Samstag, 27. Februar 2021
Sonntag, 31. Januar 2021

"Das Tierwohl hat weiter oberste Priorität - darum wird renoviert!"

Der Plan für die Sanierung des Bärengrabens. Foto: TZ/Julia Sachse

von unserer Redakteurin Julia Sachse

Torgau. Die Bären Jette, Bea und Benno erwartet nach der Winterruhe ein von Experten umgestaltetes Außengehege. Anfang Februar beginnen die Bauarbeiten.

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Das Torgauer Büro von Jens Kabisch, seines Zeichens Beigeordneter des Landrats von Nordsachsen, liegt in der zweiten Etage des Flügels A auf Schloss Hartenfels. Eines seiner Fenster eröffnet ihm den Blick auf die Elbe, der Ausblick durch die zwei anderen bietet von März bis Dezember regelmäßig kleine Showeinlagen.

Sie liegen genau oberhalb des großen Bärengrabens, dem Außenbereich, linksseitig der Schlossbrücke, der den beiden jüngeren Petzen Bea und Benno als Auslauf und Spielplatz dient. Ab Mitte der Woche legen aber nicht die zu einem Wahrzeichen Torgaus gewordenen Braunbären „Hand“ an die darin liegenden Baumstämme und Felsen, sondern zahlreiche Bauarbeiter. Der Bärengraben wird, nach fast acht Jahren baulicher Ruhezeit, modernisiert. 

Weg vom „Zwinger“

„Wir haben vor Kurzem Frau Mierau als langjährige Bärenpflegerin aus gesundheitlichen Gründen aus dem Bären-Team verabschiedet, mit Heide Grieser, Susann Heinrich und Melanie Tennhardt aber weiterhin bestens auf die Bedürfnisse der drei Tiere eingestellte Tierpflegerinnen, sodass es, was ihren Alltag angeht, den Bären an nichts fehlt. Außer vielleicht an einem mal wieder neu gestalteten und für sie interessanteren Außengelände“, so Jens Kabisch.

Das allerwichtigste bei den Planungen für die Sanierung sei das Tierwohl gewesen und der Vorsatz, den streng genommen in Gefangenschaft lebenden Bären ein naturnah gestaltetes Gelände zu schaffen, in dem sie sich austoben, verstecktes Futter suchen und entdecken und auch Ecken zur Entspannung auftun können. 

Planungsrunde aus Experten

Wer wüsste besser, welche Anforderungen das an die Bauherren stellt, als die Pflegerinnen? „Niemand, da waren wir uns einig, als wir den Arbeitskreis gebildet haben“, bestätigt Kabisch, in dessen Arbeitsbereich als Hauptverantwortlicher für alle Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen am Schloss auch der Bärengraben fällt. „Außerdem haben wir Veterinärmediziner Dr. Markus Lohr dazu geholt, sowie alle Personen, die mit Pflege und Haltung der Bären in irgendeiner Weise zu tun haben oder ihnen seit Jahren schon immer wieder gern etwas Gutes tun, so wie die Bärenstifter um Benno Kittler“. 

Zum „Team Bärengraben“ zählte übrigens auch Gabriele Mierau – ihre Erkenntnisse aus jahrzehntelanger Erfahrung mit dem Spieltrieb und auch dem Zerstörungspotenzial sowie den Eigenheiten der Bären fanden Eingang in den Anforderungskatalog, der schließlich dem Planungsbüro Krahnstöver & Wolf vorgelegt wurde. Hannes Krahnstöver und Christoph Wolf nahmen diese auf und entwickelten ein auf die zoologischen Aspekte konzentriertes Konzept zur Umgestaltung des Geländes. 

Die Ingenieure: Vom Zoo ans Schloss

Aufträge dieser Art sind ihnen nicht neu, ganz im Gegenteil: Wer im Zoo Leipzig schon einmal das Löwengehege „Kiwara-Savanne“, das Affenhaus „Pongoland“ oder die Tropenerlebniswelt „Gondwanaland“ besucht hat, machte sich unbewusst einen Eindruck von ihrer Arbeit. Das Großpösnaer Planungsbüro war maßgeblich an allen drei Projekten beteiligt und bringt diese Expertise nun auch für die Heimstatt der Bären in Torgau ein. 

Eine Besonderheit des „neuen“ Gehegeauslaufes wird das Geländeprofil sein. Wie Jens Kabisch verrät, soll zum Beispiel ein hoher Kratzstamm in eine ausgehobene Kuhle gesetzt werden, der Aushub an anderer Stelle für einen kleinen Hügel oder die Gestaltung eines organischer verlaufenden und entsprechend bepflanzten Ufers – im Gegensatz zum heutigen Stufen-Pool – verwendet werden. Auch eine (für Besucher einsehbare) Felshöhle werden die Petze an geeigneter Stelle beispielsweise als Nässeschutz für Regenstunden vorfinden, wenn sie spätestens im März erstmals wieder ihre Spaziergänge dorthin unternehmen. 

Neue Herausforderungen

Die vorhandenen Baumstämme werden übrigens zum Großteil bleiben dürfen, finden aber neue Liegeplätze beziehungsweise werden als Kletterparcours arrangiert, sollen an verschiedenen Stellen Möglichkeiten für die Pflegerinnen bieten, Bea und Benno mit neuen Futterverstecken ein bisschen zu fordern, bevor diese sich daran gütlich tun können. Die in die Jahre gekommene Holz-Pyramide hingegen soll verschwinden. 

Wer bezahlt's?

Die Finanzierung der anstehenden Maßnahmen, für die ab Mitte der Woche auch ein Kran auf der Schlossbrücke den Besucherverkehr einschränken wird, stemmen Landkreis und Bärenstifter gemeinsam – und ohne Fördermittel. Wie das Landratsamt mitteilt, betragen die Gesamtkosten 70 000 Euro. Davon stammen 25 000 Euro aus Spenden der Torgauer Bärenstiftung. Auch Sachleistungen für die Baumaßnahmen seien angeboten worden, so Jens Kabisch. 

Je nach Witterung könnten die Bauarbeiten im Graben schon Ende Februar abgeschlossen sein. Dann, so sind sich alle Bärenverantwortlichen einig, sei die Reaktion der beiden Geschwister Bea und Benno das, worauf man sich am meisten freue. 

Bärin Jette soll kein Nachsehen haben

Ob auch Jette, inzwischen 33 Jahre alt und deutlich ruhiger als die beiden, eine Erkundungsrunde drehen werde, sei noch nicht entschieden. Aufgrund der Dynamik zwischen den beiden Weibchen habe sich die Haltungssituation in getrennten Gehegen bewährt, bestätigt auch Heide Grieser nochmal. Jette nehme sich viele Pausen, habe einen eingespielten Rhythmus, der die dominante Bea durchaus ärgern kann. Ihr Bruder wisse sich gut zu wehren, habe als deutlich größeres Männchen da wohl mindestens einen körperlichen Vorteil. 

Momentan, so viel verrät das Bärenteam, seien alle drei ihrem Alter entsprechend gut konstituiert. Jette bekäme zwar Medikamente, die ihre Gelenkschmerzen lindern, aber aus veterinärmedizinischer Sicht stünden ihr noch einige vitale Jahre bevor. Und vielleicht könne man sogar in einer der nächsten beiden Winterruhepausen auch ihren Außenzwinger in Angriff nehmen. Nur eine Seite zu verschönern, so Jens Kabisch mit Blick aus dem Fenster, sei sonst ja auch irgendwie unfair gegenüber der „Alterspräsidentin da unten“.


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