Samstag, 27. Februar 2021
Montag, 8. Februar 2021

Bernd Höcke - Vom Radsporttalent zum erfolgreichen Geschäftsmann

Noch heute hilft Bernd Höcke ab und zu im Radgeschäft, das von seinen Jungs Markus und Hagen geführt wird.Foto: Norbert Töpfer

Von unserem Mitarbeiter Norbert Töpfer

Seine Söhne Hagen und Markus führen die vom Vater gegründete Firma weiter. Der Senior dreht noch heute 70-Kilometer-Radrunden.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Torgau. Bernd Höcke gilt als einer der besten Radrennfahrer der Region Torgau. Aber er ist inzwischen 72 Jahre alt und fährt nur noch aus Spaß an der Freude. „Jetzt bei diesen Bedingungen bin ich nicht unterwegs. Aber in wärmeren Zeiten kommen schon mal 70 Kilometer bei einer Runde zusammen“, erzählt der Senior.

Der Torgauer gehörte in der Hochzeit des hiesigen Radsports zu einem starken Trio, das einige Jahre gleichzeitig für den DDR-Vorzeigeklub SC DHfK Leipzig unterwegs war. Neben Höcke waren das die ebenfalls aus Torgau stammenden Dieter Grabe und Gregor Kiritschenko, der leider 2018 verstorben ist. Grabe war der erfolgreichste des Trios. Er gewann die DDR-Rundfahrt, fuhr einige Friedensfahrten, damals eine der größten Rundfahrten in der Welt. Und er startete 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko. 

Höcke war das nicht vergönnt. Er gehörte als junger Fahrer zu den Besten in der damaligen DDR. Immerhin wurde der Torgauer in der Gesamtwertung des sogenannten LVZ-Preises Fünfter. Das war eine Rundfahrt mit zwölf Etappen. Unter seinem Trainer Rainer Seyffert bei der BSG Lok Torgau nahm er eine so gute Entwicklung, dass er als Junior 1967 mit 18 Jahren zum SC DHfK Leipzig - dem damals stärksten Radsportklub im Osten Deutschlands - delegiert wurde.

Bei den Männern fuhr Höcke unter anderem mit Klaus Ampler, dem Friedensfahrtsieger von 1963, im Team des SC DHfK. Den großen Durchbruch zur Spitze unter den international starken ostdeutschen Radfahrern schaffte Höcke allerdings nicht. 1971 stand er kurz vor eine Nominierung ins DDR-Friedensfahrt-Team. Diese Rundfahrt war zu dieser Zeit eines der bedeutendsten Ereignisse im internationalen Amateur-Radrennsport.

„Ich war damals im Kader der Nationalmannschaft für die größte Rundfahrt des Ostens. Und meine Chance, es in dieses siebenköpfige Team zu schaffen, standen gut. Doch bei einem Rennen im damals sowjetischen Sotschi, das für uns als Ausscheidung galt, bin ich gestürzt und aus war der Traum für mich.“

In dieser Zeit belegte Höcke bei den DDR-Mannschaftsmeisterschaften in dieser Olympischen Disziplin mit dem zweiten Team des SC DHfK Rang zwei hinter der ersten Garnitur des Leipziger Vorzeigeklubs. Bei der international stark besetzten DDR-Rundfahrt wurde Höcke Zwölfter. Ende des Jahres 1971 endete seine Zeit beim SC DHfK, weil er nicht zum Olympiakader der DDR für München 1972 zählte.

„Damals war mit 24 Jahren Schluss mit der Karriere als Leistungssportler, wenn sich die großen Erfolge nicht einstellten. Da war ich aber nicht der einzige Rennfahrer. Das ist mit der Gegenwart nicht zu vergleichen, wo  viele der weltbesten Profis schon über 30 Jahre alt sind“, sagt Höcke.

Als Staatsprofi der DDR war der Torgauer in seiner Zeit beim SC DHfK bei der Leipziger Firma VEB Bodenverarbeitungsgeräte angestellt. „Ich musste zwar kaum arbeiten, bekam aber mein Geld in Höhe des Lohnes eines Facharbeiters. Und die Prämien, die wir als Fahrer des SC DHfK errungen haben, mussten wir abgeben an die Funktionäre. Dabei haben wir manch wertvolle Sachprämien gewonnen, die sich möglicherweise die Funktionäre unter sich aufgeteilt haben.“

Als Talent und später als Fahrer des SC DHfK durfte Höcke auch einige Rennen im Ausland bestreiten. Auch in Ländern, wo die normalen DDR-Bürger nicht hinkamen. „Zum Beispiel bin ich auch mal in Algerien und im damaligen Jugoslawien gestartet. Die Ostblockländer habe ich fast alle durch den Radrennsport kennengelernt.“

Höcke ist nach seiner Rückkehr in die Elbestadt nicht weiter Rennen gefahren. „Ich habe nur noch eine Saison bei der BSG Lok Torgau abtrainiert. Danach musste ich 18 Monate zur Armee.“  Wieder in Torgau nach überstandener NVA-Zeit stieg Höcke nicht mehr aufs Rennrad. „Ich habe mich mal ein Jahr an den sogenannten Volksläufen beteiligt. Beruflich war ich im Landmaschinenbau Torgau tätig.“

Aufs Rennrad stieg Höcke erst nach der Wende wieder. Aber da war die Freizeit für ihn und die Familie oft knapp. Zusammen mit seiner Frau Bärbel eröffneten die Höckes ihren eigenen Radladen. „Damit habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt. Dass meine Bärbel mit im Geschäft tätig sein konnte, war umso schöner. Erst recht, als später unsere Jungs Hagen und Markus einstiegen, die heute das Geschäft in der Torgauer Goethe-Straße weiterführen.“ Stolz sind Bärbel und Bernd Höcke auf das Radgeschäft und das Sport-Höcke-Geschäft, in dem es Sportartikel zu kaufen gibt.

Zurück zum sportlichen Teil von Höcks senior: „Wenn es das Wetter erlaubt, steige schon mal aufs Rennrad und spule 60 bis 70 Kilometer runter“, verrät Bernd. Aber große Touren wie auf Mallorca mit dem in Torgau bekannten ehemaligen Leichtathleten Udo Jeschke (78) fährt Bernd Höcke heute nicht mehr. 

Artikel mit ähnlichen Schlagwörtern suchen:

Radsport Torgau Höcke


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Azubi-Expo

Wir-packens-an

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

Newsletter

Probeabo

Festtagszeitung

TZ-Probelesen

Wirtschaftsmagazin

Torgau-Plus

Wanderführer

Feste und Gäste

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga