Montag, 17. Mai 2021
Freitag, 29. Januar 2021

Die "Neue" in Dreiheide zieht ihr erstes großes Fazit

Karta NiejakiFoto: TZ/Schumann

Von Bärbel Schumann

Dreiheide. Im Mai des vergangenen Jahres trat Karsta Niejaki  (51) nach der Neuwahl das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Dreiheide an. Sie trägt damit Verantwortung für 2102 Einwohner, die in  Süptitz, Großwig und Weidenhain leben. 

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Frau Niejaki, das Jahr 2020 hielt für uns alle große Herausforderungen bereit. Welchen mussten Sie sich ganz persönlich stellen und wie fällt Ihre Bilanz aus? 

Mit dem Amtsantritt im Mai 2020 bin ich in ziemlich kaltes Wasser gesprungen. Als absoluter Quereinsteiger habe ich in kurzer Zeit viel dazu lernen müssen. Schnell galt es Entscheidungen zu treffen, die man von mir verlangte, begonnene Projekte zu begleiten und zu vollenden und mich mit den unterschiedlichsten Anliegen auseinander zu setzen. Meine Bilanz ist, dass mich diese Aufgabe erfüllt, mich immer wieder neu fordert, die Vielseitigkeit Spaß macht, der direkte Kontakt zu den Bürgern wichtig und schön ist und ich ein gutes Verwaltungsteam um mich weiß. Kurzum: positiv. 

Wie ordnen Sie bei den Herausforderungen die Corona-Pandemie ein?

Sie war für uns alle eine ganz besondere. Ich freue mich über das Verständnis fast aller Eltern bei der Entscheidung, welches Kind Anspruch auf Notbetreuung hat, auch über das Verständnis unserer Erzieherinnen, für die wir neue geänderte Arbeitszeitregelungen treffen mussten. Die Bürger sind zum größten Teil diszipliniert, akzeptieren die Regeln. Als Schwachstelle sehe ich die Entwicklung im Allgemeinen: Fehlende Grundversorgung in den Dörfern, lange Arbeitswege, keine geregelten Arbeitszeiten, fehlende Dienstleister vor Ort … Dazu kommt die Trennung von Familien durch ferne Arbeitsorte. Das ist vor allem ein Problem für unsere älteren Bürger, die auf ihre Kinder angewiesen sind. Schwachstellen zeigen sich auch in der zunehmenden Bürokratie. Manchmal möchte man schnell helfen und stolpert über einen Wust von Anträgen, Vorschriften und Regularien. 

Was wurde alles 2020 erreicht? 

Wenn man so Resümee zieht, haben wir trotz Corona einiges geschafft. Dazu zählt die Sanierung der Sanitäreinrichtungen an der Grundschule Weidenhain, die Sanierung der Bockwindmühle, die Sanierung des Hölzchenweges in Süptitz. Ein neues Verkehrsleitsystem im Gewerbegebiet in Süptitz wurde umgesetzt. Für die Kita Weidenhain und für die Kita Großwig wurden neue Geräte für deren Spielplätze angeschafft. Diverse Straßensanierungen, den Bau eines Sachenlagers für die Feuerwehr in Weidenhain konnten wir auf den Weg bringen. Neben vielen kleineren Gebäudesanierungen wurden auch Renovierungsarbeiten in unseren Einrichtungen durchgeführt. Besonders gewichtig ist der Brandschutzbedarfsplan für die nächsten fünf Jahre, den der Gemeinderat kurz vor Jahresende beschloss. 

Konnten alle Projekte und Vorhaben umgesetzt werden? 

Nicht alle. Für manche nicht umgesetzten Dinge hat auf jeden Fall die Corona-Pandemie beigetragen. Viele Projekte, bei denen eine Zusammenarbeit mit den dafür zuständigen Ämtern unabdingbar ist, mussten aufgrund von Homeoffice oder dem Schichtbetrieb der Mitarbeiter terminlich verschoben werden. 

Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Gemeinde ein? 

Wir freuen uns, einen doch recht stabilen Stamm an Gewerbetreibenden zu haben, die maßgeblich zur Attraktivität unserer Gemeinde beitragen und mit ihrer Steuerkraft eine wichtige Säule bilden. Hinzu kommt, dass unsere Großunternehmen wie beispielsweise Torgau Kuvert, Bauunternehmen EZEL oder Elektro-Fink viele Arbeitsplätze bieten. Allein in den drei genannten Firmen arbeiten rund 420 Angestellte, mit der Erweiterung von Torgau Kuvert werden es rund 490 sein. 

Wie ist es um das Handwerk bestellt? 

Auch bei uns suchen die Handwerksbetriebe Arbeitskräfte und Fachpersonal, haben viele volle Auftragsbücher. Trotz Corona oder vielleicht wegen der Pandemie gibt es viel zu tun. Jedoch werden die klassischen Handwerksbetriebe, die wir noch aus Kinderzeiten kennen, immer weniger oder sind schon ganz verschwunden. Wir verfügen in Dreiheide noch über einen ganz ordentlichen Mix mit Zimmerei, Metallbau, Elektrotechnik, Markisenbau, Fliesenverlegung oder Hoch- und Tiefbau. Zwei Fleischer gibt es ebenfalls. 

Ist der Tourismus in Ihrer Gemeinde ein Thema? 

Die Entwicklung des Tourismus ist ein wichtiges Thema, schließlich leben wir in einer schönen Umgebung. Die touristische In-frastruktur ist mit Sicherheit ausbaubar. Radwege, Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten und gute Unterkünfte tragen zur Attraktivität für Touristen bei. Hier sehe ich noch Luft nach oben, gerade auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Dabei gibt es einiges, womit wir punkten können: Unberührte Natur, verträumte Orte und die Möglichkeit zu interessanten Tagesausflügen bilden eine gute Symbiose. Ich sehe auf jeden Fall Chancen. Gerade jetzt, wenn die Reisemöglichkeiten beschränkt sind. 

Wie schätzen Sie die Arbeit der freiwilligen Feuerwehren ein? 

In unseren drei Ortswehren wird engagiert gearbeitet. Sie schaffen es durch eine gute Kinder- und Jugendarbeit, Nachwuchs für die Wehren zu gewinnen. Der 2020 extern erarbeitete Brandschutzbedarfsplan hat bestätigt, wie einsatzbereit die Feuerwehren sind und auf welch doch hohem Niveau gearbeitet wird. Ein großes Engagement bringen unsere Wehrleiter und Jugendwarte vor Ort sowie der Gemeindewehrleiter ein. Darauf können wir stolz sein. Insofern mache ich mir um den Fortbestand der freiwilligen Feuerwehren derzeit keine Sorgen. 

Wie schätzen Sie die Arbeit der Ortschaftsräte ein? 

Unsere Ortschaftsräte machen sich viele Gedanken um ihre Heimatdörfer, bringen eigene Ideen oder Vorschläge ein. Engen Kontakt habe ich zu den Ortsvorstehern. Sie leisten gute konstruktive Arbeit und sind bei ortsspezifischen Angelegenheiten eine große Unterstützung. 

Das Leben in den Dörfern einer Gemeinde wird oft durch Vereine geprägt. Ist das in Dreiheide auch so? 

In Dreiheide sind rund 450 Bürger in neun Vereinen engagiert. Sie tragen alle auf ihre Weise zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Bereicherung im kulturellen und sportlichen Bereich bei. Leider ist nun gerade dieses Engagement in der Freizeit durch Corona eingeschränkt oder gar fast unmöglich geworden. Hier kann man nur auf bessere Zeiten hoffen. 

Worauf sind Sie am meisten stolz? 

Ich bin ja ziemlich quer in die Kommunalpolitik eingestiegen. Insofern bin ich stolz auf die gute Zusammenarbeit mit den Gemeinderäten und Unternehmen. Vieles wurde durch meinen Vorgänger und den stellvertretenden Bürgermeister ins Leben gerufen und vorgeplant. Meine Aufgabe war, dort anzusetzen und die Vorhaben weiter zu realisieren. Dass das erste „Großprojekt“ -– die Sanierung der Sanitäranlagen in der Grundschule -– innerhalb der Ferienwochen realisiert werden konnte, freute mich besonders. Das hatte ich anfangs nicht für möglich gehalten, da der Bereich komplett entkernt und wieder neu aufgebaut werden musste. 

Was freut Sie besonders? 

Ich freue mich, wenn eine Maßnahme planmäßig und zufriedenstellend abgearbeitet wurde und damit auch alle Beteiligten zufrieden sind. Ich freue mich, wenn – gerade während der Pandemie – unsere Angestellten Einsicht für Veränderungen und Einschränkungen haben. Ich freue mich über gute Gespräche mit Bürgern, Unternehmern, Mitarbeitern, Räten. Ich freue mich, wenn wir neue Ideen voranbringen können, damit unsere drei Orte lebenswert bleiben. 

Was sind die Aufgaben und Vorhaben für dieses Jahr? 

Es wäre zunächst sehr erfreulich, wenn wir die Corona-Pandemie eindämmen können und zum „normalen“ Leben und Arbeiten zurückkehren. Ich würde mich freuen, wenn es gelingt, unseren Haushalt für dieses Jahr so aufstellen zu können, wie wir ihn brauchen. Stillstand und Investitionsstau wären nicht gut. Im Etat bündeln sich die Aufgaben für 2021, die wir ja auch umsetzen möchten. Wie bereits angekündigt, liegt uns die Sanierung der Kita Süptitz am Herzen. Hier wollen wir statt des geplanten Umbaus, der den Kostenrahmen inzwischen sprengt, in die Sanierung des Bestandsgebäudes investieren. Schön wäre, wenn die Bewerbung für die Förderung einer neuen Krippe in Süptitz positiv beschieden wird. Die Pflege und Instandhaltung unserer Gebäude und Einrichtungen generell sind wichtige Aufgaben. Das dürfen wir nicht vernachlässigen. Die Herstellung der barrierefreien Haltestelle in Weidenhain sowie der Einbau des Behinderten-WC in der Turnhalle, die Digitalisierung der Grundschule, die Umsetzung des Brandschutzes in der Kita sowie der Grundschule stehen auch noch auf dem Plan.

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