Samstag, 27. Februar 2021
Donnerstag, 11. Februar 2021

"Und dann kommt da so ein Spastiker"

Wehnerscher Rettungsversuch: Übergabe der Unterschriftenlisten von Reinhard Wehner an Romina Barth (r.) Foto: Thomas Keil

von unserem Volontär Thomas Keil

Torgau. Pünktlich zur Ausschussitzung Anfang Februar sorgt Edwin Bendrins geplatzter Kragen vom Januar für ein Nachspiel. Doch zuvor machte Reinhard Wehner der Oberbürgermeisterin Romina Barth noch einen Antrag.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Zu Beginn der Ausschusssitzung in der vorigen Woche übergab Reinhard Wehner seine Unterschriftenlisten als Einwohnerantrag zum Erhalt des Bahnhofsgebäudes an Romina Barth. Über die seit Weihnachten laufende Sammlung und die Präsentation des Zwischenstandes am 13. Januar im Stadtrat berichtete auch der Sachsenspiegel des MDR. Die in dem Beitrag stattgefundene Verwechslung der Stadträte Claus Höfner und Edwin Bendrin  wäre vermutlich einfach nur lustig gewesen, wenn Edwin Bendrin nach der Sitzung vor dem MDR-Mikrofon nicht der Kragen geplatzt wäre, wie es MDR-Reporter Thomas Schäfer formulierte. „Als ich den Beitrag während der Erstausstrahlung im MDR sah, lachte ich noch mit meiner Frau darüber,“ erinnert sich Freie-Wähler Stadtrat Claus Höfner. Doch die folgenden Reaktionen bewogen die Stadträte Claus Höfner und Peter Nowack (FDP) zu jeweils einer Stellungnahme im öffentlichen Teil der Ausschusssitzung. 

Die Ausgangslage
Für Claus Höfner ging es dabei vor allem um die Kritik aus der Facebook-Gruppe „Radio Eriwan – Sender Torgau“. Dort meinte die Nutzerin Birgit Schmock-Wagner, Claus Höffner habe mit seiner Meinung gegenüber dem MDR gelogen. „Es gibt keinen Investor für einen Euro oder 100 000 Euro, der kein Nutzungskonzept mitbringt, der sich nicht präsentiert“, sagte damals Claus Höfner gegenüber dem MDR. Der Investor Gerhard Schumann präsentierte sich und sein Nutzungskonzept erst eine Woche später.

Bereits unmittelbar nach der Ausstrahlung des MDR-Berichts sorgte die Wortmeldung Edwin Bendrins dank der Namensverwechslung für überregionale Aufmerksamkeit. „Und dann kommt da so ein Spastiker“, beschrieb Edwin Bendrin im Januar seine Sicht der Dinge. „Das hat über Torgau hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt“, ordnet Peter Nowack ein. Er ist als FDP-Stadtrat mit den Freien Wählern in einer Koalition. Gerade deshalb habe er sich kritischen Fragen anderer FDP-Mitglieder Sachsens stellen müssen.

Die Stellungnahmen en détail
„Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Romina Barth, werte MitarbeiterInnen der Verwaltung, sehr geehrte Stadtra¨te, liebe Stadtra¨tinnen,

Noch einmal bezugnehmend auf die Stadtratssitzung vom 13. Januar hier an gleicher Stelle, möchte ich eine kurze Stellungnahme abgeben und damit zur Klärung eines Sachverhalts beitragen. Im Anschluss an den nichtöffentlichen Teil wurde vom Vertreter des MDR-Sachsenspiegel, Thomas Schäfer, unter anderem mit mir ein Kurzinterview geführt. In diesem Interview sagte ich: ... dass es keinen Investor gibt, der für einen Euro... Diese Aussage ist wahr, auch wenn in der Facebook-Gruppe „Radio Eriwan – Sender Torgau“ diese Aussage als Lüge dargestellt wurde. Wörtlich heißt es dort von Nutzerin Birgit Schmock-Wagner: „Soviel zu den Lügen, die Stadtrat Höfner mal fix unterstellt hatte...“

Am 13. Januar, und bis heute darf ich aktuell ergänzen, ist kein Investor aufgetreten, hat ein nutzungsfähiges Konzept oder anderweitige realisierbare Vorschläge unterbreitet, die seit Jahren längst hätten auf dem Tisch liegen können. Da in dem oben genannten Interview des MDR-Sachsenspiegels die unterlegten Namen der beiden interviewten Stadträte vertauscht wurden, erhielt ich aus dem gesamten Sendegebiet des MDR-Sachsenspiegel bitterböse E-Mails, die nicht nur persönlich verletzend waren, sondern auch geschäftsschädigend sein könnten. Aus diesem Grund habe ich als Stadtrat der Freien Wähler bereits am Donnerstag wiederholt beim MDR angerufen und am Freitag, den 15. Januar, gegen Mittag die Zusage erhalten, dass der Beitrag über den Torgauer Bahnhof aus der MDR-Mediathek genommen wird, was dann auch geschah. Thomas Schäfer bedauerte den Fehler und entschuldigte sich. Diese Entschuldigung habe ich unter dem Versprechen, nun des Öfteren aus Torgau zu berichten, angenommen. 

Die Bitte oder Forderung an den MDR, den Beitrag nicht weiter in der Mediathek zu senden, war meine ganz persönliche Entscheidung und die hatte weder Bezug auf eine Stadtratsfraktion, einen Stadtrat oder die Stadtverwaltung. Vielleicht können die anwesenden Stadträte, denen die Facebook-Gruppe „Radio Eriwan – Sender Torgau“ sehr am Herzen liegt und die sich über scheinbar kritische wahre oder unwahre Einträge und Aussagen freuen, dies an die dort eingetragenen Mitglieder und Leser weitergeben. Meinen herzlichsten Dank dafür und Ihnen allen Dank für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit“, sagte Claus Höfner.

„Es gibt ja mehrere Seiten zu dem Interview, die da zu beachten sind. Es gab ja auch eine Stellungnahme des Stadtrat Edwin Bendrin, die ich wohlwollend aus der Torgauer Zeitung zu Kenntnis genommen habe. Ich als FDP-Stadtrat will einfach nochmal sagen, dass das Interview, die Verwechslung und diese Wortwahl überregional, und das möchte ich nochmal unterstreichen: wirklich überregional, wahrgenommen wurde. Mich haben Parteifreunde aus ganz Sachsen gefragt, mit welchen Leuten bei den Freien Wählern ich mich in eine Koalition begeben habe, eine gemeinsame Fraktion. Es hat mich viel Kraft, viel Worte gekostet, um die Sachen richtigzustellen. Überregional wurde die verbale Verfehlung eines unserer Stadtratsmitglieder ganz anders wahrgenommen als in der Region. In der Region konnte es eingeordnet werden. Vielleicht macht es sich schon notwendig, dass man von Seiten der CDU über die Stellungnahme des Stadtrates Edwin Bendrin hinaus vielleicht nochmals auf diesen Vorfall reagiert. Danke,“ äußerte sich Peter Nowack.

Schlussakkord
Während ihm nach der Januar-Sitzung zumindest die Verwechslung für Claus Höfner und die Freien Wähler leid tat, war zwei Tage nach der Ausschusssitzung das Thema für CDU-Fraktionschef Henry Goldammer dann endgültig erledigt. „Es ist zu diesem Vorfall alles gesagt worden. Die Stadträte Claus Höfner und Peter Nowack haben im öffentlichen Teil eine Erklärung abgegeben und danach im nichtöffentlichen Teil wurde es fraktionsübergreifend nochmals thematisiert und besprochen. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, bügelte er Nachfragen der Torgauer Zeitung hinsichtlich der bereits am 15. Januar für die Folgewoche angekündigten Stellungnahme ab.

„Edwin Bendrin hat sich bei mir persönlich entschuldigt“, erläutert Claus Höfner. Damit und den Diskussionen vorige Woche Mittwoch sei die Sache für ihn abgeschlossen. In der Entschuldigung sei es Edwin Bendrin auch um die überregionale Verwechslung gegangen. „Jetzt möchte ich einen Schlussstrich ziehen, dass wir zu den nächsten Themen als Stadtrat übergehen können“, begründet Claus Höffner.

Etwas differenzierter betrachtet dies Peter Nowack. „Zum großen Teil ist die Sache erledigt. Ich würde mich dennoch über eine abschließende, öffentliche Erklärung der CDU-Fraktion freuen“,  meint Peter Nowack. Wenn die CDU eine öffentliche Stellungnahme abgäbe, dann wäre der FDP-Politiker mit dem Thema durch. War da nicht was im Ausschuss? „Ja, aber erst auf Anfrage von Freie-Wähler-Stadtrat Axel Klobe und eben im nicht-öffentlichen Teil.“


Kommentar von TZ Volontär Thomas Keil:

Gegen das Sodbrennen

Neulich im Kreisi: „Einmal Stadtrat bitte, vom Groben,“ bestellte MDR-Sachsenspiegel-Reporter Thomas Schäfer einen Interviewpartner. Wie beim Fleischer durfte es dabei auch gerne ein bisschen mehr sein. So bekam er für seine Reportage zur Wehnerschen Rettungsaktion nach der Januar-Stadtratsitzung eine saftige Portion Edwin Bendrin – extra grob. Leider präsentierte er diese mit vertauschter Beschriftung. Während dies den Torgauer nicht weiter störte und lediglich der miese Geschmack sauer aufstieß – er erkannte schließlich, was ihm kredenzt wurde, staunten Freie Wähler und FDP-Anhänger sachsenweit nicht schlecht, was alles unter ihrem Etikett  auf einer gemeinsamen Servierplatte angeboten wird. Edwin Bendrin merkte selbst recht schnell, dass er nur schwer verdaulich daherkam. Immerhin bot er mit seinem Bedauern gegenüber der Torgauer Zeitung, und so auch der Öffentlichkeit, ein kleines Verdauerli an. Das und die öffentliche Selbstmedikamentation vorige Woche von Claus Höfner und Peter Nowack gegen das Sodbrennen reichte Henry Goldammer aus. Na gut, im geschlossenen Teil ließ er sich wohl doch noch zu einer Runde Kräuter erweichen, aber nur für die Räte.


Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Azubi-Expo

Wir-packens-an

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

Newsletter

Probeabo

Festtagszeitung

TZ-Probelesen

Wirtschaftsmagazin

Torgau-Plus

Wanderführer

Feste und Gäste

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga