Mittwoch, 8. Dezember 2021
Dienstag, 9. Februar 2021

"Ein Orchester funktioniert nur gemeinsam"

Vereinsvorsitzende Sylvia Saalbach freut sich über den 4000-Euro-Scheck für den zweiten Platz von "Wir Packen'S an!" Foto: Martina Ssaalbach

von unserer Redakteurin Nadine Huber

Langenreichenbach/Mockrehna. Auch wenn die gemeinsamen Proben fehlen, geht es bei den Schalmeienmusikanten trotzdem voran. Neue Projekte helfen der Kapelle, die kontaktarme Zeit zu überstehen. 

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Bald ist es wieder so weit: Am 20. Februar geht „Wir Packen’S an!“ in die nächste Runde. In der gemeinsamen Aktion der TZ und der Sparkasse Leipzig können sich auch dieses Mal wieder gemeinnützige Vereine und Einrichtungen um die begehrten Preisgelder aus dem PS-Zweckertrag bewerben. Ganz vorn mit dabei war in der Aktion im vergangenen Herbst der Verein Schalmeienmusikanten Langenreichenbach e. V., der einen stolzen zweiten Platz belegte und damit eine Gewinnsumme von 4000 Euro erhielt. Nun wurde der Scheck feierlich im Vereinshaus übergeben. Dieses ist derzeit aufgrund der Corona-Bestimmungen geschlossen und wurde nur aufgrund des kalten Wetters kurz für die Scheckübergabe geöffnet. 

Wenn man Sylvia Saalbach, Vereinsvorsitzende der Langenreichenbacher Schalmeien, mit ihrer Bariton-Schalmei sieht, glaubt man ihr sofort, dass dieses Instrument einiges an Gewicht auf die Waage bringt. „Die Instrumente sind sehr schwer und unhandlich. Deshalb möchten wir in naher Zukunft unbedingt ein paar passende Tragegestelle dafür kaufen. Mit diesem Projekt hatten wir uns auch für ’Wir Packen’S an!’ beworben“, erzählt sie. Damit nimmt sie auch gleich die Frage vorweg, ob der Verein denn schon das Preisgeld ein- und das Projekt umgesetzt habe. 

Passende Anbieter finden

„Die Umsetzung des Projekts ist in Arbeit, aber geeignete Tragegestelle herstellen zu lassen, ist nicht ganz so einfach“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Denn sie bräuchten spezielle Sonderanfertigungen und dafür gebe es hier nicht allzu viele Anbieter. „Das sollte am besten ein Schuster oder Sattler machen, bei denen wir auch anfragen wollen. Darüber hinaus müssen die Gestelle möglichst flexibel sein. Wir haben in der Vergangenheit schon einmal feste Gestelle benutzt, aber mit denen kann man nicht marschieren. Also brauchen wir flexible Modelle, die uns genügend Bewegungsfreiheit bieten. Vielleicht liest ja jemand, der sich damit auskennt, diese Zeilen und meldet sich bei uns, hofft Saalbach.

Auswirkungen der Krise

Dies sei laut Saalbach nur eine Schwierigkeit, mit welcher der Verein in den vergangenen Monaten zu kämpfen gehabt habe. „Eigentlich haben wir uns nur bei ’Wir Packen’S an!’ beworben, weil wir einen finanziellen Engpass hatten“, berichtet sie und man merkt ihr deutlich an, wie schwer ihr dies fällt. „Wir haben immer sehr darauf geachtet, gut zu wirtschaften und uns Rücklagen zu schaffen. Aber dann hatten wir durch die Corona-Krise im vergangenen Jahr keine Auftritte, unser Vereinsfest fiel aus und wir hatten außerdem keine Sponsoren.“ Das sei natürlich finanziell nicht spurlos am Verein vorbeigegangen. 

Zudem bekämen sie keine Gelder aus dem Corona-Hilfsfond, weil sie am 12. März 2020 eine Zusage für den Umbau des Vereinshauses im Rahmen des LEADER-Projektes bekommen hätten und somit eine 90 prozentige Förderung erhalten würden. „Wir müssen einen Eigenanteil von 10 Prozent erbringen, das entspricht 16 500 Euro. Diesen Anteil haben wir uns extra angespart. Das Geld ist zweckgebunden und darf nur für den Umbau verwendet werden. Aufgrund dieses Geldes erhielten wir aber kein Geld aus dem Corona-Hilfsfond, beschreibt sie die missliche Lage der Schalmeien. 

Lichtblicke

Als ’Glück im Unglück’ kann man es da wohl bezeichnen, dass sie durch Corona-bedingt weggefallene Events wie zum Beispiel das traditionelle Probenlager oder die Musicalfahrt an anderer Stelle etwas Geld haben einsparen können – auch wenn es ihnen natürlich lieber gewesen wäre, wenn die Veranstaltungen hätten stattfinden können. Ein Lichtblick sei auf jeden Fall, dass durch die mediale Aufmerksamkeit und die Berichterstattung im Rahmen von „Wir Packen’S an!“ einige spontane Spenden beim den Musikanten eingegangen seien. „Über die große Unterstützung der Leute haben wir uns sehr gefreut.“

Weitere Projekte

Neben der Fertigung von Tragegestellen haben sich die Langenreichenbacher Schalmeien noch weitere Ziele für die Zukunft gesetzt. „Wir möchten einige Instrumente generalüberholen lassen. Außerdem planen wir den Einbau einer Toilette für Personen mit Handicaps und die Vergrößerung unseres Dachs, damit wir zukünftig häufiger draußen proben können – auch aufgrund von Corona. Das Projekt, uns über Punktesammelsystem neu einzukleiden, stagniert im Moment leider. Dabei kann jeder schon einen kleinen Beitrag dazu leisten, uns unsere Uniformen zu finanzieren – wer wissen möchte, wie, kann sich gern bei uns melden.“

Musizieren im Homeoffice

„Zur Zeit können unsere Mitglieder leider nur zu Hause üben“, äußert sich Sylvia Saalbach bedauernd. „Besonders mit den Kindern stehen wir in regem Austausch, schicken ihnen Nachrichten und Videobotschaften per WhatsApp und bitten sie, uns Rückmeldung zu geben, wie sie mit dem Übungsmaterial zurechtkommen, das wir ihnen schicken. Zum Glück beherrschen alle die Instrumente schon so gut, dass sie schon allein zu Hause proben können. Die gemeinsamen Aktivitäten fehlen zur Zeit aber sehr. Vieles ist im letzten Jahr ausgefallen.“ Einer der wenigen Vorteile, welche der Lockdown mit sich bringe, sei jener, dass man nun mehr Zeit für Dinge habe, zu denen man sonst im Probenalltag nicht komme. So habe der musikalische Leiter Klaus Schneider in dieser Zeit viele neue Arrangements geschrieben. 

Zudem sei das Jahr durch weniger Auftritt und Proben zumindest etwas entspannter und weniger stressig gewesen. Im Sommer habe man dafür erfreulicherweise mehr Proben können als sonst, weil viele Kinder in den Ferien zu Hause geblieben seien. So versucht der Verein, auch der Krise noch etwas Positives abzugewinnen und weiterhin zusammenzuhalten. Denn wie die Vereinsvorsitzende betont: „Ein Orchester ist wie Teamsport – das funktioniert nur gemeinsam.“

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