Samstag, 27. Februar 2021
Mittwoch, 3. Februar 2021

Sehr strenge Regeln mittlerweile für das Ausbringen von Gülle 

Seit November durfte keine Gülle ausgebracht werden. Foto: Foto: Archiv Nico Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Neue Düngeverordnung, Preisdruck und Corona: Die Lage in der Landwirtschaft bleibt angespannt. Die Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Torgau schildert der TZ die aktuelle Situation. 

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Es ist Februar. Normalerweise wären jetzt viele Landwirte der Torgauer Region dabei, organischen Dünger auf die Felder zu bringen. Die Sperrfrist ist um, bestätigt Christine Richter, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Torgau. 

Die Lager sind voll 

Doch seit 1. Januar gilt die neue Düngeverordnung. Und die besagt, dass bei gefrorenen, bei Schnee bedeckten oder bei nassen Böden keine Gülle auf die Flächen gebracht werden darf. Das ist gerade ein großes und ernstes Problem für die tierhaltenden Betriebe. Denn die Hinterlassenschaften von Schweinen und Rindern werden schon seit November mit Beginn der Sperrfrist gelagert. Die Güllebehälter sind vielerorts voll. Und das Wetter bleibt wechselhaft. Wer weiß, wann die Bedingungen endlich wieder so sind wie es die neuen Vorschriften erlauben. „Früher haben die Bauern die Gülle gerne ausgebracht, wenn die Böden leicht angefroren waren. Dann sank die Technik nicht so tief in den Boden ein und die Saaten wurden geschont. Doch das geht nun nicht mehr“, beschreibt Christine Richter das Problem. Überhaupt steht mittlerweile die Düngeausbringung unter dem sehr strengen Blick der Öffentlichkeit. Die Bevölkerung nehme jeden Gülletransport (oftmals kritisch) wahr. 

Schlachtschweine 

Aber das ist nicht die einzige Sorge, die derzeit zahlreiche Bauern umtreibt. Vor allem Schweinehalter ärgern sich über die aktuelle Situation. Mit dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland ist der Abnahmepreis bereits im September 2020 zum ersten Mal gefallen. Im November folgte der zweite Sprung nach unten. Inzwischen erhalten die Erzeuger nur noch 1.19 Euro je Kilogramm Schlachtfleisch. Dabei hatte man im Februar 2020 mal hervorragende 2.02 Euro je Kilogramm. Hinzu kam die Corona-Krise, so dass viele Schlachthöfe auch wegen Personalmangel keine Tiere mehr annahmen. „Jetzt stehen die Schlachtschweine oft schon mit zu viel Gewicht in den Ställen, was den Abnahmepreis nochmal nach unten drückt. Denn für mehr Fettanteil im Fleisch gibt es weniger Geld“, beschreibt es Christine Richter. Gefragt sei mageres Fleisch. 

32 Cent je Liter Milch 

Die Situation für Milchbauer ist ebenfalls nicht die Beste. Schon seit längerer Zeit bekommen die Erzeuger nur noch einen Grundpreis von 32 Cent je Liter Milch. „Viel zu wenig. Um kostendeckend zu sein, müsste der Erlös wenigstens 40 Cent je Liter betragen“, schätzt die Geschäftsführerin des RBV ein. 

Da ist es ein Lichtblick, dass zumindest das Wetter in den vergangenen Wochen mitspielte. „Etwa 50 bis 70 Liter Niederschlag je Quadratmeter durchschnittlich waren im Januar gut für die Wintersaaten, die im Herbst ausgebracht wurden. Das Wintergetreide und der Raps konnten davon profitieren“, schätzt Christine Richter ein. Sollten in den nächsten Tagen die Temperaturen tatsächlich wieder in den zweistelligen Minusbereich fallen, wäre eine schützende Schneedecke gut. Bislang haben die Kulturen den Frost bestens überstanden. Mit entsprechend Schnee seien auch die sehr kalten Nächte bislang kein Problem gewesen. Zwei Drittel der Saaten kommen übrigens bereits im Herbst in den Boden. Noch immer jedoch – schränkt die Geschäftsführerin ein – fehle in den tieferen Bodenschichten das Wasser. Somit sei jede Flocke Schnee und jeder Tropfen Regen nicht hoch genug zu einzuschätzen, selbst wenn es die Gülleausfuhr behindert. 

Bauernproteste 

Was die derzeitigen Bauernproteste in Berlin betrifft, ist der Regionalbauernverband nicht involviert. „Mir sind keine Betriebe der Region bekannt, die entsprechende Abordnungen in die Hauptstadt geschickt hätten“, sagte Christine Richter. Der Unmut der Landwirte sei aber sehr nachvollziehbar. Nach den letzten Jahren müsse man sich ernsthaft fragen, ob Landwirtschaft in Deutschland überhaupt noch politisch gewollt sei. Preisdruck, Bürokratie und Einschränkungen sind zuletzt immer größer geworden. Die Bauern kämpfen darum, dass es endlich weltweit und europaweit gleiche Standards und gleiche Wettbewerbsbedingungen gibt, dass Produkte aus der Landwirtschaft wieder mehr Wertschätzung erfahren und dass der Lebensmittel-Einzelhandel nicht immer mehr an der Preisschraube dreht. Von dem, was Kunden im Supermark bezahlen, komme bei den Erzeugern einfach viel zu wenig an. 

Eine positive Nachricht hat die RBV-Geschäftsführerin noch zum Schluss: So sei der Getreidepreis Ende des Jahres allgemein gestiegen. Davon konnten aber nur Betriebe profitieren, die entsprechende Lagermöglichkeiten hatten.


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