einer Tischlerei restauriert. In einem Raum hängen historische Fotos und in einer Ecke ist sogar ein echter Tresor Marke „Franz Jäger“ zu bestaunen. Man spürt, mit wie viel Liebe zum Detail die 29 Mitglieder agieren. Und man staunt, welch langen Atem sie dabei zeigen. Fast täglich ist jemand vor Ort. 

Viele Unterstützer 

Das Dach des Hauptgebäudes stand 2016 als erstes im Blickpunkt. Nach dessen Instandsetzung ging es kontinuierlich weiter. Dabei legten auch viele Firmen Hand an. „Wir versuchen meist, die Eigenmittel aus eigener Tasche abzudecken, ohne uns zu verschulden“, geht Andreas Hesse auf die Finanzierung ein und richtet in dem Zusammenhang ein großes Dankeschön an alle Förderer und Sponsoren. Auch an jene, die Aufträge zum Vorzugspreis realisieren oder die günstig Material zur Verfügung stellen. Was möglich ist, werde mit eigener Kraft umgesetzt. 

„Trotzdem kann es auf Dauer nicht ohne Fördermittel funktionieren“, wirft Dr. Almuth Bretschneider ein. Deshalb arbeitet sie gerade weiter konzentriert an einem Konzept – das den Bahnhof Dommitzsch als „Highlight“ an einer funktionierenden Bahnstrecke Torgau-Pretzsch in den Mittelpunkt stellt. Das bedeutet zugleich, dass der Verein Elblandbahn intensiv daran arbeiten muss, die Strecke in einen Zustand zu versetzen, dass ein laufender Betrieb gewährleistet werden kann. Auch hier liege bereits ein Nutzungskonzept erstellt von der Ilztalbahn GmbH vor. 

Grober Fahrplan 

Laut Andreas Hesse gibt es zudem Kontakte zum Eisenbahnbundesamt, Außenstelle Dresden, zum Eisenbahningenieurbüro und zum Sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit. Große Abschnitte der Bahnstrecke sind bereits freigeschnitten, einige Weichen und auch Gleisanlagen schon erneuert. „Bis zum Sommer konzentrieren wir uns auf das Gebäude, im Winter machen wir mit der Strecke weiter“, gibt der Vereinschef einen groben Fahrplan vor.

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