Samstag, 27. Februar 2021
Mittwoch, 10. Februar 2021

Vor 40 Jahren wird Motor Torgau trotz Punktabzug neuer Kreismeister

Von unserem Mitarbeiter Henry Lickfeldt

Traktor Zwethau siegt im Pokalendspiel mit 2:1. Aber das Wetter meinte es damals nicht gut mit den Fußballern. In einem Spiel hat Chemie Torgau II einfach keine Lust mehr.

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Torgau. Die Saison 1980/1981 in der 1. Fußball-Kreisklasse Torgau verlief turbulent und brachte sportlich zahlreiche Überraschungen. Zudem sorgten mehrere witterungsbedingte Spielabbrüche für Aufregung. Für einen unsportlichen Eklat sorgte der Tabellenelfte Chemie Torgau II in Dommitzsch. Bei einem Rückstand von 0:3 verließen die Torgauer frustriert und enttäuscht einfach das Spielfeld und verursachten damit den Abbruch. Dafür gab es eine saftige Geldstrafe. Wetterkapriolen sorgten für zwei weitere Abbrüche. Einige Vereine klagten zudem über permanente Besetzungsschwierigkeiten. Und die Karten an der Spitze wurden neu gemischt.  

Nach drei Meistertiteln in Folge (1978 bis 1980) rutschte die ASG Vorwärts Torgau mit einer stark umgekrempelten Formation bis auf Rang neun ab. Ebenso spielte Vizemeister Traktor Belgern nach vielen Abgängen als Tabellensechster keine entscheidende Rolle mehr. Die Gunst der Stunde nutzte Motor Torgau nach einer glänzenden Saison und wurde mit 42:10 Zählern klarer Meister, obwohl der Motor-Elf vom Sportgericht zur Winterpause acht Punkte abgezogen worden waren. Grund: Das Team hatte zwischen dem neunten und 13. Spieltag in vier Partien einen nicht spielberechtigen Akteur auf den Platz geschickt.

Motor verlor letztlich keine der 26 Begegnungen und bereitete sich intensiv auf die vier schweren Aufstiegsspiele zur Bezirksklasse gegen Motor Stötteritz Leipzig, Vorwärts Delitzsch, Vorwärts Bad Düben und Motor Holzhausen vor. Auf den Plätzen zwei bis fünf gab es bei Stahl Dommitzsch, Einheit Schildau, Traktor Großtreben und Traktor Zwethau zufriedene Gesichter. Außenseiter Zwethau gelang mit dem 2:1-Erfolg im Pokalendspiel gegen Motor Torgau am Saisonende eine Sensation.

Dagegen mussten sich nach enttäuschenden Vorstellungen Traditionsvereine wie Traktor Beilrode und Traktor Belgern mit den mageren Tabellenplätzen sechs und sieben begnügen. Traktor Arzberg verbesserte sich auf Platz acht. Weßnig und Chemie Torgau II landeten auf den Plätzen zehn und elf. Im Abstiegskampf war zeitig die Luft raus. Neuling Traktor Elsnig war das abgeschlagene Schlusslicht mit schwachen 6:46 Punkten und musste nach nur einem Spieljahr wieder in die 2. Kreisklasse absteigen. 

Zuvor hatten die 14 Vereine vom 27. August 1980 bis 17. April 1981 eifrig um Punkte gekämpft. Neu war die Einführung der gelben und roten Karten. Der Dommitzscher Lothar Forstner wurde neuer Vorsitzender der Schiedsrichterkommission. Presseverantwortlicher war damals Heinz Wenselau. Hoch waren die Torquote und die Besucherzahlen. Insgesamt fielen 705 Treffer. Den höchsten Saisonsieg verzeichnete am zweiten Spieltag Traktor Arzberg mit dem 11:0 gegen Dynamo Torgau/Nord.

Zehnmal klingelte es bei Traktor Zwethau gegen Belgern (7:3). Neun Treffer fielen bei Einheit Schildau gegen SG Süptitz (7:2), zwischen der ASG Vorwärts Torgau und Schildau (7:2) sowie beim Spiel SG Dynamo Torgau/Nord gegen ASG Vorwärts Torgau (1:8). Die meisten Zuschauer kamen mit insgesamt 2100 zu den Partien von Traktor Belgern. Dahinter folgten Einheit Schildau (1900), Traktor Beilrode (1750) und Stahl Dommitzsch (1600). Das Fairplay nahm allerdings mit 31 Feldverweisen keine gute Entwicklung. Traktor Zwethau mit sechs und Motor Torgau mit drei Herausstellungen waren die negativen Spitzenreiter.

Auch das schlechte Wetter mit Hagel, Nebel und Dauerregen sorgten für Chaos im Spielplan.  Die Fans sprachen von einem Katastrophenjahr mit vielen Ausfällen. Der Staffelleiter hatte alle Hände voll zu tun. Probleme bereiteten den Teams die schlechten Platzverhältnisse im Winter. Bedingt durch einen dünnen Spielerkader hatten Dynamo Torgau, Traktor Elsnig und die SG Süptitz arge Besetzungsprobleme. Traktor Elsnig trat deshalb in Arzberg nicht an. Hoch schlugen die Wellen in Belgern. Nach vier Auftaktsiegen ließ der Mitfavorit überraschend oft Federn und verlor sogar gegen Absteiger Traktor Elsnig mit 0:1. In Unterzahl kassierte Belgern ein 0:4 bei SG Dynamo Torgau-Nord.

Viel Arbeit gab es für die Rechtskommission. Gleich neun Punktspiele – so viele wie in keinem anderen Spieljahr – mussten aus den verschiedensten Gründen am grünen Tisch entschieden werden. Gleich zum Auftakt wurde die Partie zwischen Vorwärts Torgau und Dynamo Torgau beim Stand von 6:0 in der 41. Minute abgebrochen. Dynamo war unverständlicherweise am ersten Spieltag nur mit acht Akteuren angereist und beklagte dann noch zwei Verletzte.

Auch das Wetter beeinflusste zwei Punktspiele. Am elften Spieltag musste die Partie zwischen Traktor Elsnig und Traktor Arzberg beim Stand von 1:6 in der 55. Minute wegen dichten Nebels abgebrochen werden. Bei der Neuansetzung am 29. November 1980 hatte Schlusslicht Elsnig gegen Arzberg beim 0:7 keine Chance. Vorwärts Torgau gegen Süptitz wurde beim Stand von 0:0 in der 59. Spielminute wegen einem starken Schneeschauer und Hagel abgebrochen.

Motor Torgau hatte den mit Abstand stärksten Spielerkader beisammen und zog schon nach neun Runden ungeschlagen mit 26:8 Toren und 16:2 Punkten unbeirrt seine Kreise. Die einzigen beiden Punktverluste auf dem grünen Rasen waren zwei Unentschieden. 0:0 hieß es gegen Großtreben und 1:1 im Spitzenspiel in Dommitzsch. Nach einem 1:0 gegen Vorwärts Torgau und dem 3:1 in Belgern vor 420 Besuchern wurde bei den Fans schon von einer Wachablösung gesprochen. 

Doch dann zog die Rechtskommission in der Winterpause Herbstmeister Motor Torgau acht Zähler ab. Die vier Siege gegen Chemie Torgau II (2:1), in Belgern (3:1), gegen Traktor Elsnig (8:0) und in Schildau (3:1) wurden Motor wegen des Einsatzes eines unberechtigten Spielers wieder  abgezogen. Der Herbstmeister zog noch vor das Verbandsgericht. Aber die Revision wurde abgelehnt.

Trotzdem ließ sich Motor Torgau nicht beeindrucken und zog auch in der Rückrunde souverän seine Kreise. Im Endspurt siegte der Meister auswärts mit 4:0 bei Chemie II, 5:0 in Elsnig, zuhause vor 225 Fans mit 1:0 gegen Traktor Belgern sowie zum Abschluss eindrucksvoll 4:1 gegen Einheit Schildau, diesmal vor 270 Besuchern.

Stahl Dommitzsch fand mit dem Vizemeistertitel zu alter Stärke zurück. Erstmals wurde Vorwärts Torgau mit dem 6:1 und 2:1 zweimal bezwungen. Die Grün-Weißen waren mit 73 Saisontoren die gefährlichste Elf der 1. Kreisklasse. Die besten Saisonspiele gelangen gegen den späteren Tabellendritten Einheit Schildau. Hier stand es am Ende 4:1 und 3:0. Schildau war mit dem dritten Rang sehr zufrieden.

Die positiven Überraschungen waren die Außenseiter Traktor Großtreben mit Coach Hubert Wetzer auf Platz vier und Traktor Zwethau auf Rang fünf. Großtreben imponierte mit zwei spektakulären 5:3-Auswärtssiegen in Zwethau und Süptitz und schlug auch die prominenten Traktor-Nachbarn Beilrode (2:0), Arzberg (2:1) und Belgern (2:1).

Traktor Zwethau beeindruckte mit seiner starken Offensivkraft und war mit 66 Treffern das zweitbeste Team der Saison 1980/81. Traktor Elsnig und Dynamo Torgau-Nord wurden jeweils mit 7:0 abgefertigt. Zum Saisonabschluss wurden die Zwethauer immer stärker. Die Fans feierten auch einen glanzvollen 7:3-Kantersieg gegen Traktor Belgern. 

Nach wechselvollem Verlauf reichte es für Traktor Beilrode nur zum sechsten Platz. Höhepunkte waren die gut besuchten Heimspiele gegen Schildau (3:3), Weßnig (2:0), Arzberg (3:0), Vorwärts Torgau (1:1), Motor Torgau (0:1), Stahl Dommitzsch (2:1) und Traktor Belgern (3:0). Der ehemalige Serienmeister Belgern hatte nach dem Karriereende von Ronald Rietorf, Hans-Joachim Alex, Kurt Schubert, Jürgen Förster, Dietmar Karius, Peter Reitor, Detlef Mehle, Kurt Alex Vetterlau und Harald Scheibe nicht mehr das Leistungsvermögen früherer Zeiten.

Trainer war damals Achim Gutsmann. Die Routiniers Ulrich Müller (34), Werner Leuschner (31), Hans-Joachim Fiedler (31) und Torhüter Gerhard Große (31) hielten Traktor Belgern am längsten die Treue. Ersatzkeeper war Frank Lehmann. In der Abwehrkette waren die Brüder Michael und Reiner Nelle, Dietmar Straube, Ulrich Müller und Hans-Joachim Fiedler eine Bank. Dietmar Straube -  Jahrgang 1951 - kehrte nach zwei Spieljahren aus Neußen zurück.

Vorwärts hatte eine fast komplett neue Elf. Mit klaren Siegen gegen Dynamo (6:0) und bei Chemie Torgau II (6:1) gab es einen guten Start. Zwei 2:3-Heimniederlagen gegen Arzberg und Belgern zeigten aber auch deutliche Schwächen. Eine Revanche und Wachablösung gelang Motor Torgau gegen den Dauerrivalen. Am 24. September 1980 behielt Motor gegen Vorwärts im Ziegeleiweg mit 1:0 die Oberhand. Das Rückspiel endete am 18. Februar 1981 auf Schneeboden in der Waldsiedlung Vogelgesang mit 2:0. Vorwärts rutschte ins Mittelfeld ab und Motor zog von Sieg zu Sieg.

Am Saisonende standen dann noch die Aufstiegsspiele zur Bezirksklasse für Meister Motor Torgau auf dem Programm. Gegner waren die zwei Leipziger Titelträger Motor Stötteritz (Leipzig-Stadt) und Motor Holzhausen (Land) sowie Vorwärts Delitzsch und Vorwärts Bad Düben. Es war die schwierigste der drei Aufstiegsgruppen. Diese Spiele liefen im Mai und Juni 1981. Nach einem 2:3 in Holzhausen, dem 1:1 gegen Vorwärts Delitzsch und dem beeindruckenden 4:1-Sieg gegen Vorwärts Bad Düben war noch alles drin. Doch am 27. Juni vergab Torgau im Leipziger Südosten bei Motor Stötteritz mit einem 1:1 die große Chance zum Aufstieg. Der gelang Stötteritz und Vorwärts Delitzsch mit je 5:3 Punkten. Motor Torgau blieb mit 8:6 Toren und 4:4 Punkten nur der undankbare dritte Platz.

Abschlusstabelle 1. Kreisklasse Torgau  1980/1981:

1. Motor Torgau (3)                       26      61:29         42:10

2. Stahl Dommitzsch (8)                               26      73:24         39:13

3. Einheit Schildau (5)                                   26      61:44         36:16

4. Traktor Großtreben (6)                           26      45:34         33:19

5. Traktor Zwethau (4)                                 26      66:40         28:24

6. Traktor Beilrode (7)                                  26      51:40         27:25

7. Traktor Belgern (2)                                    26      45:44         27:25

8. Traktor Arzberg (11)                                 26      64:54         26:26

9. ASG Vorwärts Torgau (1)                        26      61:39         25:27

10. SG Weßnig (9)                                          26      50:54         23:29

11. Chemie Torgau II (10)                            26      35:50         22:30

12. SG Dynamo Torgau-Nord (13)            26      33:80         18:34

13. SG Süptitz (12)                                          26      45:80         14:38

14. Traktor Elsnig (N)                                     26       15:93          6:46

Hinweis: In Klammern die Platzierung des Vorjahres.

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