Montag, 8. März 2021
Sonntag, 7. Februar 2021

Osterlämmer in Großwig auf der Weide

Von unserem Redakteur Bärbel Schumann

Konrad Weber hat zwar längst seine Schäferei an Sohn Martin abgegeben. Doch für ihn gilt: Einmal Schäfer, immer Schäfer, weil es seine Berufung ist.

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Großwig. Der eisige Wind weht an diesem Sonnabend über das Land. Am Waldrand hinter Großwig weiden Schafe auf einem Acker. Heuraufen und ein extra Bereich für die Jungtiere sind mit Futter gut gefüllt, so dass keines der Tiere hungern muss, wenn es auf dem Boden nur wenig findet. Konrad Weber ist gekommen, um nach den Tieren zu schauen. Grund dafür gibt es eigentlich keinen, denn Sohn Martin hat hier an diesem Tag bereits von 8 Uhr an bis gegen 12 Uhr sich um das leibliche Wohl der Herde und der drei Hütehunde gekümmert. Die Raufen sind immer noch gut gefüllt, obwohl es bereits Nachmittag ist. Auch die jungen Lämmer, für die es extra einen Futterstand mit Kraftfutter gibt, nutzen das Angebot, obwohl bei Mama auch Milch fließt. 

Einmal Schäfer – immer Schäfer

Konrad Weber ist 64 Jahre alt und im Ruhestand. Die Schäferei hat er längst an Sohn Martin übergeben. Doch der Senior ist zu sehr mit Leib und Seele Schäfer und Landwirt, als dass er nur daheim den Ruhestand genießen könnte. „Seit 1953, als mein Vater Gerhard mit der Schäferei anfing, ist der Betrieb in Familienhand. Mit so 50 Tieren hat er damals begonnen“, erzählt Weber stolz. 1980 übernahm er, als er seinen Armeedienst absolviert hatte. 

Der Großwiger erzählt viel und gern aus seinem Schäferleben. Man merkt schnell, dass dieser Beruf für ihn eine Berufung in all den Jahren ist. Leben und Arbeit an frischer Luft zu jeder Jahreszeit und an jedem Tag, denn Tiere kennen keinen Feiertag und kein Wochenende. Sie wollen immer versorgt sein. 

Wenn der Senior erzählt, dann erfährt man zudem viel, wie es um die Landwirtschaft zu unterschiedlichen Zeiten bestellt war. Zu DDR-Zeiten war die Wolle der Schafe heiß begehrt und wurde entsprechend bezahlt. Heute bekommt ein Schäfer für ein Kilo davon 20 Cent. Pro Schur  und Tier fallen rund 3,5 Kilo an. Dem gegenüber stehen Kosten von 1,60 Euro pro Tier für das Scheren, hinzu kommen aber auch noch weitere Kosten wie für den Strom oder die Arbeitszeit zum Einfangen der Tiere. „In Spitzenzeiten gab es für ein Kilo Wolle umgerechnet 1,60 Euro“, erzählt Weber. 

Osterlämmer auf der Weide

Zur Herde der Schäferei Weber gehören 800 Tiere. „Alles Muttertiere und einige Böcke“, ergänzt der Senior. Die Großwiger haben sich auf die Rasse der Suffolk-Schafe spezialisiert. Die ist erst seit dem 18. Jahrhundert aus England bekannt. „Die Schafe sind sehr muskulös. Die Wolle ist generell weiß, das Gesicht, die Ohren und die Beine sind tiefschwarz und nur glatt behaart. Weder Schafe noch Böcke tragen Hörner. Jährlinge erreichen schon ein stattliches Gewicht von um die 100 Kilogramm und mehr“, nennt der erfahrene Schäfer besondere Merkmale der Rasse. Beim Anblick der umher tollenden schwarz-braunen Lämmer vermag man sich das nicht vorzustellen. 

Noch vor Weihnachten wurden die ersten geboren. Die Jüngsten derzeit auf der Weise sind knapp 14 Tage alt“, so der Schäfer.  „Zu Ostern können sie geschlachtet werden.“ Bis hin werden sie nicht nur in der Großwiger Region auf der Weide stehen. 

Die Großwiger Schäfer hüten ihre Herden auch anderswo. „Wir sind beispielsweise zwischen Torgau und Belgern an der Elbe unterwegs“, so Conrad Weber. Auf den an die Elbe angrenzenden Flächen leisten die Vierbeiner sozusagen einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege. Nicht nur hier, denn die Schäfer sind auch anderswo unterwegs. Konrad Weber zählt auf, wo er hütete: Region um Elsnig, Gebiete der Stadt Torgau, aber auch in Richtung Leuna, Treuenbrietzen und Luckenwalde.  Bis zu sieben Kilometern kann ein Schaf am Tag mühelos zurücklegen. „Wenn es mehr wird, geht es an die Substanz der Vierbeiner. Im Winter jedoch stehen die Tiere auf Weiden in der näheren Region. Da kann der Schäfer auch jeden Tag daheim sein, anders wenn er über Land zieht.


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